Montag, 9. Januar 2017

Raus aus der Schweigespirale: Mut zur Reaktion!

von Tomasz M. Froelich
Im öffentlichen Diskurs findet eine Trennung zwischen modernen und unmodernen Gedanken statt. Letztere finden selten Eingang in die Presse, in die Bücher, in die Klassenzimmer, in die Universitätshörsäle und in die Parlamente.

Der große russische Schriftsteller und Dramatiker Alexander Solschenizyn schrieb im amerikanischen Exil: ,,Der Geist eurer Forscher ist juristisch frei, jedoch umstellt von den Götzen der heutigen Mode. Nicht durch offene Gewalt, jedoch durch die Notwendigkeit, dem Massenstandard zu genügen, werden die selbständig denkenden Individuen von einem Beitrag zum gesellschaftlichen Leben abgedrängt. Es entstehen gefährliche Symptome des Herdentriebes, die eine gedeihliche Entwicklung unmöglich machen.’’

Dieser Herdentrieb lässt sich in unserer Gesellschaft oft beobachten. Nicht nur an den Universitäten, nein, auch schon in den Klassenzimmern – von den Massenmedien und der Politik ganz zu schweigen. Aufbegehren tun nur die wenigsten, selbst jene nicht, die mit den Zuständen unzufrieden sind und die mit den vorherrschenden modernen Gedanken nichts anzufangen wissen oder diese sogar rigoros ablehnen.

Die berühmte Kommunikationswissenschaftlerin und Begründerin der Theorie der Schweigespirale, Elisabeth Noelle-Neumann, hatte wohl recht, als sie schrieb, daß Menschen, bedingt durch die Empfindlichkeit ihrer ,,sozialen Haut’’, spüren, welche Meinungsäußerungen gesellschaftlich erwünscht sind, und welche nicht. Das wirkt konditionierend. Wer nicht allzu große persönliche Nachteile erleiden möchte und Positionen vertritt, die gesellschaftlich nicht opportun sind, wird diese, sofern er nicht eine ausgeprägte rebellische Ader hat, öffentlich nicht äußern, was wiederum dazu führen kann, daß diese Positionen den von den Diskurseliten definierten Korridor des Sagbaren immer mehr verlassen, bis sie ganz verschwinden. So funktioniert die Schweigespirale.

Das ist vor allem dann tragisch, wenn das Moderne, das den Korridor des Sagbaren immer mehr füllt, abscheulich und schädlich ist. Dann bedarf es der Reaktion! Auf das Abscheuliche und auf das Schädliche muss reagiert werden, völlig egal, ob es sich dabei um scheinbar irrelevante Alltagskleinigkeiten oder um hohe Politik handelt. Und das Abscheuliche und Schädliche tritt immer klarer hervor: Die Sitten, die Sprache, die Umgangsformen verkommen zunehmend. Und eine utopiebesoffene Politik, die sich beispielsweise in einem egalitären Streben nach der sogenannten sozialen Gerechtigkeit, in einem im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos naiven Multikulturalismus und in einem papierenen Geldsozialismus äußert, entfaltet immer mehr ihre zerstörerische Kraft. Hierauf gilt es zu reagieren. Der Vorwurf der ,,Reaktion’’ darf einen dabei nicht schockieren. Er sollte vielmehr, ob der unerträglicher werdenden Zustände, Ansporn sein.

Kommentare:

  1. ,,Der Geist eurer Forscher ist juristisch frei, jedoch umstellt von den Götzen der heutigen Mode. Nicht durch offene Gewalt, jedoch durch die Notwendigkeit, dem Massenstandard zu genügen, werden die selbständig denkenden Individuen von einem Beitrag zum gesellschaftlichen Leben abgedrängt. Es entstehen gefährliche Symptome des Herdentriebes, die eine gedeihliche Entwicklung unmöglich machen.’’

    Dieses Problem besteht in jeder durch den Staat organisierten Gesellschaft. Es ist kein Problem, dass durch eine Veränderung der staatlichen Ideologie herbeigeführt werden kann. Es ist ein Problem, dass darum existiert, weil es Staat gibt. In einer durch den Staat organisierten Gesellschaft ist selbst die "Reaktion" ein Problem und keine Lösung, weil die Reaktion nur darum erfolgt, weil sie sich auf ein von ihr definiertes Problem bezieht. Darum wird jede Reaktion eine Reaktion auf die Reaktion hervorrufen usw.
    Die Möglichkeit auszuweichen und Konflikte zu vermeiden, die darum bestehen, weil Menschen Individuen, ist innerhalb einer staatlich organisierten Gesellschaft ehest noch möglich, wenn die gesellschaftliche Verfassung derart liberal ist, dass sie den Menschen Räume bietet um einander nicht in die Quere zu kommen.
    Die reaktionäre Haltung zu glauben, wenn man das Gegenteil eines als Problem definierten Zustandes bevorzugt, sei bereits die Lösung, greift zu kurz, so lange Probleme und Lösungen innerhalb eines Systems aufeinander reagieren, dessen Überbau selbst Probleme verursacht und aus jeder scheinbaren Lösung ein neues Problem werden lässt.
    Die Folge, wenn jede scheinbare Lösung qua systemischen Überbau zu einem Problem wird, sind ewige Probleme.

    All zu groß kann Solschenizyn nicht gewesen sein, wenn er diese essentiellen Grundtheorien nicht integriert hat. Die von ihm zitierten Worte sind heiße Luft. Man kann sie beliebig auslegen für jede Form von Ideologie und sind stets ein Propagandawerkzeug ohne Mehrwert. Literarische Philosophie könnte man abschätzig dazu sagen.

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    1. Ich möchte ergänzen.
      Dieses Problem besteht in jeder durch den Staat organisierten Gesellschaft. Es ist kein Problem, dass durch eine Veränderung der staatlichen Ideologie herbeigeführt werden kann. Es ist ein Problem, dass darum existiert, weil es Staat gibt. In einer durch den Staat organisierten Gesellschaft ist selbst die "Reaktion" ein Problem und keine Lösung, weil die Reaktion nur darum erfolgt, weil sie sich auf ein von ihr definiertes Problem bezieht, dass durch den Staat nicht umgangen werden kann, auf diese Weise somit vom Staat geschaffen ist, und selbst im Geiste einer Reaktion oder Lösung auf ein vor ihr zuvor definiertes Problem entstanden ist. Stichwort Interventionsspirale. Darum wird jede Reaktion eine Reaktion auf die Reaktion hervorrufen usw.

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  2. Die Kritik am Massenstandard klingt beinah schon wie eine Kritik am Kapitalismus. Die Kritik am Massenmenschen beinah wie eine Kritik am Geschmack der Masse. Wenn man das aber kritisiert, sollte man den etatistischen Überbau der Gesellschaft kritisieren und nicht den Massenstandard an sich oder den Massengeschmack. Denn andernfalls fehlt nicht mehr viel zur Umdeutung des Feudalismus als ein freies System, weil der Massenmensch darin endlich wieder Sklave der frei auslebbaren Individualität des Feudalherren sei.

    Ebenso als störend empfinde ich die Undefiniertheit der Begriffe "modernes" und "unmodernes" Denken. Worthülsen zu benutzen ist kein Ausdruck intellektuellen Reichtums. Was ist unmodernes Denken ? Ist unmodern gleich unpopulär ? Und wer kann sich erlauben das zu bestimmen ? Wer kann sich erlauben zu definieren, dass Geschmack über der Wahrheit steht ? Ist es unmodern zu denken, dass Menschen frei sein sollten vor der Gewalt des Staates oder ist es unmodern einem Rassenwahn zu fröhnen ? Was von beiden ist unmodern ? Geht es nach der Wahrheit, ist Rassenwahn eine subjektive Denkweise die keine logische, vernünftige Entsprechung vorfinden kann. Man darf den Rassenwahn darum verunglimpfen. Und wer an ihn glaubt, sollte frei von Staat im hintersten Eck der Zivilisation hausen. Eine Rechtfertigung damit im Zentrum der Zivilisation zu hausen gibt es nicht, weil kein logisches Argument jemals untermauern kann, dass die Zugehörigkeit durch Hautfarbe etwas an der Individualität ändert. Sehr wohl aber ist die Freiheit vor dem Staat mit logischem denken ableitbar und gehört darum in das Zentrum der menschlichen Zivilisation.
    Wer nun beides gleichsetzt, Freiheit und Rassenwahn, der öffnet einer esoterischen Vernunftfeindlichkeit die in Beliebigkeit und Gleichheit den Triumph sieht, Tür und Tor.
    Wie angesprochen, sind die Begriffe aber leider nicht definiert sondern nur propagandistisch in den Raum geworfen worden. Karl Marx hat auch gerne Begriffe mal nicht definiert. Sehen wir hier denn etwa den Anbeginn einer Vermischung aus Rechtspopulismus mit Marxismus ? Ein marxistischer Rechtspopulist wäre ganz was neues, nur glaube ich, wäre es nicht viel mehr als alter Wein in neuen Schläuchen. Alter Wein in neuen Schläuchen.

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  3. Was man noch andenken sollte ist, ob Solschenizyn nicht eine Made im Speck gewesen ist. Es war und ist nicht unüblich, dass Kommunisten im Westen in´s Exil geflohen sind, wo sie dann aber die Freiheiten des Westens kritisiert haben.
    Russisch sozialisiert ist es vorstellbar, dass er Probleme mit der westlichen Freiheit hatte und darum den Massenstandard im Kapitalismus angegriffen hat.
    In den Schriften Ludwig von Mises findet man genügend Beispiele darüber wie Kommunisten, die sich in den Westen retten um ein besseres Dasein zu erlangen, diesem Westen in den Rücken fallen, weil er nicht so ist, wie die Länder ihrer Herkunft, ohne darüber nachzudenken, dass sie dann genauso ärmlich und unfrei wären.
    Diese Menschen haben ihre kommunistische Sozialisation nie abgelegt.

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