Donnerstag, 13. Oktober 2016

Neutrale Zigarettenschachteln: Bevormundend und sinnlos

Selbst- statt Fremdbestimmung
von Bill Wirtz

Bis Anfang 2017 müssen Zigarettenschachteln in Frankreich das Format der neutralen Zigarettenschachtel annehmen. Die Regierung will über diesen Weg vor allem den Konsum bei Teenagern reduzieren, die „durch die farbigen Schachteln angezogen werden“. Man kann diesen Beschluss unterschiedlich bewerten, aber die Schlussfolgerung ist immer, dass die Politik Raucher wie auch Nicht-Raucher wie Kinder behandelt und bevormundet.

In der alltäglichen politischen Diskussion kommt Australien eher selten vor, mal abgesehen vielleicht von Känguru-Clips am Ende der Nachrichten. In dieser Diskussion allerdings ist Australien zum Aushängeschild eines vorbildlichen Umganges mit dem Tabakkonsum geworden: teure Zigaretten, streng reguliertes Rauchen in der Öffentlichkeit und neutrale Zigarettenschachteln („plain packaging“) seit Dezember 2012.

Eine Studie, die das politische Ziel nicht bestätigt

In der Wirtschaftsabteilung der Universität Zürich wurde eine Studie durchgeführt, die aufzeigt, dass neutrale Zigarettenschachteln bei Teenagern zwischen 14 und 17 Jahren keinen Effekt auf den Konsum haben. So heißt es:
,,Da wir beim Messen der Inferenz recht großzügig vorgegangen sind, ist unsere Analyse – wenn überhaupt – eher in die Richtung verzerrt, dass wir einen statistisch signifikanten (negativen) Zusammenhang zwischen ‘plain packaging’ und der Häufigkeit des Rauchens bei Australiern zwischen 14 und 17 Jahren gefunden hätten. Nichtsdestominder haben wir keine Evidenz für so einen Zusammenhang gefunden. Wären wir bei der Inferenzmessung weniger großzügig gewesen, wäre das Ergebnis vermutlich sogar noch deutlicher gewesen."
Wenn es allerdings um Erwachsene geht, so muss man sich bewusst machen, dass man heutzutage von Werbung geradezu bombardiert wird. Dadurch entwickelt man auf lange Sicht eine gewisse Immunität dagegen. Das zeigt sich darin, dass Werbeagenturen immer kreativer werden müssen, um unsere stumpfe Aufmerksamkeit zu bekommen. Von morgens bis abends wird uns im Fernsehen, im Radio, in der Zeitung, an der Bushaltestelle usw. erklärt, warum wir dieses oder jenes Produkt kaufen sollten.

Aber französische Politiker glauben jetzt, dass es bei Tabak schon ausreicht, das Produkt hinter der Theke farbig zu platzieren, um Erfolg zu haben (wobei die Hälfte der Verpackung in Frankreich ohnehin bereits aus Warnhinweisen und Schockbildern besteht). Jemand müsste mal Coca-Cola erklären, dass es ausreichend Marketing ist, deren Produkte nur in bunter Verpackung hinter der Theke zu präsentieren.

Wenn Politiker davon ausgehen, dass Individuen allein schon farbigen Schachteln nicht widerstehen können, dann bedeutet das nichts anderes, als dass diese Politiker den Bürger bevormunden und verkindlichen. Es ist ein Zeichen von Arroganz, Menschen ein Verhalten vorzuschreiben: Was man essen, trinken oder wie man sein Geld ausgeben soll. Nach dem Ende des Einflusses von Religion auf den Staat [in Frankreich] ist nun die Bevormundung in der Form des Nanny-Staats zurück. Und dieser bevormundet uns mehr denn je.

Geschäftsfreiheit und der Schwarzmarkt

Einem Unternehmen die Vermarktungsstrategie vorzuschreiben geht gegen die Geschäftsfreiheit. Besonders, da die Verpackung in den meisten Ländern die einzige Marketingtechnik ist, die bei Tabak noch verwendet werden darf. Man muss sich klar vor Augen führen, dass die Tabakindustrie in Frankreich über 75% jeder verkauften Einheit an den Staat abgibt, jegliche Werbung verboten ist und der Konsum an Bushaltestellen, in Bars und in Nachtclubs untersagt ist. In Zukunft werden verschreibungspflichtige Medikamente weitaus mehr Freiheit beim Marketing haben als Tabak, und das obwohl sie zu tausenden Toten im Jahr führen.

Man kann auch bereits erahnen, dass die neutrale Zigarettenschachtel den Schwarzmarkt antreiben wird. Und in der Tat ist im Musterland Australien zwischen 2011 und 2013 eine Steigerung der Zigarettenfälschungen von insgesamt 60% festzustellen (Quelle). Die gleiche Situation in Großbritannien, wo Zigarettenfälscher sich besonders über die neue Regelung freuen: Man geht davon aus, dass solche Fälschungen Gewinne in Höhe von 45 Millionen Pfund (~56 Millionen Euro) im Jahr ermöglichen. Diese gefälschten Produkte sind mit großen Risiken verbunden:
,,Eine unabhängige Laboranalyse, die im Auftrag der ‘SUN’ durchgeführt wurde, ergab, dass seine Zigaretten [die Zigaretten eines Dealers] Insektenkot, Eier, Hautstücke, Milben, ein « unbekanntes organisches Material » und Steine enthielten."
Welches Produkt ist als nächstes dran?

Die Students For Liberty konfrontieren das Konzept der neutralen Zigarettenschachtel mit der #Genussfreiheit-Kampagne: Eine neutrale Schokoladenverpackung mit dem Warnhinweis „Schokolade schädigt ihrer Gesundheit“ stellt die legitime Frage, was denn als nächstes drankomme. In Frankreich sieht man, dass sobald der Staat einen Freifahrtschein bekommt sich in das Verhalten von Individuen einzumischen, er dazu verfällt, sich immer mehr Einschränkungen einfallen zu lassen. Bereits jetzt muss jede Art von Werbung für Getränke oder Nahrungsmittel einen zwei Sätze langen Warnhinweis beinhalten.

Der Mensch ist aber als Individuum eigenverantwortlich und frei, und als solches sollte man ihn ansehen – ganz im Sinne der Aufklärung.

Nun könnt ihr dann noch immer selbst entscheiden, wofür man euch hält, wenn solche Gesetze beschlossen werden. Und ihr entschuldigt mich jetzt, ich hab’ noch Schokolade übrig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *