Freitag, 2. November 2018

Friedrich Merz: Der deutsche Macron

Friedrich Merz. Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de 
[CC BY-SA 3.0 de], from Wikimedia Commons
von Ralf Özkara
Wie Sie vielleicht wissen, war ich über eine gewisse Zeit, noch vor der Gründung der Alternative für Deutschland, Mitglied der CDU. Dort ist mir bei vielen Restkonservativen CDU-Mitgliedern immer wieder ein Verhaltensmuster aufgefallen, das neurotische Züge hat, die insbesondere in den letzten Tagen im Zuge der Ankündigung des Comebacks von Friedrich Merz wieder zu beobachten sind: Plötzlich sind die CDU-internen Merkel-Kritiker völlig aus dem Häuschen, weil ein scheinkonservatives Feigenblatt sich um das höchste Parteiamt bewirbt. Das ist die pure Selbsttäuschung!

Seien wir mal ehrlich: Wer konservativ ist und der Union angehört, der weiß, daß er in dieser Partei falsch ist. Wenn ein winziges pseudokonservatives Fünkchen, wie etwa die besagte Ankündigung von Friedrich Merz, ausreicht, um das eigene Gewissen zu beruhigen, dann ist das heuchlerisch und selbstbetrügerisch – ein typisches Neurotikerverhalten.

Warum? Aus vielerlei Gründen! Dieser ach so konservative und ach so marktwirtschaftlich orientierte Friedrich Merz hat erst jüngst den Ludwig-Erhard-Preis abgelehnt, weil ihm der Leiter der Ludwig-Erhard-Stiftung, Roland Tichy, zu rechts ist.

Und wo Merz europapolitisch steht, hat er neulich in einer Erklärung, die auch Jürgen Habermas, der neomarxistische Hofphilosoph der grassierenden Gutmenschenmentalität gezeichnet hat, klar gemacht: Eine EU-Armee, eine EU-Arbeitslosenversicherung, noch mehr EU-Zentralismus. Das ist europapolitisch links von Angela Merkel.

Spätestens nach der gestrigen Pressekonferenz ist klar: Merz wird die Macronisierung der CDU und Deutschlands vorantreiben wollen. Er fordert europapolitisch genau das, was die SPD und Macron postulieren, was aber selbst von einer Angela Merkel bisher gestoppt wurde.

Merz hat denselben Linksruck hingelegt, wie seine Partei, nur blieb dieser bei ihm bisher unbemerkt. Das könnte daran liegen, dass Merz zu einer Zeit von der politischen Bühne verschwand, als seine Partei ihren Prozess der Sozialdemokratisierung erst so richtig einzuleiten begann.

Merkel sprach vor 15 Jahren auch noch anders, nur war bei ihr der Linksschwenk durch ihre Allgegenwart tagtäglich zu beobachten. Bei Merz fand dieser Prozess offenkundig auch statt, nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das ist wohl der Hauptgrund dafür, weshalb sich viele bei ihm falschen Illusionen hingeben.

Merz ist weit weg vom konservativen Minimum. Und Konservative, die sich durch ihn eine geistig-moralische Wende erhoffen, sind nah dran am Stockholm-Syndrom. Mit bürgerlichem Kriechgang in die politische Entmündigung: Viel Spaß bei diesem virtuellen Rechtsruck, liebe Restkonservative in der CDU!

Kommentare:

  1. Seit wann ist Freitum wieder aktiv? War recht schade, dass der Blog inaktiv war. Wäre auch gar nicht verkehrt, neue Autoren zu holen.

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  2. Damit sind Sie der dritte der daran erinnert... Muß man sich mal vorstellen....

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