Donnerstag, 15. Dezember 2016

Rezension: Liberalismus im Deutschland des 19. Jarhhunderts

Das Buch kann hier bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Ralph Raico: Die Partei der Freiheit: Studien zur Geschichte des deutschen Liberalismus. Lucius & Lucius, 298 Seiten, 39 Euro
Hans-Hermann Hoppe schreibt im Vorwort der deutschen Ausgabe seines Buches ''Demokratie: Der Gott, der keiner ist'', folgendes: "Im gegenwärtigen Deutschland gibt es keine anti-etatistische bürgerliche Fundamentalopposition. Vielerorts gelten Deutschland und Antietatismus geradezu als unvereinbar. Doch wie der amerikanische Historiker Raico gezeigt hat, hat es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine solche Opposition gegeben."

Genau diese liberale Fundamentalopposition untersucht Raico in diesem Buch und erweist sich als sehr guter Kenner der Geschichte der Freiheitsidee im Deutschland des 19. Jahrhunderts.

Von den Wurzeln im 18. Jahrhundert bis hin zum 1. Weltkrieg und der Weimarer Republik verfolgt Raico zielsicher die verschiedenen Stränge des deutschen Liberalismus. Dabei liegt ein Schwergewicht auf Eugen Richter, der für Raico "über drei Jahrzehnte lang in Deutschland der politische Vertreter der alle Kulturvölker umfassenden liberalen Bewegung war".

Neben John Prince-Smith wird Eugen Richter als große Figur der Freihandelsbewegung dargestellt, als Führer der freisinnigen und fortschrittlichen Parteien und als der große Gegenspieler Otto von Bismarcks. Zu Eugen Richter schreibt Raico weiter: "Für das, was Richter war, was er vertreten hat und ... für die bloße Tatsache, daß dieser Deutsche 'keiner Regierung je vertraut hat' ..., verdient der rheinische Liberale eine bessere Behandlung seitens der Historiker; und seitens der Deutschen verdient er, daß er nicht vergessen wird."

Eugen Richter ging nicht - wie andere Liberale - einen Pakt mit dem Machtstaat Bismarcks ein, sondern blieb konsequent in seiner liberalen Haltung. Dabei konnte Eugen Richter, wie Raico anschaulich nachzeichnet, den Niedergang der ''Ideen der Freiheit'' in Deutschland nicht aufhalten. Der Aufstieg der Kathedersozialisten und Ideen im Zusammenspiel mit Bismarcks antifreiheitlicher Politik, sowie deren Folgen werden einleuchtend beschrieben. 

Schließlich wendet sich Raico der Rolle Friedrich Naumanns innerhalb des liberalen Parteienlagers zu. Dabei wird klar aufgezeigt, dass Naumann ein Anhänger des wilhelminischen Militarismus mit seiner Kolonial- und Flottenpolitik war, ein Mann, der in seinen Schriften ''Mitteleuropa'' unter deutscher Führung sehen wollte, ein Mann, der in diesen Schriften für einen ''deutschen Staatssozialismus'', für einen ''nationalen Sozialismus'' und für einen ''liberalen Imperialismus'' warb - etwas, das nichts mehr mit Liberalismus zu tun hatte.

Durch die Beschreibung des verhängnisvollen Wirkens Naumanns ist es Raico ausgezeichnet gelungen, die Tragik des deutschen Liberalismus nachzuzeichnen. Eine liberale Lichtgestalt wie Eugen Richter, der in diesem Buch endlich die ihm längst verdiente Würdigung erhält (bezeichnend von einem amerikanischen und nicht von einem deutschen Forscher), war eben nicht genug, um dem wirklichen Liberalismus in Deutschland eine reelle Chance zu bieten.

1 Kommentar:

  1. Das rezensierte Buch ist wirklich lesenswert.

    Wer die Anschaffungskosten scheut, findet es hier als PDF:

    http://www.mises.de/texte/ralph-raico

    https://mises.org/library/die-partei-der-freiheit-party-liberty

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