Samstag, 27. August 2016

Über Mühsal und Facebook-Silbertabletts

Alles auf dem Silbertablett servieren?
von Philipp A. Mende
Kennt ihr das?

Ihr machtet Euch einst Gedanken darüber, ob denn nicht unter Umständen irgendetwas faul sein könnte mit diesem weltweit als „alternativlos“ gepriesenen System Staat, in dem gegenwärtig etwa 7,3 Milliarden Menschen abhängen (müssen). Immer wiederkehrende Wirtschaftskrisen, immer wiederkehrende Kriegsausbrüche, immer wiederkehrender Machtmissbrauch vonseiten irgendeiner Herrscherkaste, die in Wahrheit nur als Idee, als Konzept in den Köpfen ihrer Untergebenen existiert, in der Realität jedoch einfach nur aus unsympathischen und feigen Menschen besteht, die sich schlichtweg „Regierung“, „Legislative“, „Präsident“, „Kanzler“, „Minister“, „König“, „Komitee“ etc. nennen, nachdem sie ihre Ethik-Amputation erfolgreich hinter sich gebracht hatten.

Menschen, denen ehrliche und anständige Arbeit viel zu doof ist und die stattdessen aufgezwungene „Dienstleistungen“ als den Inbegriff humanistischen Agierens umlügen, welcher angeblich notwendig sei, um sich nicht gegenseitig die Kleider vom Leib zu reißen und zurück auf die Bäume zu klettern. Zum Dank werden sie dafür von ihren persönlichen Fußabtretern angebetet, Verzeihung, - „gewählt“ heißt das heutzutage im Neusprech. Wieder und wieder. Und wieder. Im Gegenzug dürfen sich die atmenden Bettvorleger gegenseitig als „mündige Bürger“ bezeichnen, gleich Seerobben mit Partyhütchen auf dem Kopf, welche laut bellen und mit den Flossen klatschen, sowie ihnen ein Gutzi zugeworfen wird.

Doch ich schweife ab.

Nachdem Ihr Euch diese Gedanken gemacht hattet, begannt ihr damit, die ersten Bücher zu studieren, von deren Autoren Ihr bis dato – aus „unerfindlichen“ Gründen, die nach der Lektüre gar nicht mehr so unerfindlich waren – weder zu Schul-, Ausbildungs- oder Unizeiten noch in Talkshows oder Nachrichten je hörtet, von Empfehlungen einmal ganz zu schweigen. Ja, nicht einmal irgendein abfälliger Hinweis kam einem je zu Ohren, meinetwegen im Stile von „Ach ja, irgendsoeinen Ludwig von Mixer, Mitzes oder Mises gibts übrigens auch, ist aber belanglos für das Wir.“ Und Roland Baader wäre höchstens dann von Interesse für „Intellektuelle“ oder „Pädagogen“, sofern sein Bruder Andreas hieße, der für seine persönliche Traumversion vom maximalen Hyperstaat gerne die eine oder andere Leiche in Kauf nahm. Wegen sozialer Gerechtigkeit und so. Doch der doofe Ludwig und Roland hatten leider einfach nur unermüdlich, friedlich und demaskierend aufgeklärt und das, was nach wie vor als „alternativlos“ gilt, Jahr für Jahr argumentativ schachmatt gesetzt. Von daher eben – belanglos.

Nach diesen ersten Büchern folgten weitere Bücher, Essays und Vorträge. Die wortwörtliche Ethik der Freiheit wurde im Laufe der Zeit spannender als jeder Thriller und irgendwann gaben sich mannigfaltige Autoren „die Klinke in die Hand“, angefangen bei Adam Smiths grundlegender Darlegung des „obvious and simple system of natural liberty“, wonach Wohlstand immer und ausschließlich mit Freiheit einhergeht bzw. im Zuge der „unsichtbaren Hand“ die Selbstregulierungskräfte einer natürlichen Ordnung automatisch die Interessen dieser ominösen „Allgemeinheit“, welche im 21. Jahrhundert nicht heiliger sein könnte, wahrnehmen.

Ferner der großartige Frédéric Bastiat, der bereits 1848, also simultan zur schriftgewordenen Turbozwangsparade in Form des Kommunistischen Manifests, den Staat unmissverständlich und korrekterweise als „große Fiktion“ entlarvte, „nach der sich jedermann bemüht, auf Kosten jedermanns zu leben“ - und damit wie heute auf überwiegend taube Ohren stieß.

Fürderhin Gustave de Molinari, der nur ein Jahr später in seinem Essay „Produktion der Sicherheit“ fragte, warum ein freier Markt, der im Kontext oben genannter natürlicher Ordnung alle nachgefragten Güter zur Verfügung stelle, dies nicht auch in Sachen Schutzdienstleistungen vermögen könne? Da Menschen ein natürliches Bedürfnis nach Sicherheit haben und der freie Markt erwiesenermaßen den größten Bedürfniserfüller der Menschheitsgeschichte verkörpere, warum sollte dann ausgerechnet eine kleine Machtmonopol-Clique namens „Regierung“ mit einer derartig wichtigen Aufgabe beauftragt werden? Wer stellt sich 167 Jahre später diese Frage?

Von Max Stirner, der nicht nur Adam Smith ins Deutsche übersetzte, sondern auch in unnachahmlicher Weise - im heutigen Regenbogenzeitalter reflexartig als „kalt“ und „unverschämt“ bebellt - die natürlichen Vorzüge eines ethischen Egoismus darlegte und damit mitunter Grundlagen freiheitlicher Vertragstheorien; über Carl Menger, der ab 1871 und als Begründer der österreichischen (Grenznutzen-)Schule die Wert- und Preistheorie revolutionierte, wonach u.a. der Wert einer Sache vollkommen subjektiv ist und sich von Individuum zu Individuum unterscheidet. Im Zuge Mengers Ausführungen wurde die marxistische, „objektive Wertlehre“ bereits vor über 140 Jahren hinten und vorne ad absurdum geführt. Fragt auf der Straße doch einmal jemanden nach Karl Marx. Und anschließend nach Carl Menger.

Gerne aber auch nach Mengers hochinteressanten und lesenswerten Nachfolgern, deren Erkenntnisse nach wie vor das Potenzial hätten, die Welt in ökonomisch und damit freiheitlich ungeahnte Höhen zu katapultieren. Eugen von Böhm-Bawerk; die bereits erwähnten, brillanten Denker Ludwig von Mises und Roland Baader; Friedrich August von Hayek, seinerzeit stichhaltiger, ökonomischer Widerleger hanebüchener und nach wie vor an Unis gelehrter, sozialistisch-keynesianischer Irrlehren, welche seit Bestehen lediglich einen Finanzkollaps nach dem anderen zur Folge haben und anschließend regelmäßig als „kapitalistisch“ umgelogen werden. Heute dient Hayeks Name maximal noch als pawlow’scher Reflex für linksfaschistische Gewalthorden, sogleich nach Vernehmen seines Namens oder allem, was irgendwie mit ihm zu tun hat, um sich hauen zu können und Menschen, die des Lesens - im Vergleich zu ihnen - mächtig sind, im besten Falle augenblicklich auszuradieren. Weil das dann nämlich „antifaschistisch“ ist.

Dann irgendwann Ayn Rands umfangreiches Werk in Form des Objektivismus oder rationalen Egoismus, wonach u.a. die Fähigkeit, Entscheidungen treffen zu können, ethisches Handeln überhaupt erst möglich macht. So „simpel“, wie diese Tatsache auch klingen mag, stellt sich, übertragen auf die heutige Zeit, die Frage, wie demnach Ethik überhaupt noch möglich sein kann, wenn nach und nach eine Entscheidung nach der anderen in die destruktiven Hände eines ersatzreligiösen Leviathans abgetreten wird und im Zuge ausufernden Verantwortungstransfers unter grölendem Getöse der „mündigen Bürgerschaft“ auch abgetreten werden soll?

Unvergessen auch Milton Friedmans Vorträge zur Makro- und Mikroökonomie, zu den Vorteilen des freien Marktes sowie den Nachteilen staatlicher Eingriffe und die sich anschließenden, öffentlichen Diskussionsrunden mit überzeugten Maximalstaatsbefürwortern, in denen reihenweise „Stecker gezogen“ wurden.

Schließlich Denker wie Murray N. Rothbard und Hans-Hermann Hoppe, die der angeblichen Notwendigkeit und Natürlichkeit eines aufgezwungenen Staatstreibens vollends den argumentativen Garaus mach(t)en und monumentale Werke bieten, deren Inhalte im heutigen, öffentlichen Pseudodiskurs wie erkenntnistheoretische Atombomben einschlagen würden und demzufolge tunlichst ignoriert und unterdrückt werden müssen. Nicht umsonst sagte Noam Chomsky, „die schlaue Art, Menschen passiv und folgsam zu halten“, sei, „das Spektrum akzeptabler Meinungen streng zu begrenzen, aber innerhalb dieses Spektrums lebhafte Debatten zu erlauben.“

Darüber hinaus gesellen sich noch weitere Autoren zu den eben genannten, welche dazu beitrugen, eine andere, ja, ich sage ganz „unverschämterweise“ klarere Sicht der Dinge einzunehmen, die das Resultat eines langen, nicht selten Jahre fortwährenden und immer wieder schmerzhaften Entwicklungsprozess war und stetig ist. Sehr wichtig für mich hierbei ist, trotz allen Inputs und unbezahlbarer Aufklärung, einen eigenen, individuellen Ansatz zu entwickeln. Dies geschieht v.a. mittels Respekt und Neugierde vor etwaigen, neuen Erkenntnissen und ist nach meinem Dafürhalten immer mit Anstrengung und geistiger Arbeit verbunden.

Und genau hier nun liegt ein relativ weit verbreitetes Dilemma innerhalb sozialer Netzwerke wie beispielsweise Facebook. Immer wieder treten Personen mit nicht selten forderndem Ton an mich heran, wie denn „meine Alternative zum gegenwärtigen Gesellschaftssystem aussehen“ solle.

Oder anders formuliert: Das, was während eines oben beschriebenen, langen, mich hunderte von Nächten beschäftigenden Prozesses entstand, soll nun mal eben in allen Facetten auf dem Silbertablett serviert werden. Aber zacki! Dann ist es anscheinend mit einem Schlag selbstverständlich, zum persönlichen Tippsklaven für den vordergründig sich interessiert gebenden, entfernten Bekannten oder gar Fremden zu werden. Und wehe, wenn auch nur ein Problem ungelöst, eine Frage unbeantwortet und nicht jeder Zweifel ausgeräumt werde! Dann hagelt es „Entfreundungen“ schneller als das Anwachsen staatsmonopolistischer Papiergeldmengen! (Gut, man könnte dem zugutehalten, dass es Müll gleicht, der sich selbst rausträgt.) So geht nämlich heute „ehrliches Interesse“. Literaturempfehlungen? Basics? Keine Zeit, keine Lust. Aber Interesse schon. Sofern es sich um ein Silbertablett handelt. Jetzt. Sofort. Am besten in einem Post.

Aber selbst dann ist von Seiten des „Du-glaubst-wohl-mehr-zu-wissen-als-ich-oder-was?!“-Tippsklaven Folgendes zu berücksichtigen: Man darf mehr wissen als andere. Es darf nur nicht offensichtlich oder ersichtlich werden, mehr zu wissen als andere. Das wiederum wäre im Alles-ist-gleichwertig-und-relativ-Land nämlich „arrogant” - irgendwer hat das irgendwann halt eben mal so beschlossen und jetzt ist das so. Selbst (oder erst recht) dann, wenn der eigentliche Grund dafür, jemandem „Arroganz” anzudichten, entweder ein Minderwertigkeitskomplex oder die unangenehme Selbstentlarvung ist.

Die von meiner Seite anfangs ehrliche Freude über das Interesse eines (entfernten) Bekannten weicht demzufolge - natürlich mit erfreulichen Ausnahmen - nicht selten sehr schnell der Ernüchterung. Eben weil es sich im Endeffekt nicht um wirkliches Interesse an eventuellem Erkenntnisgewinn handelt, sondern um aggressives Zurschaustellen von Ignoranz - man könnte auch sagen Gepöbel - das lediglich im Gewand angeblichen Interesses daher kommt.

1 Kommentar:

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen. Freiheit ist Verantwortung und damit harte Arbeit. Die Theoretiker des Liberalismus sind wahre Geistesgrößen im Unterschied zu den politisch korrekten.

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