Donnerstag, 20. Juli 2017

Gedenken an die mutigen Hitler-Attentäter: Der 20. Juli ist ein heller Tag in der deutschen Geschichte

von Prof. Dr. Jörg Meuthen
Die Jahre von 1933 bis 1945 sind das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte; daran dürfte bei verständiger Betrachtung der Nazi-Barbarei kein ernsthafter Zweifel bestehen. Entrechtete Opfer quer durch Europa, unterjochte Völker, Millionen und Abermillionen von Toten auf allen Seiten bis hin zum Versuch, die Juden vollständig auszurotten.

Unermessliches Leid, das bis heute in vielen Familien noch in Erzählungen derjenigen zu spüren ist, die damals geliebte Menschen verloren. Für was nur geschah das alles, fragen sich heute viele.

Sie fragen sich dies aus sicherer Distanz, auf der Wohnzimmercouch sitzend, die x-te im TV laufende, hin und wieder mit Originaltönen des selbsternannten "Führers" gespickte Dokumentation der Gräueltaten konsumierend.

Eine solche sichere Distanz haben sich damals auch Millionen zutiefst angsterfüllter Menschen gewünscht. Allein: Es gab kein Entrinnen. Die wohlfeile Frage der 68er-Generation "Warum habt Ihr nichts getan?" geht an den Realitäten eines mörderischen Regimes vollkommen vorbei.

Hinzu kommt: Sie ist in geradezu törichter Art und Weise geschichtsvergessen, denn viele Deutsche haben versucht, Hitler zu stoppen, bevor alles in Schutt und Asche lag. Historiker zählen circa vierzig solcher Attentate, teils von Einzelpersonen, teils von Gruppen; aufgrund der nicht näher bestimmbaren Dunkelziffer ist sogar von einer noch höheren Zahl auszugehen.

Nur leider war keines erfolgreich. Das vermutlich letzte dieser Attentate, gleichzeitig dasjenige, das wohl am meisten mediale Aufmerksamkeit erfahren hat, jährt sich heute zum dreiundsiebzigsten Mal.

Heute vor 73 Jahren, am 20. Juli 1944, überwanden äußerst mutige Offiziere der damaligen Wehrmacht all ihre bürgerlichen Befürchtungen wie auch moralischen Bedenken - zum Beispiel den ultimativen Verstoß gegen den direkt auf die Person Hitler abgelegten Eid - und versuchten, dem alles zerstörenden Wahnsinn ein Ende zu setzen.

Diese Offiziere um Henning von Tresckow und Claus Schenk Graf von Stauffenberg waren damit wohl die Letzten in einer gar nicht so kurzen Reihe von Menschen, die mit ihrem lebensbedrohlichen Mut gezeigt haben, dass keineswegs das ganze Volk hinter den Verbrechern an der Spitze stand.

Das zutiefst bedauerliche Ergebnis des Anschlags in der Wolfsschanze ist bekannt: Wie alle anderen Versuche zuvor scheiterte auch dieser.

Ein Detail dieses Scheiterns lässt den Betrachter noch heute fassungslos zurück ob der dadurch verpassten segensreichen Wirkung: Oberst von Stauffenberg wurde beim Scharfmachen der Sprengsätze gestört, so dass er nur eine von zwei Bomben vorbereiten konnte und die zweite wieder an sich nahm. Man ist sich heute einig: Hätte er diese zweite Bombe einfach nur zur ersten dazugelegt, hätte niemand in der "Führerbaracke" das Inferno überlebt. Wenige Sekunden, die über das Schicksal von Millionen Menschen und letztlich auch eines ganzen Landes entschieden.

Denn hätte dieser Anschlag Erfolg gehabt, wäre das Regime zusammengebrochen - ein Hitler-Deutschland ohne Hitler, das erscheint undenkbar. Millionen von Toten wären dem Kontinent erspart geblieben - wohlgemerkt auf allen Seiten, ich erinnere nur an die verbrecherische Bombardierung der Dresdner Zivilbevölkerung im Februar 1945 durch die Alliierten, den sogenannten "Feuersturm".

Und hätte dieser Anschlag Erfolg gehabt, dann wäre es Deutschland nach menschlichem Ermessen damit eben auch gelungen, sich aus eigener Kraft aus den Klauen der Nazis zu befreien. Dies hätte nicht nur ein anderes Bild unseres Landes in der Welt bewirkt, es hätte auch nachfolgenden Generationen ein wesentlich unverkrampfteres Verhältnis zur eigenen Nation ermöglicht. Die Spätfolgen dieses gescheiterten Befreiungsversuchs spüren wir also noch heute.

Gedenken wir an diesem Tage, der für ein helles Kapitel in der deutschen Geschichte steht, jener mutigen Helden, die viel zu häufig ihren Einsatz für ein Ende des Schreckens mit einem schrecklichen Ende bezahlten.

Stellvertretend für die Motivation all der Hingerichteten, ihr eigenes Leben in die Waagschale zu werfen, darf ich die letzten Worte von Graf von Stauffenberg unmittelbar vor seiner Hinrichtung im Berliner Bendlerblock zitieren:

"Es lebe das heilige Deutschland!"

Mögen sich heutige und künftige Politiker dieses Motivs, des Mutes und des Verantwortungsgefühls jener Männer und Frauen in ihrem Bemühen um unser Vaterland stets erinnern.

Viele Hintergrundinformationen zu den Vorgängen und Personen des 20.Juli können Sie diesem sehenswerten Gespräch von Peter Voss mit dem bekannten Historiker Joachim Fest entnehmen.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.

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