Samstag, 29. Oktober 2016

In China lieben sie Hunde... nein, nicht als Nahrungsmittel

So, Witz versaut, also zur Sache
von Philipp A. Mende
Da ich kürzlich irgendwo mal wieder eine obligatorische Panikmache bezüglich China las, stelle ich einmal mehr die Frage: Woher rührt eigentlich diese ständige Furcht vor dem zwar häufig medial breitgetretenen, aber etlichen Europäern dennoch so unbekannten „Reich der Mitte“? Ausgerechnet China. Freilich handelt es sich ebenfalls hinsichtlich des Landes des Lächelns um einen auf Zwang und Gewalt basierenden Staat, ja. Aber immerhin wohnt „ihm“ im Vergleich zu anderen Staaten keinerlei Tradition inne, über seine Grenzen hinaus andere Staaten zu unterwerfen, auch wurde nie irgendein Land von China kolonialisiert oder „erobert“. Und wie lange existiert China nunmehr doch gleich? Eben. Diese ganzen selbsternannten, doch dabei so unsäglich ignoranten China-„Experten“ sind mir ein Greuel. Permanent wird so getan, als würden „sie“ die Weltherrschaft an sich reißen wollen. Denn wie wir schließlich alle wissen, ist die lange Geschichte dieser jahrtausendealten Kultur ja nur so übersät von „aggressiver“, außenpolitischer Expansion. Ganz im Gegensatz zur überaus „friedfertigen“ Geschichte diverser anderer Staaten, deren Einwohner mitunter zu den entschiedensten China-Bashern gehören.

Die Festlandschinesen haben inzwischen begriffen, dass sozialistische Planwirtschaft nur Armut und Elend produziert. Darum haben sie ihren Landsleuten in Taiwan und Hongkong über die Schulter geschaut und begriffen, wie „Laissez-faire“ funktioniert. Denn nur ohne staatliche Eingriffe in die Wirtschaft prosperiert diese und sorgt für Wohlstand. Gleiches in Chile, oder warum ist Chile das reichste Land in Lateinamerika, während sozialistische Staaten wie Kuba, Venezuela und Nicaragua ganz unten sind und sich in ungenießbare Müllhalden verwandeln? 

Zum Thema Griechenland: Welche Partei hat Griechenland jahrzehntelang regiert? War es nicht die sozialistische PASOK-Partei und der Papandreou-Clan? Vom Vater zum Sohn und zum Enkel und so weiter, nicht wahr? Alles verstaatlicht, den öffentlichen Sektor zu einem bürokratischen Monstrum ausgebaut und alle Leute verbeamtet. Tja, wer über seine Verhältnisse lebt, bekommt irgendwann mal die Quittung zu spüren. Wenn Sie gerne dafür bezahlen möchten, tun Sie es, aber ich möchte nicht für die Schulden anderer aufkommen. 

Zum Thema Krankenversicherungspflicht: Hongkong hat bis heute weder eine Krankenversicherungs- noch eine Rentenversicherungspflicht. Alles ist freiwillig, wobei Hongkong einen Lebensstandard wie Japan genießt. Wer staatliche Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherungen gut findet, der möge doch eine abschließen. Nur ich möchte gerne frei sein und selbst entscheiden, wo, gegen was, in welcher Höhe und bei wem ich mich versichere. Da muss ich mir von niemandem Vorschriften machen lassen, und schon gar nicht vom Staat.

Verweilen wir noch eine Weile in Hongkong. Die individuelle Freiheit dort ist nochmal um einiges größer als im Rest Chinas, wofür vor allem die ach so bösen britischen Kolonialherren sorgten. So gut wie keine Abgaben, fast alle Menschen sprechen Englisch, und man lässt sich aus Peking nicht wirklich in interne Belange hineinpfuschen. (Gut, das hängt auch damit zusammen, dass es vertraglich 1997 für mindestens 50 Jahre so festgehalten wurde, als die Briten abzogen.) Das Nächste ist die chinesische Mentalität, die mir – mit einigen Abstrichen – sehr zusagt: freundlich, hilfsbereit, stets gut gelaunt, witzig und sich um die eigenen Angelegenheiten kümmernd. Mein chinesischer Freundeskreis ist sehr intelligent und belesen, seinerseits selbst schon jahrelang im Ausland gewesen, kennt Literatur von Mises bis Rothbard und so weiter. Diesen Köpfen braucht man nicht mehr mit irgendwelchem hinterwäldlerischen Kommunismus-Gedöns daherzukommen – ganz anders in Deutschland, wo sozialistische Totengräberstrategien wohl bis in alle Ewigkeit rauf und runter diskutiert und schließlich wieder und wieder mittels Gewaltmonopol flächendeckend in Haushalte gepeitscht werden.

Allgemein merkt man im Alltag sehr deutlich, dass Chinesen einen überdurchschnittlichen IQ haben, auch wenn es an spezifischer Kreativität noch mangelt. Ihre konstruktive und ehrliche Neugierde hingegen ist einzigartig, ebenso erstaunen mich ihre kognitiv-kombinatorischen Fähigkeiten immer wieder. Ja, der Staatsapparat ist repressiv, korrupt und, wie überall, ein Klotz am Bein der selbstbestimmten Freiheit, aber wenigstens wird mit offenen Karten gespielt. Man weiß hierzulande ganz genau, was einem blüht, wenn gegen x oder y verstoßen wird. Immerhin hält sich die Regierung in wirtschaftlichen Belangen weitestgehend zurück, anders ist die gigantische Wirtschaftsleistung dieses Kolosses auch nicht zu erklären. Darüber hinaus stellt sich das hiesige Gewaltmonopol aber auch brutal vor die eigenen Leute: Gewalt gegen Chinesen oder chinesische „Heiligtümer“ wird nicht geduldet und mit drakonischen Strafen geahndet. Dass hier jemand beispielsweise in die Verbotene Stadt pisst (wie an den Kölner Dom) oder meint, öffentlich Stress machen zu müssen, ist vollkommen undenkbar. Diejenigen, die das dennoch tun, werden, je nach Schweregrad, entweder des Landes verwiesen (ohne Wenn und Aber!) oder hingerichtet (zum Beispiel muslimische Extremisten, die meinten – ausgerechnet! – ein Attentat vor dem Eingang der Verbotenen Stadt verüben zu müssen).

Der seit über 40 Jahren in Fernostasien lebende Thomas Bovet bringt es in seinem wunderbaren Buch „Der staatslose Bürger“ auf den Punkt, wenn er feststellt: 
„Nach einem Index der ‚Heritage Foundation‘ und ‚The Wallstreet Journal‘ besitzt Hongkong weltweit die größte wirtschaftliche Freiheit. Milton Friedman hat das Gebiet als das größte Experiment des Laissez-faire-Kapitalismus bezeichnet, dabei ist das ‚Experiment‘ schon lange das erfolgreichste Wirtschaftsmodell. Ich denke, der Unterschied zu Deutschland ist der: In Deutschland besteht eine gewisse kapitalistische (Rest‑) Struktur innerhalb der Demokratie. In Hongkong bestehen gewisse demokratische Strukturen innerhalb des Kapitalismus. Den Tüchtigen und Einfallsreichen mit unternehmerischem Talent sind bis heute kaum Grenzen gesetzt. Verdienste sind abgabenfrei, es gibt keine Wehrpflicht, Krankenversicherungspflicht oder sonstige soziale Zwangsdienste. Erdgeschosswohnungen fungieren gleichzeitig als Ladengeschäfte. Deng Xiaoping bezeichnete das damals neue Arrangement als ‚One country, two systems‘-Konzept. Die effiziente Bürokratie [ja, sowas geht tatsächlich] arbeitet unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen, und es gibt kaum eine Behörde, welche nicht mindestens kostendeckend tätig ist. Ein großer Teil der Bevölkerung hat noch nie Steuern gezahlt, die Oberschicht wird maximal mit 17 Prozent taxiert, Aktiengesellschaften mit 16,5 Prozent. Die persönliche maximale Besteuerung von 17 Prozent lässt sich noch durch das Registrieren einer einfachen Privatfirma reduzieren. Im Haushaltsjahr 2010/2011 beispielsweise besaß die Hongkong Special Administrative Region (SAR) einen Überschuss von mehr als neun Milliarden Dollar, mit ähnlichen Projektionen wie 2011/12; die Gesamtreserven beliefen sich auf circa 130 Milliarden. Diese gigantischen Haushaltsüberschüsse wurden für die Administration schließlich dermaßen peinlich, und die Hongkonger verlangten von ihrer Staatskasse davon wieder etwas zurück (was auch geschah). Die Regierung hatte schon zu viel Geld der Leute eingesammelt. 
Schon im Jahr 2008 wurde seitens der Regierung beschlossen, die Bevölkerung in der sich ausweitenden globalen Finanzkrise vor einer Inflation zu schützen, und sie bezahlte bis 2009 die Stromrechnungen für jeden Haushalt. Danach übernahm die SAR bis zum Juni 2012 noch circa 15 Euro monatlich pro Haushalt, und die Grundsteuerforderungen wurden für zwei Jahre suspendiert. Aber der finanzielle Überfluss hielt sich hartnäckig! So gab es 2011 Steuerermäßigungen bis zu 75 Prozent. Zu guter Letzt, um den lästigen Geldmengen endgültig den Garaus zu machen, bekam jeder Einwohner, der eine der begehrten ID-Cards besaß (zu der übrigens jeder Einwanderer nach sieben Jahren berechtigt ist, unabhängig von der Nationalität), umgerechnet 600 Euro auf das persönliche Konto überwiesen. Dies sind alles gute Gründe für die Einwilligung der chinesischen Zentralregierung, nicht in die erfolgreichen Bedingungen der Hongkonger SAR einzugreifen und die Bevölkerung zu verunsichern.“
So! Und jetzt vergleiche man dies alles einfach einmal mit den Zuständen und gegenwärtigen Entwicklungen in Deutschland: Die Inflation war im Juni 2016 beinahe fünf- bis sechsmal so hoch wie 1997, Deutschland besitzt laut offiziellen EZB-Quellen und entgegen politischer Dauerpropaganda die durchschnittlich niedrigsten Nettovermögen innerhalb der Zwangs-EU(dSSR), immer neue und sich weiter erhöhende Zwangsabgaben, die weltweit mitunter schärfste Internetzensur, einen krebsartig metastasierenden, unüberschaubaren und dennoch stetig immer noch weiter und weiter anwachsenden Bürokratendschungel und, und, und.

Und dann kommen in beständiger Regelmäßigkeit die „China-Experten“ aus ihren Provinz-, Studenten- und/oder Lügenpresselöchern gekrochen und wollen mir die Story vom Wildpferd erzählen. Da helfen nur Nerven wie Drahtseile, oder aber: Laissez parler.

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