Donnerstag, 26. Januar 2017

Nachbesserung der IT an Hochschulen dringend erforderlich

Bild: Pixabay / Clker-Free-Vector-Images /
CC0 Public Domain
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,

die deutschen Universitäten sind in hohem Maße auf eine gut funktionierende IT angewiesen. Gutachterliche Untersuchungen kamen jedoch mehrfach zu dem Ergebnis, dass die Hochschulen bei der IT-Unterstützung nicht besonders gut aufgestellt sind. Da gibt es noch viel Raum für Verbesserungen.
Nahezu alle Universitäten verfügen über ein Hochschulrechenzentrum, das die Funktion eines zentralen IT-Dienstleisters wahrnimmt. Die Fakultäten und sonstigen Hochschuleinrichtungen sind jedoch nicht verpflichtet, die Angebote des Hochschulrechenzentrums zu nutzen. Vielfach nehmen sie IT-Aufgaben selbst wahr, wofür sie unter Umständen sogar wissenschaftliches Personal einsetzen. Zum Beispiel betreiben sie in eigenen Räumen Server und Verfahren (auch für Basisdienste wie z. B. die Datenablage und –sicherung sowie E-Mail), stellen IT-Arbeitsplätze bereit und betreuen die Anwender.

Es ist ein Unding, dass Fakultäten und sonstige Hochschuleinrichtungen bestimmte IT-Basisdienste selbst erbringen bzw. in der Anwenderbetreuung aktiv sind. Um hier für Abhilfe zu sorgen, muss verbindlich angeordnet werden, dass die Fakultäten und die sonstigen Einrichtungen die Dienste des Hochschulrechenzentrums zu nutzen haben. Auch der Betrieb von Servern und Anwendungen sollte zentral durch das Hochschulrechenzentrum erfolgen. Der Einsatz von wissenschaftlichem Personal für Standard-IT-Aufgaben bindet Kapazitäten, die besser für Aufgaben in Forschung und Lehre eingesetzt werden sollten.

Das IT-Sicherheitsmanagement muss verbessert werden 

Die IT trägt maßgeblich zur erfolgreichen Arbeit der Hochschulen bei, viele Prozesse in Forschung, Lehre, Studium und Hochschulverwaltung hängen davon ab. Ein umfassendes IT-Sicherheitsmanagement zum Schutz der eingesetzten IT ist bei vielen Universitäten allerdings erst im Aufbau. Vielfach bestehen Schwachstellen, beispielsweise in Bezug auf Serverräume und Datensicherung. Das Notfallmanagement ist teilweise unzureichend. So ist häufig unklar, ob und wann wichtige Geschäftsprozesse bei einem Ausfall der IT-Infrastruktur wieder ausgeführt werden können.

Zum Schutz wichtiger Daten ist ein angemessenes IT-Sicherheitsmanagement unverzichtbar. Die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität von digitalen Informationen aus Forschung, Lehre und Hochschulverwaltung muss sichergestellt sein. Dafür sind hochschulweite Konzepte und Maßnahmen erforderlich. 

Ein Software-Lizenzmanagement muss aufgebaut werden 

Die Software-Lizenzverwaltung ist bei vielen Universitäten stark dezentral organisiert. In den Fakultäten sind hierfür in der Regel die einzelnen Lehrstühle zuständig. Häufig ist kein Überblick über die Zahl der beschafften Lizenzen einerseits sowie der tatsächlich eingesetzten lizenzpflichtigen Software andererseits vorhanden. Die Lizenzverträge sind zum Teil sehr komplex, was zu Rechtsunsicherheiten führt.

Die derzeitige Organisation der Software-Lizenzverwaltung kann zu rechtlichen Konsequenzen (bei einer Unterlizenzierung) führen bzw. unwirtschaftlich sein (bei einer Überlizenzierung). Die kleinteilige Aufgabenverteilung erschwert eine organisationsübergreifende Nutzung ggf. vorhandener „freier“ Lizenzen. Die teilweise komplexen Verträge erfordern an einer Vielzahl von Stellen entsprechendes Know-how. Um hier Abhilfe zu schaffen, müssen die einzelnen Universitäten dringend ein hochschulweites Software-Lizenzmanagement aufbauen. 

IT-Kooperationen sind zu begrüßen 

Einige Hochschulen arbeiten im IT-Bereich zusammen. Sie haben IT-Kooperationen initiiert und damit einen hochschulübergreifenden Konsolidierungsprozess angestoßen. Kooperationsfelder sind zum Beispiel die Datensicherung und virtuelle Serversysteme.

Hochschulübergreifende IT-Kooperationen sind zu begrüßen. Sie eröffnen durch eine Zentralisierung der Technik und eine Bündelung des erforderlichen Expertenwissens Möglichkeiten, Infrastruktur- und Personalkosten einzusparen bzw. neue Aufgaben mit den vorhandenen Ressourcen zu bewältigen. Vor diesem Hintergrund sollte die Zusammenarbeit der Hochschulen im IT-Bereich verstärkt und auf neue Kooperationsfelder erstreckt werden. 

Die Optimierung des IT-Bereichs sollte beschleunigt werden 

Die vorstehend geschilderten Sachverhalte sind nur Beispiele dafür, wie die Ressourcen der Hochschulen im IT-Bereich effizienter und effektiver eingesetzt werden können. Daneben bestehen noch viele weitere Möglichkeiten, durch Standardisierung und Zentralisierung Verbesserungen zu erzielen.

Die Besonderheiten von Forschung und Lehre stehen solchen Bestrebungen nicht entgegen. Man beruft sich in der Wissenschaft zwar gerne auf die Belange von Forschung und Lehre, um ungeliebte Reformen abzublocken. Dahinter steckt aber im hier interessierenden Zusammenhang oftmals nur der Wunsch, über einen eigenen kleinen IT-Bereich zu verfügen, in den niemand hineinregieren darf. Ausnahmen darf es nur da geben, wo die IT selbst Gegenstand von Forschung und Lehre ist, also beispielsweise in der Informatik.

Vor diesem Hintergrund kann man nur hoffen, dass die Hochschulen die Optimierung ihres IT-Bereichs beschleunigt vorantreiben und damit ihre Leistungsfähigkeit erhöhen. Dies wünscht sich sehr, liebe Leserinnen und Leser,

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

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