Freitag, 20. April 2018

Youtube - Kontroversen und Richtlinien: Was bringen die neuen Regelungen von YouTube?

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von Lena Bungert
Meta-Description: YouTube hat angekündigt, Inhalte stärker zu überprüfen – ist das nun das Ende der Videoplattform oder nur ein längst überfälliger Schritt?

YouTube – vom freien Portal zum Big Brother?

YouTube zählt zu den erfolgreichsten Plattformen im Internet. Täglich werden Millionen Videos abgerufen, im Schnitt verbringt jeder Nutzer täglich eine Stunde mit den Clips über Schminke, Fußball, Videospiele, Katzen und vieles mehr. Die immense Beliebtheit der Plattform fußt sicherlich zu einem Großteil auf dem alten Motto von YouTube: „Broadcast yourself“. Hier kann wirklich jeder seine Videos hochladen und der ganzen Welt mitteilen, was er von bestimmten politischen Entscheidungen hält, wie man den Kajalstift richtig ansetzt, welches der schwerste Boss im neuesten Videospiel ist und wieso die US-Regierung ganz eindeutig von den Illuminaten unterwandert wurde. 

Dank dieser thematischen Vielfalt findet praktisch jeder etwas Passendes auf YouTube – allerdings wird die Freiheit, beliebige Inhalte hochzuladen, für YouTube langsam zum Problem. Denn mit den steigenden Nutzerzahlen kamen auch Werbeeinnahmen in Milliardenhöhe – die wiederum zu stärkerem Konkurrenzkampf zwischen den Kanalbetreibern führten und einige von ihnen dazu verleiteten, um jeden Preis Aufmerksamkeit zu erregen. Prominentestes Beispiel hierfür ist der US-amerikanische YouTube-Star Logan Paul, der mit einem Video, in dem minutenlang ein Suizidopfer zu sehen ist, für reichlich Aufsehen und Diskussionen sorgte. 

Nun will YouTube die Kontrolle der Inhalte verstärken, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden – aber was ist eigentlich erlaubt auf der Plattform und welche neuen Regeln soll es geben? 

Wie sind die Regelungen derzeit? 

Die Ankündigung, die Inhalte stärker zu kontrollieren, führt vor allem bei weniger bekannten YouTubern zu einem Aufschrei und viel Wehklagen. Um einschätzen zu können, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, muss man aber natürlich erst einmal wissen, wie die Richtlinien von YouTube derzeit aussehen. 

Selbstverständlich gab es schon immer Inhalte, die – zumindest offiziell – auf YouTube unerwünscht waren. Dazu gehören zum Beispiel pornographische Videos, sogenannte „Hasskommentare“, Videos mit realer Gewalt, Clips, die gegen das Urheberrecht verstoßen und noch einiges mehr. An diesen Richtlinien wird sich auch durch die neuen Regelungen nichts ändern. Vielmehr möchte YouTube verstärkt auf die Einhaltung dieser Richtlinien achten. 

Bisher war es nämlich so, dass der Betreiber die Inhalte im Vorfeld überhaupt nicht überprüfte. Es konnte tatsächlich jeder hochladen, was er wollte, selbst Videos, die offensichtlich gegen die Richtlinien von YouTube verstießen. Das Unternehmen wurde immer erst aktiv, wenn anstößige Inhalte gemeldet wurden – meist von anderen Nutzern. Das führte dazu, dass letztlich nur ein geringer Anteil der Videos gesperrt wurde: International ist es etwa ein Prozent aller Videos, in Deutschland sind es aufgrund der Rechte der GEMA und des andauernden Streits mit YouTube ein paar Prozentpunkte mehr, wobei vor allem Musikvideos betroffen sind. 

Welche Probleme haben sich aus den bestehenden Verfahrensweisen ergeben? 

Wie man anhand der Zahlen erkennen kann, wird nur ein verschwindend geringer Anteil aller Videos gesperrt, obwohl schon ein kurzer Blick auf die Plattform genügt, um festzustellen, dass es weit mehr Clips gibt, die gegen die Richtlinien verstoßen. Dagegen kämpfen insbesondere die Inhaber von Urheberrechten schon seit längerer Zeit an, zudem hat die zunehmende Vermarktung von Kanälen dazu geführt, dass Kanalbetreiber versuchen, auch mit Geschmacklosigkeiten Aufmerksamkeit zu erregen – siehe Logan Paul. Solche „Ausrutscher“ sind natürlich Gift für die Werbeeinnahmen, was YouTube letztlich dazu bewegte, die Vorgehensweise zu ändern. 

In Deutschland kommt noch hinzu, dass der Gesetzgeber mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz die Betreiber von sozialen Netzwerken – zu denen auch YouTube zählt – verpflichtet hat, „offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ innerhalb von 24 Stunden zu löschen. Das ist ohne eine Kontrolle der Inhalte durch den Betreiber der Plattform natürlich nicht möglich. 

Welche Änderungen hat YouTube angekündigt? 

Um die Einnahmen durch Werbepartner nicht zu gefährden, kündigte YouTube an, die Inhalte der sogenannten „Preferred Partners“ vorab zu prüfen. Preferred Partners sind besonders erfolgreiche YouTube-Kanäle, die daher mit großen und wichtigen Werbepartnern von YouTube zusammenarbeiten dürfen. Ihre Videos sollen in Zukunft auf anstößige Inhalte und die Familientauglichkeit überprüft werden, zudem sollen Mitarbeiter von YouTube nach und nach auch bereits hochgeladene Videos dieser Kanäle sichten. 

Zusätzlich werden die Aufnahmekriterien für die Preferred Partners verschärft: Früher waren 10.000 Aufrufe nötig, um in diesen illustren Club aufgenommen zu werden, jetzt muss man mindestens 1000 Abonnenten und 400 Stunden Videomaterial pro Jahr vorweisen. Diese Maßnahme soll wohl auch verhindern, dass findige Nutzer in Windeseile Kanäle aus dem Boden stampfen, um mit ihnen jeweils ein paar hundert Dollar zu verdienen. Zu guter Letzt sollen Werbetreibende einen größeren Einfluss darauf bekommen, vor welchen Videos ihre Spots geschaltet werden. Dabei entscheiden YouTube-Moderatoren bereits im Vorfeld, ob ein Video überhaupt für die Vermarktung geeignet ist oder nicht. 

Und welche Folgen haben diese Änderungen? 

Betrachtet man die angekündigten Änderungen, wird sehr schnell klar, dass YouTube damit vor allem seine Werbeeinnahmen schützen und sein Image etwas aufpolieren möchte. Sicherlich ist es sinnvoll, wenn gerade bei großen YouTube-Stars auf die Einhaltung der Richtlinie geachtet wird – schließlich haben diese Kanäle und ihre Betreiber auch Vorbildfunktion. Eine umfassende Umsetzung der Richtlinien wird aber auch durch die neuen Regelungen nicht erreicht – es wird lediglich für kleinere Kanäle schwieriger, kommerziell erfolgreich zu sein. Der häufig kritisierte Algorithmus für die Videoempfehlungen bleibt sogar völlig unangetastet – dabei stärkt dieser vor allem bei Nutzern mit extremen Ansichten die sogenannte „Filterblase“, die unliebsame Meinungen ausblendet. Von einer echten Umsetzung der selbstgesteckten Richtlinien ist YouTube also noch weit entfernt.

1 Kommentar:

  1. The platform of this scale has a large number of thematic areas. The content control is an important aspect in selecting the information.

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