Montag, 4. März 2019

Karneval: Betreutes Lachen

Foto: Screenshot Twitter.
von Tomasz M. Froelich
Den Karneval konnte ich noch nie leiden. Und es spricht für sich, daß in einer Gesellschaft, in der Traditionen kaum noch etwas wert sind, ausgerechnet der Karneval Hochkonjunktur hat. Relikte aus kulturell besseren Zeiten gelten heutzutage noch dann etwas, wenn sie der Dekadenz zuträglich sind. Sei's drum.

Was während des Karnevals abgeliefert wird, ist zumeist wenig witzig, sondern eher der typische Hegemonenhumor: Man darf jeden durch den Dreck ziehen, nur sich selbst, die Seinen und unterprivilegierte, unter politisch korrektem Artenschutz stehende Minderheiten nicht - da hört der Spaß dann auf! Betreutes Lachen, sozusagen. Mir waren Menschen, die nicht über sich selbst lachen können, schon immer unsympathisch.

Auf dem Karneval schaut das Ganze dann so aus:

Da wird auf einem Lastwagen Trump gezeigt, wie er die Freiheitsstatue fickt - Trump, in dessen Amtszeit die niedrigste Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten fällt und dessen Land mittlerweile Reis nach China exportiert.

Da darf dann Björn Höcke als Goebbels-Baby präsentiert werden - der typische Humor von BRD-Gutmenschen, die ihre gratismutigen ,,Witze'' für waghalsige Sozialkritik halten und dabei nicht merken, daß es nicht ihre Autos sind, die abgefackelt werden, sondern die Autos derer, über die sie sich lustig machen. Ich bin mir sicher, das wären hervorragende Nazis gewesen.

Aber wehe, Annegret Kramp-Karrenbauer wagt es einen harmlosen Witz über Intersexuelle zu machen! Schon ist von ,,Annegrets karnevalistischer Kernschmelze'' die Rede.

Humor ist die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. Politisch korrekter Hegemonenhumor ist das exakte Gegenteil davon.

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