Sonntag, 21. Mai 2017

Zivilgesellschaft oder staatliche Bevormundung

von Tommy Casagrande
Zivilgesellschaft und staatliche Bevormundung sind zwei Seiten einer Waage. In einer freien oder relativ freien Gesellschaft dominiert die Zivilgesellschaft und lässt sich von Möchtegerndespoten nichts sagen. Sie agiert selbstbewusst und kennt ihre Rechte. Die Zivilgesellschaft ist vielfältig, da sie aus der Vielzahl der Menschen besteht, die in Summe eine Gesellschaft bilden. Somit wirkt eine Zivilgesellschaft auch in Nischen hinein, die bei staatlichem Handeln zur besseren Kontrolle, in gleichmacherische Konformität umgewandelt werden. Die Zivilgesellschaft kennt nur eine Bedrohung und das sind die Allmachtsphantasien staatlicher Absolutisten, die jedes Recht durch ein Gesetz schröpfen wollen und der Meinung sind, Gesetze seien das gleiche wie Rechte. 

Wie könnten sie das gleiche sein? Gesetze sind Vorschriften, die sich in der Regel gegen die Freiheiten der Menschen richten und zugleich das Konstrukt einer Unantastbarkeit der staatlichen Institution aufbauen. Der Staat als Herrscher und die Menschen als Untertan wären auf lange Sicht das Resultat einer solchen Entwicklung. 

In einem Land mit schwacher Zivilgesellschaft ist der Einzelne dem Geschubse staatlicher Behörden ausgeliefert. Wer der Meinung ist, dass in Schulen Mobbing ein großes Übel darstellt, muss es erst recht so empfinden, wenn die Struktur eines Staates sich auf dieses Niveau begibt. Es lassen sich keine Rechte verteidigen und bewahren, wenn Gesetze diese ersetzen, unterwandern oder aushöhlen. Ein Gesetzesstaat ist kein Rechtsstaat und umgekehrt. Ein Staat mit seiner Machtfülle und seinem Anspruch auf ein Gewaltmonopol ist für einen Menschen immer problematisch, denn das Individuum ist kleiner und schwächer. 

Ein Rechtstaat möchte sich, bei aller Problematik, der Verantwortung stellen, relativ das geringste Übel für das Individuum darzustellen. Doch das gelingt nicht, umso mehr Gesetzeswut, Regulierungswut und die Vorstellung um sich greift, dass bloß alles Leben und Handeln in der Gesellschaft in den Händen der Regierung und des Staatsapparates liegen müsse. 

Diesen Mentalitäten und Denkeinstellungen, die einem Irrtum erlegen sind, gilt es ketzerisch mit einer Haltung der Aufklärung entgegen zu treten. Es ist nicht möglich, einerseits den Staat mit immer mehr Vollmachten auszustatten und andererseits den Rückzug der Zivilgesellschaft zu beklagen. Will heißen: Es ist sehr wohl möglich, aber sinnfrei. Denn der Rückzug der Zivilgesellschaft geht dort mit Siebenmeilenstiefeln voran, wo die Nischen und Ecken vom Staat ausgeschliffen und unter die Kontrolle des Beamtenapparates gebracht werden. Große Zivilisationen waren immer ein Ergebnis der Freiheit vieler Einzelner, sie waren nie Ergebnis einer Allmacht der Wenigen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *