Sonntag, 18. September 2016

Nach Berlin-Wahl: Urlaubsstornierung aus Gründen

Bild: Bleppo [Public domain], via Wikimedia Commons
von Tomasz M. Froelich
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich mag Berlin sehr, an einigen Ecken finde ich großen Gefallen und ich habe viele nette Freunde dort. Daher habe ich, als die Wahlergebnisse für Berlin bekannt gegeben wurden, zunächst noch gezögert, unseren Urlaub bei Ihnen abzusagen. Nachdem ich gestern die detaillierten Ergebnisse für den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 (bei einem Auszählungsstand von knapp 40%) gesehen habe, bleibt mir (außer dem Brechreiz) nichts anderes übrig. 

Ich kann und will meinen Freunden nicht zumuten, sich zwei Kilometer Luftlinie von Friedrichshain-Kreuzberg entfernt aufhalten zu müssen, wo über 90% der Wähler sich dafür entschieden haben, die sozialistische Einheitspartei, bestehend aus Grünen, der SPD, der Linken, der CDU und der FDP, zu wählen. Ich kenne den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nicht einmal - nur vom Hören her -, aber was ich kenne, ist das populistische, demagogische, sozialistische, ausbeuterische, paternalistische, dirigistische, generationenungerechte, zentralistische und deutschlandfeindliche Wahlprogramm der Grünen, der SPD, der Linken, der CDU und der FDP.

Behalten Sie also das unvergleichliche Wohlfühlambiente, den lichtdurchfluteten Wohnbereich, die Luxus-Betten, die Sonnenterasse, das 180-Grad-Panoramafenster, die Fitnesslandschaft und die netten Zimmermädchen Ihres Hotels. Kein noch so stylisches Ambiente kann es aufwiegen, dass man sich dafür unter Menschen begeben muss, die bereit sind, mit Füßen zu treten und zu zerstören, was andere Menschen für sich, ihre Familien und ihr Land aufgebaut haben.

Mit anderen Worten: Ich storniere hiermit meine Buchung. Die Anzahlung bzw. Stornierungsgebühren zahle ich mit größtem Vergnügen.

Mit freiheitlichen Grüßen,

Tomasz M. Froelich

(In Anlehnung an einen ähnlichen und doch so unterschiedlichen Brief, der vor zwei Wochen im Zuge der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht wurde.)

Kommentare:

  1. Ein richtiger Anarchist interessiert sich nur für den Nicht-Wähler-Anteil.

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  2. Sehr geehrter Herr Fröhlich,

    Warum Sie die AfD nicht als sozialistisch bezeichnen scheint Ihr Geheimnis zu bleiben.

    Sie schreiben, dass Sie noch nie in Kreuzberg-Friedrichshain gewesen sind, erlauben sich gleichzeitig aber ein Urteil. Sind Vor-Urteile salonfähig ?

    Aus Ihren Worten lese ich jedenfalls den selben Populismus und die gleiche Demagogie heraus wie Sie diese anderen unterstellen. Sollte man nicht, wenn man jemanden kritisiert, zumindest im eigenem Verhalten ein Vorbild für eine Alternative sein können ? Diese sehe ich bei Ihnen nicht.

    Mit humanitären Grüßen
    Ein Werte-Libertärer

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    1. Sehr geehrter anonymer Leser,

      es handelt sich hier um einen fiktiven Brief, der nicht ganz ernst gemeint ist. Ich habe gehofft, dass dies erkennbar sein würde.

      Es ist sicherlich strittig, ab wann man eine Partei als sozialistisch bezeichnen kann. Die meisten würden etwa die CDU, vor allem aber die FDP nicht als sozialistisch bezeichnen. Und sicherlich ist vor allem die FDP wirtschaftspolitisch, trotz eines gewissen Interventionismus, nicht so sozialistisch wie SPD, Grüne oder Linke - vielmehr weist sie auch viele liberale Elemente auf. Für viele - auch für mich - ist sie jedoch nicht liberal genug, zumal sie alle kollektiven Rechtsbrüche der EU entgegen liberaler Prinzipien geduldet und eine katastrophale Eurorettungspolitik mit gravierenden Folgen für das Land mitgestaltet hat, weshalb viele sie rhetorisch überspitzt und dennoch nicht ganz zu Unrecht auch als sozialistisch bezeichnen. Wer die FDP als sozialistisch bezeichnet, verwendet jedenfalls einen sehr breiten Sozialismusbegriff, so auch ich in diesem fiktiven Brief.

      Die AfD scheint mir die Partei zu sein, die von den größeren Parteien am ehesten darum bemüht ist, den Einfluss des Staates zurückzufahren. Im Grundsatzprogramm der AfD heißt es: "Wir wollen die staatliche Macht über den Bürger begrenzen. Dazu ist es erforderlich, die Staatsaufgaben zu reduzieren und den finanziellen Staatszugriff auf die Einkommen und Vermögen der Bürger zu reduzieren." Dennoch: Natürlich ist auch die AfD eine Partei, die nicht für einen puristisch freien Markt und eine Privatrechtsgesellschaft, wie sie so manchem Libertären vorschwebt, wirbt.

      In Friedrichshain-Kreuzberg war ich übrigens schon mehrfach. Der fiktive Brief war an den verlinkten Brief angelehnt, der vor zwei Wochen im Zuge der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern verfasst wurde: http://www.anonymousnews.ru/2016/09/11/gutmensch-storniert-hotel-wegen-wahlergebnis-und-bekommt-zynische-antwort/

      Mir ging es jedenfalls nicht darum, Vorurteile salonfähig zu machen, sondern die Empörung so mancher Moralapostel über die Wählerstruktur so mancher Gegend aufzugreifen und sie ins Lächerliche zu ziehen. Und ehe Sie mir mit libertären Prinzipien kommen: Natürlich hat jeder das Recht, Orte zu meiden, deren Wählerstruktur einem missfällt. Handlungspräferenzen sind bekanntlich subjektiv. Ich habe das Recht, bestimmte Handlungspräferenzen lächerlich zu finden. Und das tue ich auch.

      Mit humorvollen Grüßen,

      ein wertekonservativer Minarcholibertärer

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  3. Ist doch offensichtlich, dass froelich hier nur spaßhalber ein wenig den spieß umdreht, nichts mehr.

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