Donnerstag, 4. August 2016

Rezension: „Politik war ein Spiel für Deppen“

Das Buch kann hier bestellt werden
Dominik Ešegović rezensiert
Jerome Tuccille: Meist beginnt es mit Ayn Rand. Libertäre Geschichte(n), Lichtschlag, Grevenbroich 2016, 308 Seiten, 18,90 Euro. 

Sie kennen bestimmt Stefan Blankertz. Für alle die ihn nicht kennen: er ist einer der dienstältesten Anarchokapitalisten Deutschlands und heute wohl so etwas wie das moralische Gewissen der Libertären. Stefan Blankertz hat sehr viel zur Verbreitung freiheitlicher Ideen in unserem Sprachraum beigetragen. Seinen bescheidenen Ruhm hat er sich durch zahllose Veröffentlichungen hart erarbeitet. Aber mal Hand auf’s Herz: Haben Sie die libertäre Philosophie durch das Lesen eines Buches dieses anarchistischen Autors aus Berlin kennengelernt? Ja? Dann gehören sie (!) zu einer Minderheit – aber zu einer solchen gehört man als Libertärer ja ohnehin schon. 

Stellen wir uns aber vor, Stefan Blankertz hätte vor vielen Jahren ein Buch herausgebracht – einen libertären Roman, der eingeschlagen wäre wie eine Bombe. Ein Spielfilm wäre gedreht worden, basierend auf der Handlung dieses Bestsellers. Klar, Stefan Blankertz wäre eine Berühmtheit, die auch außerhalb libertärer Kreise eine gewisse Bekanntheit hätte. Hätte er dann noch einen Hit herausgebracht, hätte sich wohl eine noch größere Meute an Fans um ihn geschart und seine Popularität wäre mit jedem Talkshowauftritt noch weiter gewachsen.
 

Stellen Sie sich vor, das Stefan-Blankertz-Institut organisiert in mehreren Dutzend Niederlassungen im ganzen Land Seminare. In einem fünfmonatigen Kurs könnten sich junge Anhänger seiner Lehre philosophisch ausbilden lassen. Wer die Schulung besteht, darf sich dann als Blankertzianer bezeichnen. Wer inhaltliche Schwächen zeigt oder gar weltanschaulich abweicht, wird schonungslos aus der Gruppe ausgeschlossen. Junge Vertreter der neuen philosophischen Sammelbewegung bringen das wöchentliche Magazin „Der Blankertzianer“ heraus. Blankertz‘ Bücher sind spannende Bestseller. Seine Romanfiguren sind furchtlose Helden, deren unternehmerische Energie eine ganze Welt antreibt. Blanketz‘ Philosophie begeistert. Der Kapitalismus ist das Nonplusultra und der Egoismus die Grundlage moralischen Handelns. 

Dabei sieht Stefan Blankertz seine Mitmenschen durch die Brille seiner eigenen Romane. Wer äußerliche Mängel, kein markantes Kinn oder gar einen korpulenten Körperbau aufweist, wird argwöhnisch betrachtet. Männer und Frauen haben seinen Superhelden zu gleichen, wollen sie etwas in der Gesellschaft zu sagen haben. Ein wahrer Blankertzianer ringt sich nur selten ein verstohlenes Lächeln ab. Humor gilt in der blankertzschen Philosophie als unmoralisch und gar lebensfeindlich. Die großen zivilisatorischen Leistungen unserer Tage sind schließlich nicht von scherzenden Witzbolden vollbracht worden. Zwischen Blankertzianern herrscht übrigens wenig Freundschaft, sind doch alle auf die Gunst des Gurus aus und stehen somit in ständiger Konkurrenz zueinander. 

Ein ganz schöner Blödsinn sei das? Da könnten Sie recht haben. Ein solches Bild gab aber die frühe Bewegung der „Objektivisten“ in den USA der 50er und 60er Jahre um die libertäre Erfolgsautorin Ayn Rand ab. Einen spannenden Einblick in die Geschichte und Entwicklung der libertären Bewegung verschafft Jerome Tuccilles „Meist beginnt es mit Ayn Rand“. 

Sein Buch hatte er bereits 1971 auf den Markt gebracht und seither immer wieder aktualisiert. Tuccille, dem es nichts ausmacht, wenn man seinen Namen „Tutschilly“ ausspricht, hat ein gutes Buch, ein lustiges Buch geschrieben. Es gibt einen Überblick über die Geschichte der libertären Bewegung von ihren Anfängen bis zur Bush-Ära. Der New Yorker „Tutschilly“ ist nicht irgendwer. Er ist Libertärer der ersten Stunde. Sein Debüt als Autor feierte er 1970 mit seinem Werk „Radical Libertarianism“ und er hat seither über 30 Bücher geschrieben – darunter Biographien des Medienmoguls Rupert Murdoch, des Altrandianers und Notenbanksters Alan Greenspan und er verfasste auch eine Vita des früheren Unternehmers und heutigen Nachwuchspolitikers Donald Trump – die erste überhaupt. 

„Tutschilly“, der lieber „Jerry“ genannt werden möchte, hat mit der Neuauflage seines Buchs „Meist beginnt es mit Ayn Rand“, das von Cornelia Kähler brilliant aus dem Englischen übersetzt und von André Lichtschlag mindestens ebenso brilliant verlegt wurde, einen lustigen Lesespaß abgeliefert. Der Autor, der als Nestor der libertären Geschichte auftritt, erzählt charmant und spritzig von den Grabenkämpfen zwischen Konservativen, Objektivisten, anarchistischen Libertären und Sozialisten in der Frühphase der libertären Bewegung. Der Leser wird gekonnt und behutsam durch ein wirres Terrain geführt, vorbei an Namen großer Denker und Aktionskünstler wie Murray Rothbard und dem libertären Che Guevara, Karl Hess und auch Stefan Blankertz großes Idol, Paul Goodman findet Erwähnung. 

Einblicke in politische Eskapaden des Autors verraten, wieso Politik „ein Spiel für Deppen“ war und wohl immer noch ist. Gut kommen Politiker in dem Buch weiß Gott nicht davon. Tuccille nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die spannende Hippiezeit, in der Libertäre und Linke gemeinsame Bündnisse schmiedeten, die allerdings nicht von langer Dauer waren. Das politische Establishment der Nixon-Ära sah sich einer außerparlamentarischen Opposition gegenüber, die untereinander so zerstritten und deren Ziele so unterschiedlich waren, dass sich die Herrscher in ihren Satteln wohl recht wohl und sicher fühlen konnten. 

Tuccille beschreibt mit besonderer Schärfe und libertärer Sehhilfe die Amtszeit Ronald Reagans. In wohl kaum einen anderen amerikanischen Präsidenten der jüngeren US-Geschichte hegten Libertäre so viel Hoffnung wie in ihn und sollten doch bitter enttäuscht werden. Reagans Vizepräsident hieß übrigens George Bush, für den der Autor kaum schmeichelhafte Worte findet. Er sei „zweifellos einer der verabscheuungswürdigsten Männer in Washington” gewesen, der selbst nur Präsident wurde, weil er sich im Wahlkampf lediglich einer „humorlosen kleinen Maschine aus Massachusetts“ stellen musste. Sein Rivale, der Demokrat Dukakis, sei eine denkbar ungünstige Alternative gewesen: „Als Präsident von Aserbaidschan oder einem ebenso schrecklichen kleinen Sklavenstaat dort drüben im östlichen — fernöstlichen — Europa vielleicht. Aber als Präsident dieser unserer Vereinigten Staaten von Amerika? Niemals! Der kleine Depp war nur in der Lage einen Wahlkampf in einem ultralinken Konzentrationslager wie der Volksrepublik Massachusetts oder Vermont zu gewinnen.“ Aus Tuccilles Sicht war die Amtszeit Bush Seniors „an jeder vorstellbaren Front eine Katastrophe.“ 

Trotz dieses harten Resümees und des eher unschmeichelhaften Charakterzeugnisses, bedankte sich der Autor im Vorwort seiner Biographie Alan Greenspans beim ungeliebten Ex-Präsidenten für seine Unterstützung bei der Recherche und für seine Auskunftsfreude. Es scheint, als habe Bush Tuccilles Buch nie gelesen. Schade für ihn, denn das Werk ist wirklich reich an spannenden Informationen und lustigen Gags. Selbst schreibt Tuccille über sein Werk: „Dies ist eines meiner Lieblingsbücher, da ich damals ein junger Autor war, noch unsicher, was ich da machte, und ich beschloss, einfach die Sau rauszulassen und wahnsinnigen Spaß an diesem Buch zu haben.“ Doch das Buch ist nicht nur witzig geschrieben. Man lernt eine Menge über die Entwicklung libertärer Konzepte und Bewegungen. So sind z.B. das Free State Project oder das Sea-Steading keine neuen Ideen, sondern wurden bereits viel früher ersonnen. Beim Lesen des Buches wird einem auch klarer, worin das eigentliche Dilemma der Libertären und der Politik liegt. Die Lektüre verhilft vielleicht nicht gleich jedem den Stein der Weisen zu finden, auf alle Fälle macht sie aber Spaß.

Kommentare:

  1. Politische Humor Spiele haben zuverlässig prominent aber mit der Entwicklung von Breitband-Innovation es war nie weniger anspruchsvoll jab Spaß an Ihrem wählten Behörden als es in diesem Moment ist.

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