Freitag, 28. Juli 2017

Bürger und Behörde: Verhöhnung als demokratisches Prinzip

Dem Volk den Mittelfinger: Herrscher.
Bild: Pixabay / gfkDSGN / CC0 Public
Domain
von Kurt Kowalsky
Aus der Reihe „Kowalskys Schriftverkehr“ heute ein Auszug aus meiner Korrespondenz:

Vor drei Jahren kauften wir ein Grundstück. Da es nur der vordere Teil eines großen Grundstücks war, musste das Grundstück geteilt und auf unserem Grundstück ein Wegerecht für den hinteren Teil eingeräumt werden. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Fast drei Jahre später konnte uns vor zwei Wochen der Notar endlich die entsprechende Grundbucheintragung bestätigen. Hätten wir einen Kredit von einer Bank benötigt, hätte ich hier Insolvenz anmelden können.

Um die Eintragungsgebühren berechnen zu können, forderte das Gericht nun den Notar auf, den Wert der Grunddienstbarkeit zu melden. Der Notar schrieb mich an. Und ich beauftragte einen Gutachter. Doch kaum sind zwei Wochen verstrichen, schreibt mir gestern der Notar, dass „er sich gestattet, mich darauf hinzuweisen, dass die vom Gericht vorgegebene Frist nun abgelaufen wäre“. Ich schrieb zurück:

„Sehr geehrter Herr XYZ,
aus mir heraus als Manager kann ich keine Werte von Dienstbarkeiten berechnen. Und wäre es so einfach, hätte ich meine Putzfrau gefragt. Folglich musste ich damit einen anderen Besserwisser beauftragen. Und diese gutachterliche Stellungnahme war just heute in der Post.

Dass die Behörden dem Bürger eine Frist setzen können, die Bürger jedoch nicht den Behörden, ist Ausdruck dieses Herrschaftssystems und seiner gewaltsam gesetzten Subordination. Mit Volksherrschaft hat dies in etwa soviel zu tun wie Ungeziefer mit Hygiene.

Sollte der Scan des Gutachtens der Behörde nicht ausreichen, ich kann Ihnen auch ein Original per Post schicken.

Mit den besten Grüßen“

Und während ich diese, für meine Verhältnisse überaus herzliche, E-Mail schrieb, flunkert mir ein FDP-Werbefilmchen entgegen. Das Unerträgliche am Demokratismus sind nicht die Bürokratie und seine Beamtenschaft. Das Unerträgliche in diesem Herrschaftssystem ist die Verhöhnung der Menschen durch das politische Gesindel jeglicher farblichen Schattierung.

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