Dienstag, 30. Mai 2017

Windkraft: Über den Wiesen kreist der Tod

Bild: Pixabay / lukasbieri / CC0 Public Domain
von Spoeken Kieker
Dass Windräder für Vögel wie den Rotmilan und für Fledermäuse hochgefährlich sind, ist seit langem bekannt. Nach mehreren Windradhavarien um die Jahreswende 2016/17 stellt sich jetzt heraus: Wesentliche Teile von bis zu 15 Jahre alten Windkraftanlagen sind nie von Fachleuten (wie TÜV) untersucht worden. Offenbar stecken massive Sicherheitsprobleme in den zum Teil 200 Metern hohen Anlagen, so dass sie jederzeit umfallen und auf Straßen und Schienenwege fallen können. Über Feldern und Wiesen kreist der Tod.

Aber der Reihe nach: Anfang des Jahres knickte südlich von Hamburg in Neu-Wulmstorf eine 100 Meter hohe Windkraftanlage in einem Windpark der Stadtreinigung Hamburg auf einem alten Deponiegelände einfach so um. Der Vorfall erregte deshalb größere Aufmerksamkeit, weil es die dritte Havarie in kurzer Zeit war. Zuvor waren Windräder in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen umgekippt. Die Unglücksursache blieb unklar, Lügenpresse recherchierte natürlich nicht, und auch von der energiewendebesessenen Opposition gab es keine Anfragen im Bundestag. Debattiert wurde über die Sicherheit der erneuerbaren Energien noch nie.

Jetzt legte die Hamburger Stadtreinigung das Ergebnis der Untersuchung vor, und beim Lesen sträuben sich die Haare: Wesentliche Bauteile der Anlage waren nie überprüft worden. In jedem kleinen Industriebetrieb gehen TÜV (oder andere Firmen) und Gewerbeaufsicht ein und aus. Autos, Flugzeuge und Schiffe müssen kontrolliert werden, und wenn in einem Atomkraftwerk ein rostiger Nagel entdeckt wird, wird die ganze Anlage sofort heruntergefahren. Bei den „guten Energien“ ist alles völlig egal. Hier kann jeder offenbar machen beziehungsweise unterlassen, was er will.

Wir lesen in der Pressemitteilung der Hamburger Stadtreinigung zu den Ursachen der Havarie, dass defekte Blattlager zum Umkippen der Anlage geführt haben: „Die Blattlager sind für die Verstellung der Rotorblätter zuständig und müssen sich bei höheren Windgeschwindigkeiten zuverlässig bewegen lassen, um die Rotorblätter schnell aus dem Wind heraus zu drehen und damit die Rotationsgeschwindigkeit zu reduzieren. Dieser Vorgang hat am Tag der Havarie offensichtlich aufgrund von Materialschäden innerhalb der Blattlager nicht funktioniert. Die dadurch viel zu hohe Rotationsgeschwindigkeit konnte auch von der Notbremse nicht mehr eingefangen werden. Die ungeplant hohe Belastung des Turmes führte dann zum Abbrechen des Turmes. Der Zustand der Blattlager wurde erst durch die vollständige Zerlegung sichtbar. Die Kontrolle dieser Lager war nicht Bestandteil der regelmäßig vorgenommenen Wartungen, sodass diese Materialschäden nicht erkennbar waren.“

Man muss diesen Satz zwei Mal lesen: Eine „Kontrolle dieser Lager war nicht Bestandteil der regelmäßig vorgenommenen Wartungen, sodass diese Materialschäden nicht erkennbar waren“. Das heißt: In den 15 Jahren, in denen diese Vogelhackmaschine da stand, sind ihre Blattlager nie untersucht worden, vermutlich auch andere wichtige Teile nicht.

Rnud 26.000 Windkraftanlagen stehen in Deutschland. Dass hier Dokumentations- und Sicherungspflichten ein Fremdwort sind, dokumentiert ein Interview im Magazin „Erneuerbare Energien“ mit Benjamin Krüger von der Firma Gepa. Hier kann man nachlesen, wie schludrig die Branche arbeitet:

„Herr Krüger, was ist aus Ihrer Sicht meistens die Ursache von Havarien oder Umstürzen von Windturbinen?

Aus unserer Sicht liegt die Ursache von der Havarie einer Windenergieanlage in der Überlagerung von Schwingungen, oder auch Resonanzfrequenzen, der unterschiedlichen Baugruppen oder von beweglichen Teilen. Jedes Bauteil hat mehrere Eigenfrequenzen. Die Turmeigenfrequenz wird zum Beispiel durch den Anlagen-Hersteller rechnerisch durch Simulationen ermittelt und in der Typenprüfung dokumentiert. Über die Laufzeit der Windturbine können sich die Frequenzcharakteristiken der Bauteile jedoch ändern – beispielsweise durch Defekte am Fundament, am Schwingungsdämpfer, durch Unwuchten oder durch den Austausch von Baugruppen.

Wann treten Probleme auf?

Probleme treten nun auf, wenn zum Beispiel Schwingfrequenzen und Eigenfrequenzen nahe beieinander liegen – hierdurch können Resonanzen auftreten, die zu großen Lasten, oder auch Kräften, und somit zu einer rapiden Schädigung der Baugruppen führen. Durch die herkömmlich verwendeten Simulationen bei der Begutachtung von Wind-Anlagen durch Sachverständige werden jedoch Alterungseffekte und komplexe Schwingungscharakteristiken der Windturbine nicht oder nur unzureichend berücksichtigt.

Warum wird das Problem nicht erkannt?

Eine routinemäßige messtechnische Untersuchung, die diese Faktoren ermittelt, findet gewöhnlich nur für wenige Baugruppen statt, zum Beispiel Monitoring am Triebstrang, aber kein Monitoring des Fundaments oder des Turmes. Selbst die Daten der vorhandenen Sensoren werden nur eingeschränkt verwendet, zum Beispiel zur Notabschaltung bei Getriebeschaden oder im vollen Umfang gespeichert; sie stehen für weitere Analysen häufig nicht zur Verfügung. Somit können viele Schäden erst zu spät erkannt werden – im Extremfall erst bei einem Totalausfall oder Havarie der Anlage. Die so wichtigen Messdaten für eine Ursachenanalyse liegen dann leider nicht mehr vor.“

Wir fassen zusammen: Untersuchungen sind selten, werden nur für Teilbereiche durchgeführt und Alterungseffekte werden bei Untersuchungen erst gar nicht erkannt. Fundament und Turm werden erst gar nicht untersucht. Daten werden kaum erhoben und wenn doch, nach kurzer Zeit gelöscht. Das alles heißt: Die Dinger werden schon laufen und den grünen Investoren Geld in die Kasse spülen. Und es wird schon nichts passieren.

Nachdem der Grund für die Havarie der Windkraftanlage in Neu-Wulmstorf gefunden worden ist, hätten sämtliche Anlagen dieses Typs in Deutschland sofort stillgelegt werden müssen, um Gefahren zu minimieren. Der Umkreis solcher Anlagen hätte gesperrt werden müssen. Falls nicht anders möglich (zum Beispiel in Nähe von Siedlungen oder Verkehrswegen) hätten die Türme abgerissen werden müssen.

Aber was macht die Politik: Nichts. Sie verniedlicht beziehungsweise verheimlicht die Risiken. So behauptet zum Beispiel der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Hans Josef Fell, der als Erfinder des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) gilt, unter Berufung auf eine Studie des Umweltbundesamtes: „Windenergie stellt kein gesundheitliches Risiko dar.“ Fell ist kein Dummkopf. Er weiß natürlich, dass die Anlagen nicht beziehungsweise nur unzureichend geprüft werden. Und das Umweltbundesamt ist ohnehin eine Behörde, die ihren Auftrag vor allem im Kampf gegen Energiewendekritiker sieht und sich um die Umwelt einen Dreck schert. Sonst müsste von dem Amt doch was zur massenhaften Umweltzerstörung durch Wind- und Biogasanlagen zu vernehmen sein?

Die Sicherheitsdefizite bei der Windkraft zeigen: Politiker und Behörden in Deutschland nehmen – vielleicht sogar billigend? – der Tod von Menschen in Kauf, damit grüne Investoren weiter Geld scheffeln können.
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Zuerst erschienen auf dem Blog des Autors.

1 Kommentar:

  1. Das ist ein Riesenproblem, das allerdings auf der Hand liegt und für jeden Ingenieur oder wissenschaftlich Gebildeten unmittelbar klar ist: Resonanzen, Materialverschleiß, Unwuchten - und all das soll mindestens 20 Jahre halten...

    Wird es natürlich in vielen Fällen nicht. Und irgendwann wird sich das nicht mehr verheimlichen lassen, das Publikum wird aufmerksam werden. Dann hilft auch das Märchen von der "guten", der "grünen" Energie nicht mehr.

    Und was passiert am Ende der projektierten Lebensdauer? Dann müssen die Ungetüme entsorgt werden. In der Regel dürften dann die neuen Windkraftanalagen nicht mehr mit dem Fundament zurechtkommen (oder das ist auch schon defekt). Es muß dann also noch mehr Fläche versiegelt werden, etwa in Wäldern. Das alte Fundament wird natürlich im Boden bleiben. Und auch das alte Windrad ist zu entsorgen. Wer bezahlt das? Der Steuerzahler!

    Ein Hinweis auf die vielen Photovoltaik-Anlagen: Auch hier wird es durch mangelhafte Qualitätssicherung oder einfach schlechte Qualität und normalen Verschleiß demnächst die ersten Ausfälle geben. Die Entsorgung dieser Anlagen dürfte ein noch größeres Problem als die Entsorgung der Windräder werden.

    Was passiert eigentlich, wenn sich ein Ersatz der alten Anlagen - ob Photovoltaik oder Windrad - wirtschaftlich nicht lohnt? Dann gibt es m.E. nur zwei Möglichkeiten. Die unwahrscheinliche: Die Anlage wird nicht ersetzt, was zwangsläufig zu einem Rückgang der Erzeugung "erneuerbarer" Energien führte. Die wahrscheinliche: Steuergelder.

    Bis dahin schreddern die Windräder weiter die Vogelwelt und zerstören die Großanlagen die Natur. Und keinen scheint es wirklich zu interessieren...

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