Mittwoch, 15. Februar 2017

Leben als genderakzeptables Nichts

Bild: David Rosen Photography [CC BY 2.0],
via Wikimedia Commons
von Frank Jordan
2011 wurde die sogenannte Istanbul-Konvention ausgearbeitet. Es handelt sich dabei gemäss offiziellem Wortlaut um ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und ist als solches ein völkerrechtlicher Vertrag, der per 1.8.2014 in Kraft trat. 43 Nationen haben ihn unterzeichnet, 22 bereits ratifiziert. In Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein steht die Ratifizierung noch aus. Im Fall der Schweiz hat der Bundesrat am 2. Dezember 2016 die empfehlende Botschaft an das Parlament verabschiedet – die Entscheidung steht bevor.

Warum sich hier mit etwas befassen, das in den Meinungsschleudern des Mainstreams nicht stattfindet, beziehungsweise nur dann bearbeitet wird, wenn man mit der Thematik gegen die Polen – diese teilrenitenten traditions- und nationsversessenen Feinde des Friedensprojekts Grosseuropa – schiessen kann? Warum „es“ wie so viele vor ihm, nicht einfach abtun als politische Lachnummer und quasi aufgebahrt liegen lassen? Warum in Rage geraten wegen eines weiteren Brüsseler Machwerks, das die Tatsache ignoriert, dass die Schweiz und andere Länder längst die Standards zum Schutz der Frau (ja – es tönt wir Artenschutz) erfüllen, die es fordert, und dessen Umsetzung den Steuerzahler voraussichtlich Millionen kosten wird? Denn wenn auch nichts anderes – dies eine wird es garantiert: kosten. Viel kosten.

Finanzielle Mittel sind sicherzustellen für umfassende politische Massnahmen, Unterstützung von auf Geschlechter und Geschlechtergewalt spezialisierten NGOs auf allen Ebenen, Koordinationsstelle zur Beobachtung, begleitende Forschung, bevölkerungsbezogene Studien, Kampagnen und Programme zur Bewusstseinsförderung und zur Behandlung, Lehrmittel, Fortbildungs- und Ausbildungsmassnahmen, rechtliche und finanzielle Unterstützung von Opfern, Ausbildung, Schulung und Hilfe bei der Arbeitssuche, Schutzunterkünfte, kostenlose landesweite und täglich rund um die Uhr erreichbare Telefonberatung, Errichtung von Krisenzentren. Ausserdem ein 15-köpfiges Expertengremium zur Überwachung, das nicht nur Immunität, sondern auch weitere, ansonsten Regierungsvertretern vorbehaltene Vorrechte geniesst. Die Aufzählung ist nicht vollständig.

Okay – zugegeben: Da kann den steuererpressten Bürger schon eine nicht ganz wutfreie Regung streifen. Aber sind wir das nicht längst gewohnt? Doch – sind wir. Aber in diesem Fall ist es geboten, sich aufzuraffen, Leserbriefe zu schreiben, Kommentare in jedem uns zur Verfügung stehenden Gefäss – alles, um auf dieses im Schatten der Hyperaktualität in Vorbereitung befindliche „Geschäft“ aufmerksam zu machen. Warum.

Deshalb, weil „Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ nur Deckmantel sind. Es geht, tut man sich die Lektüre des Übereinkommens sowie des erläuternden Berichts an, um etwas ganz anderes: Hier wird in furchterregender Milde und hirnspaltend sachlich nicht nur die praktische Umsetzung einer kulturmarxistischen Agenda besiegelt, sondern auch die Integration einer islamischen Gewaltkultur als selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft und flächengreifendes Betätigungsfeld des Aneignungsspezialisten Staat vorausgesetzt und zementiert.

Tut man sich den ganzen Anforderungs-Katalog, beziehungsweise die ihm zugrunde gelegte Wirklichkeit an, wähnt man sich als Leser unversehens in eine sozialgeschichtlichen Epoche versetzt, von der man bisher nichts ahnte, und in der Gewalt, Mord und Unterdrückung der Frau nicht nur Normalität, sondern alltägliche Pöbelbelustigung zu sein schien. Die diese Gesellschaft beherrschenden Männer sind ein Haufen zwanghafter, hyperkonditionierter, unerbittlicher und jederzeit gewaltbereiter Wahnsinniger.

Dass wir als Gesellschaft davon Lichtjahre entfernt und auf der Anti-Diskriminierungsschiene teilweise längst übers Ziel hinausgeschossen sind, braucht hier nicht weiter behandelt zu werden. Aber daher weht der Wind auch gar nicht. Woher stattdessen wird erst in den Tiefen des Werks klar. Dort, wo man den erzieherisch „richtigen“ Willen regelrecht schmatzen hört und wo mehr als bloss ein leichtes konstruktivistisches Gerüchlein über der Sache liegt.

Die Übereinkunft hebt die biologische Bedeutung von Mann und Frau kurzerhand auf. Geschlecht bezeichnet nach dem völkerrechtlich bindenden Vertrag keine biologische Gegebenheit, sondern ausschliesslich gesellschaftlich geprägte Rollen, Verhaltensweisen, Tätigkeiten und Merkmale, die eine bestimmte Gesellschaft als für Frauen und Männer angemessen ansieht.Der Mann wird in diesem Verständnis per se und mit geradezu grotesker Selbstverständlichkeit mit Gewalt und Unterdrückung in Verbindung gebracht. Er gehört umerzogen – wenn nicht gleich zur Frau (die sind gut), dann wenigstens zum Menschen. Denn: Wer Mann ist, ist eigentlich schon Täter. Und es ist in dieser ideologischen Blase nur konsequent, wenn das Papier festhält, dass Massnahmen mit dem Ziel zu treffen seien, die „Vorurteile, Bräuche, Traditionen und alle sonstigen Vorgehensweisen, die auf der Vorstellung der Unterlegenheit der Frau oder auf Rollenzuweisungen für Frauen und Männer beruhen, beseitigen.“

Ehe, traditionelle Familie nach klassischen Rollenbildern, männertypische Berufe oder Studienfächer gelten in diesem Verständnis als „wirtschaftliche Gewalt“ und „strukturelle Unterdrückung“. Gegenseitige und freiwillig vereinbarte Abhängigkeit innerhalb einer Partnerschaft oder Familie ist der totalen Abhängigkeit vom Staat zu opfern. Es fällt dann auch leichter, die andernorts grandios gescheiterte Wahnidee vom neuen Menschen schon ab frühestem Alter und via Fremdbetreuung und -Erziehung in die Kinderhirne hinein zu praktizieren. Von unseren Traditionen und Bräuchen, die alle aus Zeiten stammen, als das Wort „Diskriminierung“ noch nicht erfunden war, ganz zu schweigen. Kurz: Unter dem Label des „Opferschutzes“ wird hier gerade ein neuer Geschlechterkampf Marke „Eiserner Vorhang“ aufgezogen, der in Wahrheit nur eines will: Die Menschen (allen voran den Mann) auf einen sozialen und geschlechtlichen Null-Wert herabwürdigen. Eine Art Säugetier, das sich im Produktionsfaktor-Sein erschöpft.

Die Frage, wie dieser radikale Kulturmarxismus, der sich gegen alle konservativen Lebensmodelle und Geschlechterarrangements, mit der eine Mehrheit der Leute nach wie vor gut lebt, sich mit der Freiheit des Individuums und der Idee eines liberalen Rechtsstaats verträgt, bleibt unbeantwortet. Der Leser gerät indes in Versuchung zu vermuten, die Verfasserschaft der Mache wähne sich längst nicht mehr in einem solchen: In der auf mehrheitlich westliche und christlich geprägte Gesellschaft zugeschnittenen „Übereinkunft“ werden den Themen „Zwangsheirat“ und „Genitalverstümmelung“ eigene Absätze und Artikel gewidmet. Die Worte „Ehre“ und „Ehrenverbrechen“ kommen 14 Mal vor. Noch Fragen?

Nein? Dann schiessen Sie aus allen Rohren. Heute in der Schweiz, morgen in Deutschland. Der grosse Teil dessen, was sich Bildungsindustrie nennt (Medien, Kultur, Bildungsstätten) ist längst übergelaufen und zelebriert den abgeschafften Mann wie gerade eben anlässlich der New York Fashion-Week mit zu Darstellern in einem Monstrositäten-Kabinett erniedrigten Wesen, die nur noch entfernt menschliche Züge zu haben scheinen. Von Männern ganz zu schweigen. Was hier abgemagert, in geschminkter Lächerlichkeit und verhangenem Blick in Stöckelschuhen, Strapsen, Braukleidern, Jupes und Jäckchen über die Catwalks stolpert, lässt einem jedes Lachen auf Brusthöhe einfrieren. Nicht mal Wut kommt auf. Und so gerne man sich abwenden würde, vergessen – tun wir’s nicht: Das ist unsere Sache, die hier von den Medien wohlweislich verschwiegen und im Stillen verhandelt wird. Ihre und meine.
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Der Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

Kommentare:

  1. Guten Tag, ich weder schwul noch transgender, sondern ein ganz normal heterosexueller Kerl und ich finde es nach mittlerweile knapp 2 Jahren vollkommen normal, einen eleganten Rock statt einer Hose zu tragen.
    Ja, und auch Feinstrümpfe, Strumpfhosen und dergleichen passen sehr gut dazu.
    Ich glaube, dass es immer noch davon abhängt, WER die hier kritisierten Kleidungsstücke trägt und wie sich die Person dazu im menschlichen Miteinander gibt.
    Ich behaupte, nichts Tuntiges an mir zu haben und so reagieren auch alle Mitmenschen, die vollkommen verunsichert sind, weil jemand mal das auslebt, was der geschätzte J.-P. Gaultier mit seinen langen Männerröcken getestet hat.

    Ich lehne jegliches Schubladendenken ab, denn niemand, der mich das erste Mal sieht, würde daraus meine politische Gesinnung herleiten.
    Ich bin sozusagen mehrere Randgruppen oder Schubladen oder was auch immer in einer Person.

    Die Menschen sind mehrheitlich einfach zu dumm, um ihr kleines Weltbild zu hinterfragen.

    Ansonsten: Macht weiter so.

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  2. Allerdings ist bei weiterer gender-ideologischer Gleichmacherei zu erwarten, dass die Hauptleidtragenden nicht die Männer, sondern die Frauen sein werden. Auch nehmen andere Gefahren durch diese Gender-Ideologie zu: Frau wird zur Ware (Leihmutter, Eizellenlieferantin, Prostitution usw.) und - wie in einem kürzlich mit Mehrheit akzeptierten EU-Zwischenbericht (NOICHL-Bericht) betont - zu "Humankapital", dessen "umfassende Nutzung" geboten sei. Ohne aus medizinischer Sicht auf gravierende Probleme und Gefahren näher einzugehen, wird sogar mit einer erschreckenden ökonomisch , feministischen Denkweise neuerdings von einer Fortpflanzungsindustrie gesprochen mit Eizellabgabe, Eizellenarbeiterinnen, Uterusverleih und Reproduktionstourismus.
    (siehe Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Logos-Verlag, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4)

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