Dienstag, 27. Dezember 2016

Die Schwächen der Filmförderung

Bild: Pixabay / geralt / CC0 Public Domain
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,

die deutsche Filmwirtschaft lebt in hohem Maße von Subventionen, anstatt ihr Geld am Markt zu verdienen. Die zuständigen öffentlichen Stellen wollen nicht wahrhaben, wie gering die Wirkung ist, die sie mit ihren Fördermaßnahmen erzielen.

Unter Filmförderung versteht man die Unterstützung von Filmprojekten durch Darlehen, Zuschüsse, Beratung, Preisverleihungen und dergleichen. Durch die Filmförderung sollen inländische Filmproduktionen ermöglicht und damit wirtschaftspolitische Ziele erreicht werden. Daneben werden auch künstlerisch oder kulturell wertvolle Spiel- und Fernsehfilme und vom Markt kaum nachgefragte Genres wie zum Beispiel Dokumentar- und Kurzfilme gefördert.

Eine Vielzahl von staatlichen Stellen ist hierzulande damit beschäftigt, der Filmwirtschaft finanziell unter die Arme zu greifen. Auf der Ebene des Bundes sind dies die Filmförderungsanstalt sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. In den letzten Jahren hat der Bund die Filmwirtschaft mit jährlich über 150 Millionen Euro unterstützt. Auf der Ebene der Bundesländer tummeln sich an die zwanzig Einrichtungen (Filmbüros, Medien- und Filmgesellschaft, Medienboard, Filmstiftung usw.), die alle dem deutschen Film Gutes tun wollen. Alle Länder beteiligen sich an diesem Subventionswettlauf. Insgesamt fließen der Filmwirtschaft von den Ländern jährlich weitere 150 Millionen Euro zu.

Mit der Filmförderung wird Standortpolitik betrieben 

Ausgangspunkt für die Filmförderung in der frühen Phase der Bundesrepublik war, die heimische Filmwirtschaft vor den international erfolgreichen amerikanischen Produktionen zu schützen. Auch die Unterstützung von künstlerisch oder kulturell wertvollen Produktionen spielte von Anfang an eine Rolle. Später, als sich auch die Bundesländer in der Filmförderung engagierten, wurde dann die Standortpolitik immer wichtiger, also letztlich die Sicherung von Arbeitsplätzen. 

Die Länder orientieren sich dabei stark an dem sogenannten Regionaleffekt eines Filmvorhabens, also daran, dass das betreffende Bundesland von der Produktion einen wirtschaftlichen Nutzen hat, zum Beispiel durch Drehtage in der Region. So kommt es, dass auch bei Hollywoodfilmen gern einige Drehtage in Berlin oder in der deutschen Provinz eingebaut werden. Die Subventionen des jeweiligen Bundeslandes können auf diese Weise mitgenommen werden. Der Qualität des geförderten Streifens tun solche Verrenkungen nicht unbedingt gut! 

Darlehen werden nur selten zurückgezahlt 

Ein wesentlicher Teil der Förderung wird in Form von bedingt rückzahlbaren Darlehen gewährt. Bedingt rückzahlbar bedeutet, dass die Tilgung erlösabhängig ist. Nur wenn ein Film Erlöse erzielt, die über die Kosten seiner Produktion und Verwertung hinausgehen, ist der Produzent verpflichtet, das Darlehen an die öffentlichen Förderer zurückzuzahlen. Die Tilgungspflicht endet in der Regel fünf Jahre nach Kinostart. Danach wird die Verwertung eines Films als abgeschlossen angesehen, sofern sich nicht bedeutende weitere Erlösströme abzeichnen. Der wirtschaftliche Erfolg der Förderung kann daher daran gemessen werden, wie viele Darlehen getilgt werden. 

Zu einer Rückzahlung von Darlehen kommt es jedoch nur vergleichsweise selten. Soweit Zahlen bekannt sind, liegt die Rückzahlungsquote bei etwa fünfzehn Prozent, teilweise auch deutlich darunter. 

Der Regionaleffekt als zweifelhafter Indikator für den Erfolg der Förderung 

Aber auch der Regionaleffekt, mit dem die Filmförderung zunehmend gerechtfertigt wird, ist als Indikator für den Erfolg der Fördermaßnahmen nicht wirklich überzeugend. Der Regionaleffekt beschreibt das Verhältnis zwischen dem Betrag, den die öffentliche Hand an einen Subventionsempfänger auszahlt, und dem Betrag, der aufgrund der geförderten Maßnahme in der Region ausgegeben wird. Wenn also Subventionen in Höhe von 100 Euro ausgezahlt werden und bei der Durchführung des geförderten Filmprojekts 150 Euro in der Region ausgegeben werden, beträgt der Regionaleffekt 150 %. Ein derartiger Effekt tritt aber regelmäßig bei Ausgaben der öffentlichen Hand ein und rechtfertigt damit nicht die Förderung einer bestimmten Branche. 

Es werden nicht nur filmspezifische Ausgaben berücksichtigt 

Bei der Ermittlung des Regionaleffekts wird dem Aspekt, dass es sich um eine spezifische Förderung der Film- und Medienbranche handelt, nicht Rechnung getragen. In die Berechnung fließen nicht nur Ausgaben ein, die filmspezifisch sind, d. h. bei der Nutzung der film- und medienwirtschaftlichen Infrastruktur in der Region entstehen; Beispiele wären die Nutzung filmtechnischer Betriebe, wie Film-, Fernseh- und Tonstudios, Kopierwerke sowie die Beschäftigung von kreativem und technischem Personal während einer Filmproduktion. Bei der Berechnung des Regionaleffekts werden vielmehr alle Umsätze berücksichtigt, die bei einem Filmprojekt in der betreffenden Region entstehen. Zu diesen Umsätzen zählen somit zum Beispiel auch Versicherungs- und Rechtsberatungskosten sowie Mietwagen-, Übernachtungs- und Cateringkosten. 

Es sollten zusätzliche Indikatoren definiert werden 

Kritiker haben auf die nur eingeschränkte Aussagekraft des Regionaleffekts hingewiesen und gefordert, weitere Indikatoren zu definieren, die eine belastbare Aussage über den Erfolg der Filmförderung ermöglichen. Beispielsweise sollten die Kennzahlen Umsatz, Zahl der Unternehmen und Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten des betreffenden Medienstandorts mit in die Betrachtung einbezogen werden. Diese Kennzahlen wären besser geeignet, eine Aussage über den Zustand der Film- und Medienwirtschaft in der jeweiligen Region zu treffen. 

Die öffentlichen Förderer wollen aber an der bisherigen Erfolgsmessung mit Hilfe des Regionaleffekts festhalten. Möglicherweise wollen sie gar nicht so genau wissen, wie es um den Erfolg der Filmförderung tatsächlich bestellt ist. Denn dann müssten sie, liebe Leserinnen und Leser, wahrscheinlich die Förderung einstellen, sagt kopfschüttelnd

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

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