Mittwoch, 23. November 2016

Die Verschwörung

Bild: RadioKirk, vectorised by MesserWoland [GFDL,
CC-BY-SA-3.0 or CC BY-SA 2.5-2.0-1.0], via Wiki Commons
von Walter Schüle
Im Kanzleramt, kurz vor den Wahlen,
Kommen zu den Herren, die den Staat verwalten,
Ein paar gar seltsame Gestalten,
Die reden von sehr krummen Zahlen.

Auf den Minister fällt das Licht,
Die andern Herrn erkennt man nicht.
Sie reden in Phrasen, die nicht jeder versteht.
Um was für Dinge es wohl geht?

Sie reden nicht über ihre Ferien,
Nicht über Fußball oder schöne Frauen,
Nicht über Schnaps, doch – ganz im Vertrauen -
Über die Euro-Konvergenzkriterien.

Schließlich meint eine der dunklen Gestalten:
„Die Kriterien, sie werden nicht eingehalten!
Wie man’s auch drehe oder wende,
Zu viele Schulden sind’s am Ende.

Da hilft kein Flehen und kein Bitten,
Weil jeder das Kriterium kennt:
‚Neuschuld höchstens drei Prozent‘,
Und dieses Maß wird überschritten!“
 
Der Minister kommt in Rage,
Vermutet auch gleich Sabotage:
„Wer will sich hier denn nur verschwören
Um die Bilanzen mir zu stören?“

Man diskutiert noch manche Runden,
Doch wie man auch schiebt und umbenennt,
Die Neuschuld bleibt über den drei Prozent,
Da ruft der Minister ganz laut „Gefunden!

Ich seh‘ es hier mit einem Blick,
Es gibt eine Verschwörung – in der Mathematik –
Denn schließlich weiß ja jedermann,
Dass was nicht sein darf auch nicht sein kann!“.

 Und er fährt fort, in ein Grinsen gehüllt:
„Wenn wir an den Rechengesetzen drehen,
So wird die Verschuldung nach unten gehen,
Und das Kriterium ist erfüllt!
 
Ist auch der Aufwand recht enorm,
Wir brauchen eine Rechenreform!
Das ist der Ausweg aus der Krise:
Oh hängt ihn auf, den Adam Riese!“

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