Samstag, 17. September 2016

AfD: Warum eine Anti-Establishment-Partei das System am Leben hält

von Jan-Lasse Müller-Mütz
Als die AfD vor geraumer Zeit immer populärer wurde und auch Wahlerfolge verzeichnen konnte, sah ich das zu Beginn eher positiv. Es war lustig zu sehen, wie die etablierten Parteien aus dem Häuschen waren, weil sich jemand ihrer Politik entgegenstellte. Viele Libertäre fingen an, sich für die AfD zu begeistern, manche traten ihr auch bei. 

Doch langsam bekam ich Zweifel. Ich dachte darüber nach, ob die AfD wirklich das System verändern kann und kam zu neuen Schlüssen. 

Das soll keiner dieser Artikel sein, bei dem der Autor mit Tränen in den Augen vor dem Laptop sitzt, und sich darüber ausheult, wie schlimm die AfD doch sei. Ich möchte auch keinesfalls auf politisch korrekt machen, weil ich mich profilieren möchte. Es geht darum, aufzuzeigen, wieso die AfD das System nicht verändern wird und warum es meiner Meinung nach falsch ist, die AfD als Libertärer zu unterstützen.

Der Staat im Spätetatismus ist in seinem Wesen so ausgestattet, dass er sich selbst am Leben hält. Die Parteien decken im Normalfall in einer repräsentativen Demokratie die verschiedenen größeren politischen Strömungen ab.

Im Laufe der Zeit nähern sich die politischen Kräfte immer näher einem Punkt in diesem Spektrum. Es entsteht der politische Mainstream. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt deckt dieser die Meinungen des Großteils der Bevölkerung noch so weit ab, dass es keine Gegenwehr gibt. Kommt es aber so weit, dass sich die politischen Parteien nur noch extrem geringfügig unterscheiden, fühlt sich doch ein zu großer Teil der Bevölkerung nicht mehr vertreten.

So entstehen Parteien wie die AfD, die sich gegen den politischen Mainstream stellen. Diese wirken für den politischen Mainstream bedrohlich, machen sie doch dem Personal das Amt strittig und dem politischen Anhänger die Ideologie. Man darf aber nicht verleugnen, dass diese Anti-Establishment-Parteien nur Teile des demokratischen Spektrums abdecken, die nicht mehr vertreten werden. So füllt die AfD die konservative Lücke, die die CDU hinterlassen hat.

Damit erhält sie das politische System in seinen Grundsätzen. Es wird lediglich wieder der alte Zustand hergestellt, in dem alle großen Strömungen vertreten werden.

Man darf hierbei nicht verkennen, dass dies dem Konservativen natürlich gefällt, da seine Meinung wieder repräsentiert wird. Es ist auch verständlich, dass ein Paläolibertärer mehr Konservatismus mehr Sozialismus vorzieht.

Manch einer mag auch die AfD für ein kleineres Übel halten als die CDU oder SPD. Ich möchte das hier gar nicht bewerten.

Eines muss aber klar sein: Die AfD erhält das System, indem sie den Großteil der Leute zu sich zieht, die den politischen Mainstream kritisieren. Es ist nämlich nicht so, dass die AfD nur von den Konservativen unterstützt wird, die nun eine neue Heimat gefunden haben, sondern auch von sehr vielen, die mit dem System abgeschlossen haben oder ihm grundsätzlich entgegenstehen. Leider gaukelt sie hiermit eine Scheinalternative vor, die viele Menschen von wirklicher Kritik abhält.

So pöbelt man gegen „links-grün-versiffte“ Politiker, anstatt Politik per se zu kritisieren. Oder im schlimmeren Fall unterstützt man Meinungen, die man eigentlich gar nicht vertritt, nur weil sie dem politischen Mainstream widersprechen.

Des Weiteren haben die etablierten Parteien einen Buhmann und die AfD kann sich die Opferrolle auf den Leib schreiben. Das ist aus staatlicher Sicht gut, da die Parteien keinen Druck haben, sich mit den großen Problemen zu beschäftigen, die sie nicht lösen können. Die etablierten Parteien können sich von morgens bis abends mit dem „Problem AfD“ beschäftigen und die AfD braucht sich auch nur gegen die etablierten Parteien zu stellen, um von ihren Anhängern Anerkennung zu bekommen.

Wenn Libertäre plötzlich die AfD unterstützen, spielen sie mit dem System mit, anstatt sich ihm entgegenzustellen. Hier liegt die Leistung der AfD aus etatistischer Sicht. Halten wir uns vor Augen, dass wir einen komplexen Staat haben. Diesen Dualismus aus Herrscher und Untertan, wie es ihn in einer Monarchie gibt, gibt es in einer Demokratie nicht. Politiker und Parteien spielen Rollen, die durch das System gegeben sind. Die AfD spielt die Rolle des Regulators und Libertäre spielen mit.

1 Kommentar:

  1. Es ist echt bedauerlich, daß mein Blog so wenig Beachtung findet:
    https://www.q-software-solutions.de/blog/?s=AfD

    Sorry Leute, ich schreibe seit Anbeginn der AfD gegen deren Wählbarkreit. Und ja es gibt eine Alternative eine Partei die per Se gegen Politik ist. Aber die Liberalen / Libertären schaffen es nicht mal diese zu unterstützen.

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