Mittwoch, 3. August 2016

Motorsport: Spaß und Rowdytum statt Physiotherapeuten und Sonnenschirmchen

Bild: Pixabay / CC0 Public Domain / marceloabreu
von Holger Pinter
Wenn man auf dem Land aufgewachsen ist, hat man zum Motorsport ein anderes Verhältnis als der Städter, der das Auto nur als Einkaufswagen nutzt. Was Räder hat, fährt um die Wette. Und nicht nur Jugendliche mit frisierten Mofas wissen von heißen Verfolgungsjagden mit der Polizei zu berichten.

Bis vor ein paar Jahren waren Rennfahrer Teufelskerle, die dem Tod ins Auge spuckten. Wie mir ältere Fans glaubhaft versichert haben, gaben sich auch die Helden der Formel 1 so, wenn man ihnen vor und nach den Rennen in der Boxengasse begegnete. 

Ich bin bestimmt nicht scharf darauf, Tote zu sehen. Und ich behaupte auch nicht, dass früher alles besser war und dass die heutige Fahrergeneration nicht mehr fahren kann. Dass man seit Jahren nicht mehr schneller fährt und in den Kurven hinter den Möglichkeiten zurück bleibt, um die Reifen zu schonen, entspricht allerdings nicht meiner Vorstellung von Fortschritt. Und mit diesen furchtbar netten und langweiligen Typen, die mit 20 Jahren schon ihre Jugendliebe geheiratet haben, die stets auf ihre Gesundheit achten und die sich von ihren Physiotherapeuten das Sonnenschirmchen halten lassen, können wir uns nicht mehr identifizieren. Sich immer schneller an immer mehr Regeln anpassen zu können, mag die reinste Form des Sozialdarwinismus sein, aber wir sind nur Rowdies, die ihren Spaß haben wollen - und der Spaß bleibt auf der Strecke.

Als NASCAR-Fan finde ich die Entwicklung in den USA sogar noch erschreckender. Man muss wissen, dass der gesamte amerikanische Motorsport seine Wurzeln bei den Gesetzlosen hat, die während der Prohibition und weit darüber hinaus ihren schwarzgebrannten Schnaps aus den Bergen geschmuggelt haben. Dass die Funktionäre zuerst der Tabakindustrie die Reklame verboten haben, wird niemanden überraschen. Dann waren die Brauereien dran und inzwischen darf auch die NRA nicht mehr werben. Da wird ein großer Haufen auf die Traditionen der einfachen Menschen geschissen, die den Sport über all die Jahre mit ihrem hart erarbeiteten Geld am Leben gehalten haben.

Übrigens saß ich bei meiner einzigen ernsthaften Verfolgungsjagd mit der Polizei auf der 125er Enduro eines Freundes und wir entkamen, indem wir mit der Kiste seitwärts einen Berg hinunter rutschten und uns anschließend den nächsten Berg hinauf quälten. Später stellten wir fest, dass wir unser Nummernschild verloren hatten. Ob uns die Polizisten deshalb nicht erkannten oder ob sie uns nicht erkennen wollten, erfuhren wir nie.

Zwei Jahre später, als 17-Jähriger, geriet ich mit einem Auto in eine Fahrzeugkontrolle. Ohne Führerschein. Aber mit 30 italienischen Karabinern im Kofferraum. Und weil der nette Polizist in dringlichem Tonfall zu seinem Kollegen gerufen wurde, hörte ich nur den Satz:

,,Bitte fahren Sie weiter!''

Nun hatte meine Mama keinen kompletten Idioten großgezogen, der einen Wink des lieben Gottes mit einem Zaunpfahl nicht verstand. Und so entschied ich just in diesem Augenblick, dass mir ein abenteuerliches und wildes Leben auch möglich sein musste, ohne dass ich allzu viele Gesetze brach.

Ich wünsche allen allseits schrott- und bullenfreie Fahrt! Und lasst Euch den Spaß nicht verderben!

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