Freitag, 3. November 2017

Linkes Geschwafel: Wo viele Chancen, da auch viele Niederlagen

Ernst Jünger hatte recht.
Photo: Jünger, Wiki Commons
von Jonathan Danubio
Bei Ernst Jünger lesen wir: „Indem der Mensch die Sonderung der Kasten zerstört, tauscht er das Glück gegen die Chance ein.“ Dieses verlorene Glück bestand – bei allen Fehlern, die jede historische Wirklichkeit zwangsläufig aufweist – in der Sicherheit und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz. Zerstört wurde es von zwei Seiten, die sich in ihrem Kampf gegen die Hierarchie wechselseitig befruchteten: Demokratie und Kapitalismus. 

Sieht man von diversen Klagen über die Omnipotenz des Staates ab, sind die Liberalen mit dem Ergebnis des Kampfes grundsätzlich recht zufrieden. Die Linken hingegen gleichen einem Kleinkind, das im infantilen Übermut sein Spielzeug zerbrochen hat und hinterher den Verlust betrauert (am peinlichsten wohl in Karl Polanyis geschichtsfälschendem Werk „The Great Transformation“ aus dem Jahre 1944, das die vorindustrielle Zeit in solch idyllischen Farben malt, daß selbst ausgemachte Reaktionäre ob der Übertreibungen etwas erröten würden). 

Jünger hat jedenfalls Recht, wenn er von einem Zusammenhang zwischen Chance und Unglück ausgeht: wo viele Chancen, da auch viele Niederlagen. Selbstredend hängt das massierte Auftreten von Niederlagen in einem bestimmten Sinne von dem vorherrschenden System ab, doch das linke Geschwafel von struktureller Gewalt ist oftmals nicht mehr als ein pseudointellektueller Taschenspielertrick, der die Aufmerksamkeit von der eigenen Inkompetenz weglenkt, um die Schuld dann ausnahmslos in jedem Falle bei anderen finden zu können (Kapitalismus, Rechte, Reiche, Sexisten etc.).

Wo es mit der Chance gar nicht oder nicht mindestens so erfolgreich wie bei anderen klappt, erfindet sich der Linke kurzerhand ein universelles Menschenrecht auf Chancengleichheit, dessen Hohelied mit so viel Kitsch und Pathos angereichert wird, daß jeder Gegner notgedrungen als Inkarnation des Leibhaftigen erscheint. Dieses dubiose Recht auf Chancengleichheit, das sich nicht aus universellen juristischen Kriterien ableiten läßt, sondern den niederen Gefilden der Emotionen und Wünsche entspringt und der rechtlichen Willkür Tür und Tor öffnet, wird in Anlehnung an den Liberalen Isaiah Berlin hochtrabend als positive Freiheit tituliert. Die positive Freiheit ist der naive Versuch, die Sicherheit der hierarchischen Existenz mit den Möglichkeiten der demokratisch-kapitalistischen Gesellschaft zu kombinieren. Tertium non datur.

1 Kommentar:

  1. Lieber Jonathan,
    Du leitest ein mit einem tollen Satz:

    „Indem der Mensch die Sonderung der Kasten zerstört, tauscht er das Glück gegen die Chance ein.“

    Ich bin eher schlecht als recht mit Jüngers Werken vertraut. Wie definiert er "Glück" und "Chance"?

    Danke im Voraus für Deine Antwort!

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