Samstag, 12. November 2016

Der unsoziale Staat: Die Ausblutung des Marktes und die Schaffung von Sozialstaatsjunkies

Dank Staat: Motivation im Eimer. Bild: Pixabay /
Eirik_Raudi / CC0 Public Domain
von Michael Auksutat
"Auksutat, wieso eigentlich immer Markt vor Staat? Wir werden doch dann ausgebeutet! Sieh doch mal, wie viel schlechter es vielen Leuten geht!"

Nicht schlecht der Einwand. Aber falsch.

Kennt ihr diese historischen Schiebebilder von Berlin oder auch aus dem Ruhrgebiet? Eine Straße in den 70ern und dann heute? Was fällt euch da auf? Schiebt mal hin. Schiebt mal her. Also abgesehen von schwarz-weiß und bunt: Überall auf den Bildern der 70er seht ihr Kleingewerbetreibende. Hier eine Pommesbude. Dort einen Kiosk. Woanders eine kleine Disco.

Wo ist das jetzt? Und was machen die Leute, die eigentlich so etwas machen? Ganz einfach: Die sind auf Stütze.

Versuche doch mal jemand, heute eine Pommesbude oder einen Kiosk aufzumachen. Abgesehen vom sofort einsetzenden Zeckismus (Bevor Du Deinen ersten Umsatz hast, ist schon die Post von GEZ und BG da), wirst Du schon Probleme haben, das Ding überhaupt genehmigt zu bekommen: Hast Du die richtigen Filter? Sind Deine Nahrungsmittelreste auch gekühlt? Hat Deine Kasse auch einen Fiskalspeicher? Hat Deine Kneipe für sechs Mann auch einen Notausgang, einen Wickelbereich, und, und, und, und, und.

Nicht zu vergessen: Sind die Aufzeichnungen über die Arbeitszeiten Deiner Mitarbeiter rechtssicher, oder läufst Du Gefahr, dass das bisschen Kohle, das Du hast, vom Zoll wegen eines Verstoßes gegen das Mindestlohngesetz annihiliert wird?

Du hast alles richtig gemacht und stehst jetzt mit einem Gast in Deiner Kellerbar und Ihr beiden trinkt ein Bier auf den Erfolg und raucht Euch eine? Lieber Himmel, wenn jetzt um Zwei einer vom Ordnungsamt vorbei kommt!

Du bist nicht arm, weil der Reiche reich ist, sondern Du bist arm, weil dort, wo Dein Geschäft stehen sollte, ein Baum wächst. Du bist arm, weil wenn Du etwas verdienen würdest, mehr staatliche Zecken an Deinem Portemonnaie hängen, als Mücken an einem Anglerarm am Frühsommermorgen. Du bist arm, weil jede Handlung, die Du tätigst, in irgendeiner Form Energie verbraucht. Und diese Energie wird mit mehreren hundert Prozent Oberstudienrätinwohlfühlgarantierungssteuer beaufschlagt. Deswegen bist Du arm. Und deswegen kommst Du nicht hoch. Und deswegen hängst Du an der Staatsspritze.

Das ist für jeden nämlich ziemlich bequem.

Stell dir vor, Du würdest ein gutes Geschäft am laufen haben und Dich gut fühlen und Dich fragen, wozu Du Dir eigentlich diese Gebrauchtwagenverkäufer an der Regierung leistest. Du bist ein geiler Typ und Du kriegst es gut selbst gebacken. Das wäre für den Staat jetzt nicht prickelnd. 

Wenn Du aber arm bist und Du Dir vom Staat jeden Monat Deine vielleicht insgesamt tausend (?) Euro abholst und von seinem Wohl und Wehe abhängst, wessen Existenz hinterfragst Du dann nicht?

Ja genau. 

Wohlfahrtsstaat ist, wenn Du Knecht A für Knecht B bezahlen und Knecht A im Glauben lässt, er würde dafür etwas bekommen und Knecht B Dich dafür anhimmelt. (P.S.: Im Falle eines bedingungslosen Grundeinkommen sind übrigens alle plötzlich Knecht B.)

Um auf den ersten Satz zurück zu kommen: Das Primat des Marktes bedeutet, dass jeder erst einmal die Möglichkeit haben muss, seinen Lebensunterhalt auf freiwilliger Basis zu verdienen - und dann kann man sich über Orchideenideen unterhalten.

Derzeit ist es umgekehrt. Und das finde ich schlicht falsch. Und das falsch zu finden, ist alles andere als unsozial.

Um noch mal auf die Schiebebilder zurück zu kommen. Dass die heute bunt sind, statt schwarz-weiß und heute mit einer Digitalkamera in HD gemacht werden, statt mit einer Filmrolle - für einen Bruchteil des Preises: Wessen Verdienst war das noch mal?

1 Kommentar:

  1. Bravo................
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    Ich bin Schweizer und hatte eine eigene Firma in einem sehr seltenen Beruf.
    Ich möchte hier gerne einmal erzählen wie es mir damals erging.
    Zeiten, an die ich heute, angesichts der Veränderungen auch hier in der Schweiz, mit Wehmut zurückdenke. Die ich aber auch für den Grund halte warum wir heute immer noch stark von einem halbwegs gesunden Land profitieren, was unsere Linken Utopisten jedoch gerne für ihre Ideologie aufs Spiel setzen.
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    Ich fing nach meiner Lehre mit 19 an privat auf meinem Beruf zu arbeiten, niemand fragte mich je nach Abgaben, Steuern oder irgendwas, ich betrieb meine Werkstatt einfach zu Hause, sammelte Kunden und Werkstatteinrichtung, alles was man so haben muss, sich aber mit 20 nicht einfach so kaufen kann. Ich verdiente Geld und steckte es in die Werkstatt.
    Das tat ich bis ich 24 war und dann machte ich den Sprung aus meiner Arbeitsstelle in die Selbständigkeit. Geld für einen Kurs in Betriebswirtschaft, das hatte ich nicht und ja, es gab die auch noch kaum, ich lernte nach Schema Versuch und Irrtum.
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    Also, ……ich fing einfach an zu Arbeiten sobald ich meine Werkstatt eingerichtet hatte. Nie erhielt ich Anfragen von einem Amt oder dergleichen. Nie gab es eine Kontrolle, keiner fragte nach Feuerlöscher und Behinderten-WC, niemand irgendwas. In der Gemeinde freute man sich über den neuen Handwerker und unterstütze ihn mit „in Ruhe lassen“.
    Das ging erst mal ein Jahr so weiter, dann bekam ich mal einen Brief vom Kanton, …….das ich die Steuererklärung einreichen sollte denn ich müsste ja auch Sozialabgaben leisten usw.
    Hier sind das die AHV = Altersversorgung , IV = Invalidenversicherung, EO = Erwerbsersatzordnung, ALV = Arbeitslosenkasse.
    Nun gut das war mir ja klar.
    In dem einen Jahr musste ich aber auch 3-1/2 Wochen in den Militärdienst, den sogenannten WK wie das in der Schweiz heisst.
    Also einrücken, Betrieb steht still, keine Rechnungen zum schreiben, Null Einkommen für 1 Monat.
    Nun ja Es gab ca. 100 Franken Sold im WK….((-:
    Ich wusste aber, dass man als Angestellter einen Wehrpflichtersatz bekommt. Ich bin also aufs Amt gegangen und fragte den Herrn dort was und wie ich etwas bekommen könnte, denn ich stünde ganz am Anfang und das fehlende Einkommen sei ein Problem für mich.
    Nun ja, der Mann schaute in seine Akten und stellte fest dass noch keine Unterlagen vorlägen, ich noch keine Steuererklärung eingereicht, ich hätte ja auch noch nichts einbezahlt hätte.
    Ich gab ihm das Papier welches mir der Fourier meiner Kompagnie gegeben hatte und füllte ein Formular aus…….
    Nun ja, was machen.....
    Also er meinte …..das alles würde ja dann schon kommen, er könnte mir „das eine mal“ etwas auszahlen, aber nur wenig, nicht mehr wie ich aufgrund meiner Steuererklärung mindestens bekommen würde.
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    Er fing an eine Quittung zu schreiben, dann ging er aus dem Büro und kam mit 1000 Franken in bar zurück.
    Er gab mir diese und sagte man werde dann später abrechnen wenn die Unterlagen da seien.
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    Ich war damals 4-25 Jahre alt und wir hatten das Jahr 1986/87.
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    Auch heute denke ich zwischendurch noch an den damals so 50 Jährigen Beamten. Ich würde mich sehr gerne bei dem Mann einmal bedanken, so ich noch wüsste wie er heisst und wo er wohnt.
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    Tja, das war 1986, ....ob es heute noch so einfach zuginge, man so einen beamten finden würde, er das überhaupt dürfte, ...ich denke sicher nicht.
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    Paradiesisch einfach war es damals. Auch Behördlicherseits dachte man nur positiv über einen jungen Mann von 24 der keine Ferien hatte, Samstags immer arbeitete, erst nach 6 Jahren einmal Ferien machte, dafür jedes Jahr seinen Militärdienst leitete und also in dem jungen Alter sein Glück versuchen wollte. Sie alle waren so grosszügig wie sie nur konnten, nie erlebte ich Paragraphenreiterei oder dergleichen. Man sah mich als tüchtigen Jungen Mann an, als das was unsere Gesellschaft braucht und gerne hat.
    -
    Bals erinnert sich auch in der Schweiz niemand mehr wie es auch gehen könnte...... wenn wir so weitermachen.

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