Donnerstag, 17. November 2016

Habermanns Richtigstellung: ,,Amerikanische Verhältnisse''

Bild: Pixabay / stux / CC0 Public Domain
von Prof. Dr. Gerd Habermann
Diesmal: ,,Amerikanische Verhältnisse''
Unter der Floskel ,,Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse!'' sollen echte Reformen abgewehrt werden. Dies beruht jedoch auf einer Verkennung dieser ,,Verhältnisse''.

Beispiel Arbeitsmarkt: In den USA haben nur 18 Prozent der Erwerbstätigen Angst vor Arbeitslosigkeit, in Deutschland sind es 30. Der Wiedereinstieg in Arbeit nach drei Monaten beträgt in den USA 74 Prozent, in Deutschland 17 Prozent. 

Die Massenarbeitslosigkeit und vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit ist eine direkte Folge des ,,unamerikanisch'' rigiden deutschen Arbeitsrechts und der guten Sozialversorgung. Das liberaler Arbeitsrecht in Amerika - sowie auch der Schweiz - sorgen dafür, dass man nicht nur leichter entlassen, sondern auch leichter eingestellt werden kann (hire and fire and - rehire!, was oft vergessen wird!). 

Arbeitslosigkeit lastet in Deutschland auf den Betroffenen also weit schwerer als in den USA.

Literaturtipp: Olaf Gersemann: Amerikanische Verhältnisse (2004)

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Kommentare:

  1. Absolut richtig.
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    Ich bin Schweizer und erlebe oft Kollegen in Deutschland die ihre Arbeiter nur noch wenige Jahre behalten und dann kündigen.
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    Sie stellen sie wieder ein, aber sie sorgen vor wegen allfälliger ruinöser Entschädigungen usw.
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    In der Schweiz gilt bei einem Anstellungsverhältnis von -1 Jahr eine Kündigungsfrist, immer auf Ende Monat gekündigt .... von 1 Monat.
    Vom 2-ten bis zum 9-ten Jahr ...2 Monate, ab dem 10-ten Jahr ...3 Monate.
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    Trotzdem würde ich gerne eine Aussage dazu haben, wie es den älteren Jahrgängen ergeht.
    Also wie erleben es Jahrgänge ab 55 in den USA mit dem "Hire and Fire" und "Refire"
    In den USA arbeiten wohl viele aus der Arbeiterklasse noch bis weit über 70-ig, denn sie haben zu wenig in der Altersvorsorge, ja konnten gar nie genug dafür einzahlen. Sie werden vom Establishment dafür auch noch als "Rednecks" und "White-Trash" tituliert.
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    Mein Vater arbeitete voll bis er 69 war, dann Teilzeit bis er 80 wurde und machte den garten des Nachbars noch bis 87.
    Als er mit 94 starb war er eigentlich immer noch sehr gesund und er hätte auch 100 werden können, so er nicht selber gedacht hätte das es nun einfach Zeit sei .....was ja auch in Ordnung war.
    Ich wünsche mir auch so ein langes Arbeitsleben, denn das hält Fit.
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    Hier in der Schweiz ist es mittlerweile so das man ab 50-55 kaum noch Eingestellt wird. Es gibt auf dem Arbeitsmarkt dermassen viele Ausländer und dort auch Deutsche, so das wir inzwischen eine ständige Sockelarbeitslosigkeit von 4-5% haben.
    Wir reden hier von einer Zahl die es in der Schweiz so früher nie gab, nicht mal die Ölkrise von 1974 schaffte so etwas.
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    Es gab so eine Quote früher von um die 1% und schon die erregte Aufmerksamkeit.
    Beispiel Pflegefachkräfte. Da jammern die Krankenhäuser beständig es würden ihnen welche fehlen, aber es gab 2015 in der Schweiz 5800 Arbeitslos gemeldete aus diesem Sektor.
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    Das ist der Grund warum hier eine Masseneinwanderungsinitiative angenommen wurde. Denn es werden unter dem Motto der fehlenden Fachkräfte eben doch vor allem auch billigere Fachkräfte im Ausland rekrutiert.
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    Hier in der Schweiz haben über 55 Jährige kaum noch Chancen, auch und gerade weil sie bei den Pensionskassenbeiträgen am stärksten belastet werden, also für den Arbeitgeber teurer sind. Zudem können sie nicht einfach für weniger Arbeiten, denn viele haben Haus oder Wohnung zu verzinsen, noch Kinder im Studium usw.
    Die Banken legen sie heute gerne mal quer mit der Erneuerung der Hypotheken, wenn man nicht mehr genug verdient was eben gerade auch eintrifft wenn man frühzeitig pensioniert wird. Benötigt man längere Zeit Leistungen von Sozialamt muss man sein Haus verkaufen und erst den Gewinn daraus verzehren.

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  2. Hallo Anonym,

    Die Schweiz ist aber eben nur liberaler und nicht wirklich liberal. Jeder Staatseingriff zeitigt wirtschaftliche Probleme. Daran ist nicht die Zuwanderung Schuld, denn Arbeit und Wohlstand sind keine festen Größen. Die Schweiz müsste mehr Staatsabbau betreiben um die Arbeitslosigkeit zu senken.

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  3. Das mit den "amerikanischen Verhältnissen" gilt auch für's Waffenrecht. Unsere Journalisten haben überhaupt keine Ahnung, auf welches der 50 Waffengesetze und welche der ~20.000 regionalen und lokalen Regelungen sie sich beziehen. Von liberal bis Totalverbot ist da nämlich alles dabei. Auch die meisten andere Daten zu dem Thema werden einfach nachgeplappert und nie nachrecherchiert. So entsteht ein Narrativ, das als Wahrheit genommen - aber nie nachgeprüft wird.

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