Mittwoch, 5. Dezember 2018

Der allgegenwärtige Antisemit

Das Buch kann hier bestellt werden.
Dominik Ešegović rezensiert
Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemit: oder die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit, Westend, Frankfurt a.M. 2018, 256. S. 

Der Autor stellt klar: Ohne tatsächlichen oder auch nur eingebildeten Antisemitismus wäre Israel die Existenzberechtigung entzogen. Die Erinnerung an die Shoah habe jedoch neben politischen auch religiöse Züge angenommen. Der weltweite Antisemitismus sei im Falle Deutschlands jedoch nicht selten ein eingebildeter. Wenn es mal zu Gewalttaten gegen Juden käme, müsse man auf den Aufschrei verständlicherweise nicht lange warten. Aktionen wie die “Deutschland-trägt-Kippa”-Veranstaltung hält Zuckermann jedoch für einen schlechten Witz. Schließlich handle es sich bei der jüdischen Kopfbedeckung um ein religiöses Symbol, das kaum für die Solidarität zum säkularen Judentum stehen könne.

Zuckermann betont immer wieder: Zionismus, Judentum und Israel sind Begriffe, die nicht zwingend zusammengehörten. Es könne auch nichtzionistische Israelis oder gar zionistische Antisemiten geben. Die an Wahnsinn grenzende Israelliebe vieler deutscher Philosemiten erklärt Zuckermann mit “staatsoffizieller” Propaganda und einer “kollektiv narzisstischen” Kränkung der Betroffenen. So sei auch die deutsche Unterstützung Israels zu erklären. Es handle sich um ein “neurotisches Bedürfnis” der Täternachfahren, die sich nach einer Entschuldung des verletzten Selbst durch den “aggressiven Juden” sehnten. 

Pazifistische Israelis wie Zuckermann gerieten deshalb gerne ins Visier von “hauptamtlichen Antisemitismus-Jägern”. Quasi “gut deutsch” als solche “verbeamtet” bezichtigten diese eben auch jüdische Israelkritiker des Antisemitismus. Deutsche Philosemiten, meint Zuckermann, könnten Juden ihre “auschwitzferne Individualität nicht verzeihen”. Dass die naive Israelliebe vor allem unter (ex-)linken Antideutschen besonders verbreitet sei, ist für den Autor kein Wunder. Dass sie mit eben jenen in ein und demselben kollektivistischen Boot sitzen, dürfte aber den ein oder anderen “Libertären” sicher wundern.

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