Montag, 29. August 2016

Passen Kinderehe und westliche Werte zusammen?

Bild: Lea Weber (Sabatina e.V.)
[CC BY-SA 3.0 de], via Wiki Commons
von Viktor Gus
Warum muss eigentlich Sabatina James, eine pakistanischstämmige Österreicherin, uns über westliche Werte aufklären? Ganz einfach, weil unsere Politiker und Journalisten mit dem Begriff nichts mehr anfangen können. Auch die Justiz scheint das Recht zu beugen oder zumindest zugunsten einer islamischen Wertordnung auszulegen. Konkret sichtbar wird das am Beispiel der Kinderehe, wobei der in diesem Zusammenhang verwendete Begriff der "Kinderehe" nichts als ein Euphemismus ist. Er verschleiert und verniedlicht die Tatsache, dass es sich in der Regel nicht um zwei Kinder, die heiraten, handelt. Und es handelt sich auch nicht um einen minderjährigen Jungen, der eine ältere Frau ehelichen soll. Nein, vielmehr geht es um junge Mädchen, die an ältere Männer übergeben werden.

Sabatina James weiß, wovon sie spricht, wenn es um das Thema der Kinderehe geht, hat es sie doch selbst betroffen: Sie sollte von ihrer Familie mit ihrem Cousin verheiratet werden. James weigerte sich jedoch, musste fliehen und untertauchen, weil sie seither von ihrer Familie bedroht wird. Dass sie zum Christentum konvertierte hat die Sache für sie nicht erleichtert. Denn der Glaubensabfall ist die schwerwiegendste Sünde im Islam und muss laut allgemeiner islamischer Rechtsauffassung mit dem Tode bestraft werden. Seitdem lebt sie unter Polizeischutz.

Im Interview mit Claus Kleber erklärte sie, dass die Verheiratung eines jungen Mädchens eine Form der sexuellen Ausbeutung des Kindes darstellt und die Eltern damit ihre Fürsorgepflicht verletzen. Die Kinder haben kaum Möglichkeiten sich dagegen zu wehren, da von der Familie ein riesiger Druck auf sie ausgeübt wird. Das Prinzip der "Ehre" erlaubt es dem Mädchen nicht eine Heirat abzulehnen, ohne dabei das gesellschaftliche Ansehen der Familie zu schädigen.

Herr Kleber versuchte diese Tatsache mit anekdotischen Beispielen zu rechtfertigen, indem er eine Aussage einer Betroffenen anführte, die sich mit ihrer Beziehung abgefunden hat oder diese gar als Segen ansieht. Natürlich findet man auch Beispiele, die relativ glimpflich ausgegangen sind. Nur gibt es den Eltern nicht das Recht, die Kinder in fremde Hände zu geben. In Hände, die nur zu einem Zweck die jungen Mädchen ehelichen wollen - und damit meine ich nicht anregende, zweisame Gespräche abends am Kaminfeuer.

Mädchen aus diesem Kulturkreis, die jung verheiratet werden, werden komplett ihrer Selbständigkeit beraubt. Sie haben selten die Chance auf eine richtige Schul- oder Ausbildung. Selbst wenn sie später aus dieser Ehe entkommen möchten, fehlen ihnen die Mittel zur Selbständigkeit, da sie zuvor von der Versorgung des Mannes abhängig gemacht wurden. Eltern haben das Recht ihre Kinder zu erziehen, aber auch die Pflicht für sie zu sorgen. Sie dürfen ihre Kinder nicht einfach an einen Mann abgeben, der in erster Linie ein sexuelles Interesse an ihnen hat.

Weshalb steht das Thema Kinderehe überhaupt zur Debatte? Gibt es nicht Gesetze, die das präzise regeln? Ja, die gibt es, nur gibt es noch keine einheitliche juristische Meinung zu deren Auslegung. Der Bundesgerichtshof hat noch keine Stellungnahme dazu abgegeben. Vor kurzem machte ein Fall Schlagzeilen, in dem die Ehe eines Flüchtlingspaares aus Syrien - ein 15 Jahre altes Mädchen und ein 21 Jahre alter Mann - anerkannt wurde. Das Oberlandesgericht Bamberg hob dabei die Entscheidung des Familiengerichts Aschaffenburg auf, welches zuvor zugunsten des Jugendamtes urteilte. Das Jugendamt erkannte die Ehe nicht an und beanspruchte die Vormundschaft über das Mädchen. Das Oberlandesgericht Bamberg verwies bei seiner Entscheidung auf den § 1633 des BGB, wonach die verheirate minderjährige Person über Aufenthaltsort und Umgang selbst bestimmen kann. Wirft man jedoch einen Blick in den Münchener Kommentar zum BGB, merkt man, dass in diesem Paragraph die vom Familiengericht genehmigten Ehen von Jugendlichen gemeint sind. Dabei muss eine beteiligte Person volljährig und die andere mindestens 16 Jahre alt sein. Im vorliegenden Fall war das Mädchen erst 14 Jahre alt.

Sabatina James kennt beide Welten: die Welt des Westens und die Welt des Orients. Sie hat sich bewusst für die westliche entschieden und hat kein Verständnis dafür, dass wir unsere Werte durch falsch verstandene Toleranz leichtfertig auf's Spiel setzen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *