Dienstag, 14. Februar 2017

Staatliche Musikhochschulen: Warum keine Studiengebühren für ausländische Studenten?

Bild: Pixabay / Clker-Free-Vector-
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von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,

an den staatlichen Musikhochschulen in Deutschland beträgt der Anteil der ausländischen Studenten dreißig bis fünfzig Prozent. Aus Angst vor dem Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit lehnen es fast alle Bundesländer ab, dieser Fehlentwicklung entgegenzuwirken.

Für die Bildung ist der Staat zuständig, meint die ganz überwiegende Mehrheit der Deutschen. Bildung hat für die Nutzer selbstverständlich kostenlos zu sein, so wollen es die Politik und ein Großteil der Gesellschaft hierzulande.

Dass es sich bei einer guten Ausbildung, beispielsweise einem Hochschulstudium, um eine Investition handelt, die sich durch bessere Berufschancen und damit ein höheres Einkommen auszahlt, diese Sicht der Dinge findet bei uns keine große Resonanz.

Zaghaften Bestrebungen, die Studenten wenigstens in gewissem Umfang an den Kosten ihrer Ausbildung zu beteiligen, war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Studiengebühren für den Hochschulbesuch, regelmäßig nicht höher als 500 Euro pro Semester, wurden in Deutschland nur einige Jahre lang erhoben. Sie blieben politisch umstritten und wurden nach und nach in allen Bundesländern wieder abgeschafft. So finanziert der Staat gleichermaßen die Hochschulausbildung von bedürftigen wie von reichen Studenten, von deutschen Staatsbürgern wie von Ausländern, die einen Studienplatz im deutschen Hochschulsystem erlangt haben.

Zehn Prozent aller Studienplätze sind für ausländische Studenten reserviert 

Es war unserem Staat immer ein Anliegen, dass auch ausländische Studenten die deutschen Hochschulen besuchen können. Begründet wird dies mit der Internationalität der Wissenschaft, die vom Austausch mit anderen Nationen lebe. Ferner spielen in Bezug auf Studenten aus der Dritten Welt auch entwicklungspolitische Motive eine Rolle. Traditionell sind dementsprechend etwa zehn Prozent aller Studienplätze für ausländische Bewerber reserviert - auch in zulassungsbeschränkten Fächern wie Medizin oder Psychologie. Derzeit beträgt der Anteil der ausländischen Studenten an der gesamten Studentenschaft etwa zwölf Prozent.

Die Hochschulen führen die hohe und weiter steigende Zahl der ausländischen Studenten auf den guten Ruf des deutschen Bildungssystems zurück. Eine viel wichtigere Rolle dürfte aber die Tatsache spielen, dass das Studium hierzulande kostenlos ist, ganz im Gegensatz zu anderen Nationen wie beispielsweise Großbritannien, USA oder Australien, die ebenfalls attraktiv für ausländische Studenten sind, von diesen aber happige Studiengebühren verlangen. 

Hohe Kosten für einen Studienplatz an den staatlichen Musikhochschulen 

Am Beispiel der Musikhochschulen zeigt sich, wie die beschriebene deutsche Großzügigkeit Fehlsteuerungen verursacht, über die man nur den Kopf schütteln kann. Die staatlichen Musikhochschulen bilden u.a. Konzertpianisten, Opernsänger und Kirchenmusiker aus, und zwar weit über den Bedarf hinaus, der für diese klassischen Berufsbilder besteht. Mit der Popmusik fremdeln die Musikhochschulen hingegen noch, die gibt es ja erst seit etwa fünfzig Jahren!

An den Musikhochschulen in Deutschland studieren derzeit rund 25.000 junge Menschen. In den Instrumentalfächern erhalten sie in großem Umfang Individualunterricht, was die Sache richtig teuer macht. Genaue Zahlen gibt es nicht, Schätzungen sprechen von annähernd 20.000 Euro jährlich, die sich der Staat die Ausbildung eines jungen Musikers kosten lässt. Solche Kosten werden ansonsten allenfalls bei der Ausbildung von Medizinstudenten erreicht. Ein Studienplatz in den Fächern Jura oder BWL kostet den Staat dagegen nur etwa 6.000 Euro im Jahr. 

Steigender Ausländeranteil an den Musikhochschulen 

In dem teuren Musikstudium hat sich in den letzten Jahren der Anteil der ausländischen Studenten immer weiter erhöht. Angezogen durch den Weltruhm der deutschen Musik (oder durch die Beitragsfreiheit des Studiums) liegt der Anteil ausländischer Studenten an den einzelnen Musikhochschulen inzwischen - je nach Attraktivität des Standorts - bei dreißig bis fünfzig Prozent.

Die größte Gruppe unter den ausländischen Studenten bilden überall die Koreaner - genauer gesagt: die Koreanerinnen -, gefolgt von Japanerinnen und Chinesinnen. Seine Ursache hat der hohe Ausländeranteil in den Auswahlverfahren, welche die jungen Menschen durchlaufen müssen, um an den Musikhochschulen angenommen zu werden. „Wir wollen die Besten und wir bekommen die Besten – weltweit“, sagen die Professoren in den Auswahlkomitees. Die Zweitbesten werden nicht genommen, und das sind häufig die einheimischen jungen Leute. Das gute Abschneiden der Studenten aus Ostasien beruht allerdings häufig darauf, dass sie in ihrem Heimatland bereits ein Musikstudium absolviert haben, das dort selbstverständlich kostenpflichtig ist. Gegen diesen Vorsprung kommen einheimische Bewerber bei den Aufnahmeprüfungen häufig nicht an! 

Der Rechnungshof will ausländische Studenten an den Kosten beteiligen 

Die geschilderte Problematik ist den Verantwortlichen in allen Musikhochschulen und Wissenschaftsministerien in ganz Deutschland seit langem bekannt, man wagt allerdings nicht, hier gegenzusteuern. Die Sorge ist, dass man sonst der Ausländerfeindlichkeit bezichtigt wird.

Vor einigen Jahren hat schließlich der Rechnungshof von Baden-Württemberg das heiße Eisen angefasst. Er hat kritisiert, dass ein beträchtlicher Teil der Studienplätze an den Musikhochschulen von Studenten belegt würden, die aus Staaten außerhalb der Europäischen Union kämen. Es sei kein Grund ersichtlich, warum das Land Baden-Württemberg in diesem Umfang teure Ausbildungskapazitäten unentgeltlich für Studenten aus Korea, Japan, China und anderen Ländern bereitstelle. Der Rechnungshof hat sich dafür ausgesprochen, die Zahl der vom Land finanzierten Studienplätze für Musikstudenten aus Staaten außerhalb der EU zu begrenzen und diese Studenten mit 2.000 Euro je Semester an den Kosten ihrer Studienplätze zu beteiligen. 

In Baden-Württemberg sollen in Zukunft alle Nicht-EU-Ausländer zahlen 

Die Vorschläge des Rechnungshofs wurden wie nicht anders zu erwarten von den Musikhochschulen abgelehnt. Doch dann gab es eine Überraschung: Ausgerechnet das von einer grünen Ministerin geleitete Wissenschaftsministerium in Stuttgart schlug vor, Studiengebühren für alle Nicht-EU-Ausländer einzuführen, also nicht nur für die Studenten der baden-württembergischen Musikhochschulen. Die Studiengebühren sollen bei 1500 Euro je Semester liegen und ab dem Wintersemester 2017/18 erhoben werden. Wer hätte dies von einer grün-dominierten Landesregierung erwartet! So wie es aussieht, ist die parlamentarische Mehrheit für diesen Vorschlag gesichert.

Die Entwicklung in Baden-Württemberg ist zu begrüßen, auch wenn durch die Studiengebühren lediglich ein Teil der Kosten eines Studienplatzes abgedeckt wird. In Sachsen können die Hochschulen selbst darüber entscheiden, ob sie entsprechende Gebühren erheben wollen. Leider sieht es danach aus, dass die anderen Bundesländer sich diesen Vorbildern nicht anschließen werden, entsprechende Erklärungen wurden bereits abgegeben. So werden weiterhin, liebe Leserinnen und Leser, in den meisten Bundesländern teure Studienplätze kostenlos für Studenten aus aller Welt bereitgestellt, sagt bedauernd

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

1 Kommentar:

  1. "Dass es sich bei einer guten Ausbildung, beispielsweise einem Hochschulstudium, um eine Investition handelt, die sich durch bessere Berufschancen und damit ein höheres Einkommen auszahlt, diese Sicht der Dinge findet bei uns keine große Resonanz."

    Resonanz erhalten muss die Sicht, dass es sich im staatlichen Berechtigungswesen, wozu auch das Hochschulwesen selbstredend gehört, selektiv darin wirkt, höhere Einkommen durch die staatliche Lizenz zu generieren. Also genau nicht durch einen freien Markt, der das Segment Bildung ebenfalls unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gestalten würde. Das Berechtigungswesen ähnelt einer Zollschranke. Der Staat setzt die Anforderungen und die Maßstäbe. Diese sind angepasst auf den durch den Staat regulierten Arbeitsmarkt. Auf diese Weise hält man den Wettbewerb künstlich niedrig während hohe Einkommen sich erzielen lassen. Finanziert werden die Ausbildungen an den Universitäten zudem oft von denen, die gar nicht studieren. Das ließe sich zwar einerseits dadurch wieder beheben, indem es Studiengebühren gäbe, gleichzeitig aber, da wir in einem staatlichen Ausbildungssystem uns befinden, sind die Kosten die zu bezahlen sind, Monopolpreise und daher wahrscheinlich zu hoch für Menschen mit niedrigem Einkommen, sodass bei einer Selbstfinanzierung eher besser betuchte widerum sich auch das staatliche Studium leisten können.
    Um die Probleme ein für alle mal zu beseitigen, müsste das staatliche Bildungssystem entstaatlicht werden. Die darin anfallenden Marktpreise würden aufgrund eines Wettbewerbs leistbarer für Menschen mit niedrigerem Einkommen. Jedoch darf nicht erwartet werden, dass es dann einen gleichen Standard und Komfort gibt. Wer sich ein günstiges Flugticket kauft, darf auch nicht erwarten "Business Class" zu fliegen. Aber fliegen kann und darf er und das ist auch gut so.


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