Montag, 5. Juni 2017

Zwei Welten: Kurz vor dem Abschied?

Welt 1. Bild: Philipp A. Mende
von Philipp A. Mende
Welt 1. Soeben komme ich von unserem alljährlichen Sommerfest, das einmal mehr sehr fröhlich und allseits gutgelaunt verlief. Obwohl es wie immer keine Anwesenheitspflicht für irgendwen gab, sah ich - ebenfalls wie jedes Jahr - so gut wie jeden meiner Kollegen und - viel wichtiger - beinahe alle meiner Schüler. Wie kann das sein? Der Grund hierfür ist simpel: Nichts muss, alles kann. Und: Es lohnt sich einfach. Von Karaoke über offene Bühnen zwecks Jam-Sessions bis Pizza, Baseball, Hüpfburg, Kletterparcours, Minigolf usw. usf. ist für alle etwas dabei. Die Szenerie hat mehr von einem Vergnügungspark denn einem Schulfest. Dabei helfen die Großen den Kleinen, die Kleinen hängen an den Großen, die Kleinen spielen mit den Kleinen, die Großen tratschen mit den Großen, Eltern mit Lehrern (nicht selten ist man per du), Lehrer mit Schülern, Eltern mit Schülern, Eltern mit Eltern, querbeet. Die Stimmung ist unverkrampft. Locker. Echt. Man witzelt miteinander und veralbert sich gegenseitig ungeniert hinsichtlich kultureller Klischees. Nichts davon ist böse gemeint. Und nichts davon wird aufgrund „politischer Korrektheit“ künstlich unterdrückt.

Das für mich persönlich mitunter Schönste an Beijing ist der in den letzten Jahren enorm gestiegene Kinderreichtum - unabhängig von den ebenfalls steigenden Schülerzahlen. Vielleicht liegt es an meinem Stadtteil, in dem sehr viele Familien leben, vielleicht sehe ich unterbewusst auch nur genauer hin, doch ich denke nicht, dass ich mich irre. Egal wo, überall hüpfen Kinder um uns herum. Grinsend. Lachend. Oft neugierig. Manchmal schreiend. Ob in diversen „Compounds“ (zu Deutsch so viel wie - um Himmels willen - „eingezäunte Gelände“), Cafés, Parks, Fußgängerzonen, Einkaufs- oder Restaurantmeilen. Völlig egal.

Schaut man noch etwas genauer hin, fällt einem auf, dass die Kids querfeldein quasi sämtliche kulturelle und damit auch äußere Erscheinungsformen repräsentieren. Allein meine Schule verbuchte in diesem Schuljahr Kinder und Jugendliche aus insgesamt über 60 verschiedenen Nationen von fünf verschiedenen Kontinenten. Auf Ereignissen wie unserem Sommerfest (welches selbst nur eines von Dutzenden darstellt), aber auch sonst in der Öffentlichkeit treffen regelmäßig alle problemlos aufeinander, inklusive Eltern. Sie reden über ihre Berufe und damit verbundene Erfahrungen, vergangene und kommende Urlaubsziele, Hobbys, Essen, kulturelle Gepflogenheiten und Unterschiede sowie natürlich: Ihre Kids. Die große Preisfrage lautet nun: Wie kann das sein?

a) Zufall.
b) Buntheit ist a priori konstruktiv und friedfertig.
c) Kein Zufall, da tendenziell kaum bis keine Idioten aufeinandertreffen.

Was darf es sein?

Richtig. Die korrekte Antwort lautet c. 
Allerdings muss man dann weiterfragen: Wie kann es sein, dass tendenziell kaum bis gar keine Idioten aufeinandertreffen?

a) Nochmal Zufall.
b) Wenn jeder, unabhängig von jedweden sozioökonomischen, geistigen sowie konstruktiven, d.h. potenziellen Mehrwert erschaffenden Voraussetzungen, wie er gerade lustig ist in ein Land migrieren darf, unabhängig von der hiesigen Staatsform, ist das die vollkommen natürliche Konsequenz.
c) Nachdem die Gastgeber entschieden, dass jeder, der migrieren will, dies nur unter der Prämisse dürfe, ökonomisch selbstversorgt zu leben und mit höchster Wahrscheinlichkeit geistig gesund zu sein (z.B. keinerlei Vorstrafen) bzw. durch die eigene Arbeitskraft bereichernd zu agieren, ist das die vollkommen natürliche Konsequenz.

Wie sieht es diesmal aus?

Richtig. Die korrekte Antwort lautet wieder c.
Man verabredet sich mit einigen netten Kollegen zu einem Feierabendbier auf der neuen Dachterrasse von Wirtschaft X um Y Uhr.

.
.
.
.
.

Tja. Doch vorher kommt man schließlich, wie gesagt, nach Hause. Man duscht, schaltet die Klimaanlage an, macht sich einen Kaffee und fährt den Rechner hoch, um zu sehen, was es so Neues auf dem Flecken Erde gibt, den man einst Heimat nannte. Welt 2. Eigentlich will man es schon gar nicht mehr wissen. Trotzdem fährt die Kiste hoch. Nach nur einer Minute ereilt einen der ganze - entschuldigt den Ausdruck - verschissene Wahnsinn mitsamt neo-barbarischer Grausamkeit mit der erneuten Wucht eines Vorschlaghammers, auf dass man den Kaffee am liebsten gen Bildschirm spucken möchte. Gewalt, Horror, Hexenjagd, verlogene Gratismut-Politiker, eine bis zum Anschlag indoktrinierte Social-Justice-Warrior-Jugend, kognitive Dissonanzen vorne und hinten, kunstbunte Apologien für einen Scheißdreck, der mit natürlicher und tatsächlich bereichernder Vielfalt (siehe Welt 1) so viel gemein hat wie Merkels Fürze mit Jean-Baptiste Grenouilles Parfum.

Die widerlichen und gleichzeitig strengen „heiligen“ Vorgaben folgenden und von daher niemals endenden Anschläge, ausgeführt von kleinen IQ-60-Ratten und im Namen der friedfertigsten Religion, die dieser Welt seit 1400 Jahren wie ein eitriges Furunkel am After sitzt, sind in ihrem Umfang längst unüberschaubar. Unzählbar. Anschlag in England? Heute? Gestern? Moment. War das nicht erst? Ist es noch der von kürzlich? Ach, schon wieder ein anderer? Große Bestürzung? Aha. Ok. Und sonst so? Geschenkt. Dann wieder Deutschland. Oder Österreich. Oder Frankreich. Oder Schweden. Kurz davor. Oder danach. Keine Ahnung. Völlig egal. Interessiert sowieso keinen mehr. Die ewiggleichen, pawlow’schen Plattitüden nach dem x-ten Terroranschlag, zusammengestellt von Martin Schmidt-Schweflinghaus, lauten dabei:

• „Hoffentlich profitieren nicht die Rechten davon!“
• „Wie verzweifelt die sein müssen!“
• „Hoffentlich werden jetzt nicht die armen Flüchtlinge in
einen Topf geworfen!“
• „Die armen Muslime!“
• „Kein Wunder bei den Waffenlieferungen!“
• „Was wir der Dritten Welt antun!“
• „Kapitalismus kann eben nicht ungesühnt bleiben!“
• „Der arme Islam! Jetzt hetzen die Rechten noch mehr 
gegen ihn!“
• „Die Kreuzzüge waren auch nicht ohne!“
• „Wenn wir uns abschotten, haben die Terroristen 
gewonnen!“
• „Jetzt erst recht an öffentliche Plätze gehen, sonst haben 
die Terroristen gewonnen!“

Ich ergänze: „Mit noch mehr Liebe können wir Ausgrenzung, Rassismus und Ungerechtigkeiten begegnen, die Terror begünstigen.”

Es grenzt an Hirntod.

Gleichzeitig keinerlei derartige Vorkommnisse in Polen, Tschechien, Kroatien, Ungarn etc. Oder eben hier in Beijing. Natürlich rein zufällig. Ursache und Wirkung sind „rechts”. Der Verweis auf offizielle Statistiken ist „rechts“. Zweimal Antwort c) ist „rechts“. Und damit per se falsch. Argumentation 2.0. Internetkrieger ohne echten Job und Familie kriechen aus ihren Löchern und erklären mir die Welt. Das Hervorheben deutlicher Vorteile bedeute selbstredend automatisch, die Augen vor Nachteilen zu verschließen. Bla bla. Unterstellungen [1]. Ad-Hominem. Schnarch.

Die Frage lautet im Moment nur noch: Wozu? 
Wozu sich das weiterhin antun? Es wurde im Grunde alles gesagt. Vorerst zumindest. Über Jahre hinweg. Gewarnt. Erklärt. Beschrieben. Aufgezeigt. Argumentiert. Bewiesen. Sämtliche Prognosen bewahrheiteten sich. (Wieder Zufall.) Ein paar hatte es interessiert. Ein paar interessiert es noch immer. Nur mich nicht mehr. Ich stehe kurz davor, die Verbindung zu Europa, abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen, vollständig zu kappen. Des eigenen Wohlbefindens zuliebe. Keine Sorge, es klingt womöglich dramatischer als es letztlich ist.
Ich werde auf der Dachterrasse weiter darüber nachdenken. Welt 1.

[1] In Geschosse wider den Einheitsbrei lautet diesbezüglich ein Aphorismus: „Dieser Moment, wenn ein Würmchen im Sog vollkommener Hilflosigkeit nach dem letzten Strohhalm greift und dich am liebsten als 'Nazi' diffamieren möchte, dann vor dem Hintergrund der objektiven Realität jedoch einsehen muss, dass der Lebensstil des 'Nazis' tausendmal multikultureller bzw. aufgrund eines täglich direkt gelebten Multikulturalismus realer und authentischer ist als jedes bloße, auf Hirnwäsche und Zwangsideologie basierende Lippenbekenntnis des Würmchens, welches in 5.000 Jahren nicht die Eier finden würde, des 'Nazis' Grad an gelebtem – nicht dahergeschwafeltem – Multikulturalismus zu erreichen. Love it!”

Kommentare:

  1. Wie wahr, wie wahr - und das ist erst der Anfang dessen, was in Welt 2 auf deren Bewohner zukommen wird!

    AntwortenLöschen
  2. Wir sollten Welt 1, das (ehemals) rote China, aber auch nicht zu einem Paradies für Libertäre hochjubeln.

    AntwortenLöschen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *