Freitag, 9. Juni 2017

Wie der Deutschlandfunk Nachrichten konstruiert

Bild: 
von Spoeken Kieker
Langsam wird es unübersichtlich mit den Terroranschlägen in Europa – und auch der politisch-mediale Komplex wird zunehmend nervöser, weil das Abwiegeln und Ausblenden ungeliebter Zusammenhänge (Terror, Migration, Islam) immer schwieriger werden. Tapfer ringt noch der „Deutschlandfunk“, wie wir an dieser „Meldung“ vom 7. Juni 2017, 8 Uhr, sehen können:
,,Die französische Polizei geht nach dem Angriff auf einen Polizisten in Paris von einem Einzeltäter aus.

Dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge handelt es sich um einen aus Algerien stammenden Doktoranden der Informationswissenschaften. Der 40-Jährige soll sich zur Terrormiliz IS bekannt haben. Innenminister Collomb erklärte, der Angreifer habe während der Tat „Das ist für Syrien“ gerufen. Die Anti-Terror-Abteilung der Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.



Der Mann war gestern in der Nähe der Kathedrale Notre Dame in Paris von einem Polizisten angeschossen worden, nachdem er einen anderen Beamten mit einem Hammer attackiert und verletzt hatte.''



Schauen wir uns die raffinierte Konstruktion dieser „Meldung“ doch einmal genauer an:
In Paris hat also ein „Angriff“ stattgefunden. Kein Anschlag, kein Terrorakt, sondern ein „Angriff“ – das Wort kennen wir ja schon vom Fußball und auch von den Raufbolden auf dem Schulhof. Und, das Wichtigste für den Deutschlandfunk: Es war ein „Einzeltäter“. Also gleich im ersten Satz zwei wichtige, subkutane Botschaften: Es war kein Terroranschlag. Und: Es war ein Einzelner. Damit ist der „Rahmen“ gesetzt für den deutschen Mediennutzer, der bitte nicht geweckt werden soll/will.
„Dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge…“ ist auch eine gelungene Relativierungsphrase. Welchem Stand nach denn sonst? Dem von gestern, dem von morgen? Nein, diese Blähhülse soll nur die dann folgende, leider wohl unvermeidliche Information zur Identität verschleiern: Denn der Attentäter „stammt aus Algerien“. Damit wird umschrieben, dass der Attentäter Algerier ist. Und, das ist offenbar ganz wichtig, er ist Akademiker, angeblich „Doktorant der Informationswissenschaften“. Dies ist eine glatte Falschinformation, der Verdächtige studierte Medienwissenschaften am „Centre de Recherche sur les médiations“ (CREM) an der Universität von Metz, Lothringen. Zuvor arbeitete er übrigens jahrelang als Journalist. In dem 15 Wörter umfassenden Satz ist also das Schlüsselwort „Algerien“, das Zuhörer beunruhigen könnte, eingebettet in 14 andere Schaumwörter. Auch dass er sich „zur Terrormiliz IS bekannt haben soll“ ist wirklich feinsinnig-zögerlich formuliert – hat die Medien-Fachkraft doch ein Video aufgezeichnet, in dem sie exakt dieses ISIS-Bekenntnis kundtut. Immerhin hat der Sender es so zudem noch geschafft, die gesamte „Nachricht“ ohne das Wort „Islam“ zu gestalten.
Grandios jedoch ist die dann folgende, zusammenfassende Darstellung des Anschlags. Hier läuft der öffentlich-rechtliche Redakteur nochmals zur Hochform auf, wenn er sendet:
„Der Mann war gestern in der Nähe der Kathedrale Notre Dame in Paris von einem Polizisten angeschossen worden, nachdem er einen anderen Beamten mit einem Hammer attackiert und verletzt hatte.“
Ja, das sind die Prioritäten: Die Polizei hat geschossen, auf einen „Mann“. Ach ja, einen Grund gab es dafür natürlich auch, den erwähnen wir großzügigerweise am Ende noch mal kurz. Aber der DLF wäre nicht Spitzenleister in zeitgeistiger Nachrichtenmanipulation, wenn er nicht auch auf der Zielgeraden noch mal kräftig zupacken würde: „in der Nähe der Kathedrale Notre Dame“ ist einfach großartig. Denn mit dieser Watte-Formulierung (war es eine Straße weiter, im gleichen Block oder wo denn nun?) wird verschleiert, wo genau das Attentat stattfand: Mitten auf dem Vorplatz der Kathedrale. Ein zentraler, symbolisch aufgeladener Ort der Christenheit.
Muss aber niemand erfahren – zumindest nicht, wenn er den „Deutschlandfunk“ hört.
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Der Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

Kommentare:

  1. Ich finde es auch erwähnenswert, dass besagter Kulturbereicherer einen Preis der Europäischen Union für seinen Beitrag zur Integration erhalten hat; nämlich sich lautstark darüber zu beschweren, dass Migranten in Schweden (zu einem in der fernen Vergangenheit liegenden Zeitpunkt) nicht sofort in gleichem Maße Anspruch auf "kostenlose" Gesundheitsdienstleistungen hatten. Zu implizieren, dass Beitragszahler vielleicht in irgendeiner Art und Weise einen höheren moralischen Anspruch auf Leistugen haben, ist ja aber auch der Gipfel rassistischer Verunglimpfung!

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  2. 'Einzeltäter' - mit Nichts zu tun ...11. Juni 2017 um 19:56

    Die schaumigen Watteformulierungen haben nichts genützt.
    Die französische Polizei hat heute den 'Angriff' des Algeriers als Terroranschlag eingestuft.
    Obwohl sie das auch schon vor 3 Tagen nach den 'Das ist für Syrien!'-Rufen gewusst haben.
    (So wie in London 'This is for Allah' gerufen wurde.)
    Wer das Auto gestern in Amsterdam in eine Menschenmenge gelenkt und 5 Fußgänger verletzt hat, weiß ich bis heute nicht.....
    Klingt zumindest nach der seit Nizza/ Berlin/ Stockholm beliebten Auto- und Lkw-als-Waffe-benutzen-Strategie.
    Kleiner Comic zum > Truck of Peace < in Frankreich:
    https://www.youtube.com/watch?v=0bScghztshY
    >Truck of Peace< in Berlin
    www.youtube.com/Truck_of_Peace:New_Year

    Vorfall auf der London Bridge (sarkastischer Comic) :
    https://www.youtube.com/watch?v=NkW4kDGJGwA

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