Montag, 8. August 2016

Entwicklungshilfe einstellen, „Produktionshilfe“ starten

Traktoren für Afrika! Bild: Anton-kurt
[CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Europas Entwicklungshilfe ist kolossal gescheitert. Sie hat in 50 Jahren unvorstellbare Summen in Afrika verplempert und ist sofort durch eine „Produktionshilfe“ zu ersetzen.
von Michael Hörl

Genderforschung im Hungergebiet
Die deutsche GIZ[1] sucht Entwicklungshelfer mit Studienabschlüssen in „Gender Studies“ und „Friedensforschung“. Schwerpunkt „Gewaltfreie Kommunikation“, „Maskulinität und Gewalt“ oder ,,Geschlechterdemokratie. Einsatzort: Benin.

Benin ist eines der ärmsten Länder dieser Welt: 70% der Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen, 40% vegetieren von einem Dollar am Tag. Der Hunger ist allgegenwärtig.
Was Genderforscher hier verbessern können? Nichts. Abseits ihrer esoterischen Elfenbein-Türme interessiert das Geschwätz der im Müßiggang verlorenen Bürgerskinder niemanden.

Sozialarbeiter verhindern Aufstieg

In Österreich entwickelt der „Österreichische Austauschdienst“ Sozialarbeiter-Lehrgänge für ostafrikanische Universitäten, um die Armut zu bekämpfen.

Wer bezahlt die fertigen Sozialarbeiter aber einmal? Sie erwirtschaften nämlich kein Geld, sondern verbrauchen nur welches. Sozialarbeiter oder Soziologen können Armut auch gar nicht bekämpfen. Das können nur ehrgeizige Unternehmer und intelligente Techniker, wenn sie Güter produzieren und damit Umsätze, Löhne und Steuern erwirtschaften. Früher lernte man das in der Schule.

Infrastruktur geschenkt

Daneben hat sich die europäische Entwicklungshilfe heute vor allem der punktuellen Errichtung von Infrastrukturmaßnahmen verschrieben (Spitäler, Schulen, Brunnen, Straßen).

Aber wieso? Europa musste seine Infrastruktur dazumal ohne Hilfe errichten. Das war möglich, weil unsere Vorfahren Güter und Dienstleistungen „produzierten“. Von den dabei entstehenden Gewinnen und Löhnen konnte der Staat Steuern nehmen und den Bau der Infrastruktur bezahlen.

Linke Träumer - hochbezahlt

Die meisten Hilfsorganisationen werden heute von stark ideologisierten Sozialarbeitern und Gesellschaftswissenschaftlern gesteuert – klinisch frei von Erfahrungen im Unternehmertum und in der Technik. Entsprechend naiv ist auch ihr Begriff von Wohlstand. Nicht Unternehmen würden diesen produzieren, sondern Sozialpolitiker (als die sie sich eigentlich sehen) mit ihren Projekten verteilen.

135 Milliarden jährlich verpulvert

Zu den 135 Milliarden Euro an Geldmitteln[2] an „den Süden“ kommt ein – entgegen anderslautender Informationen von „Linken, Kirche, Attac + Co.“ – wohlwollendes Handelssystem. Es lässt 80 Prozent aller Drittwelt-Exporte heute zollfrei in den Westen[3]. Wenn man denn Güter hat.

Denn die hat man nur dort, wo Europas Entwicklungshelfer mit ihren Milliardengeschenken nicht waren: In China, Japan, Singapur, Taiwan, Südkorea - und neuerdings in Vietnam.

Natürlich ist das auch eine Mentalitätsfrage: Die Naturvölker am Amazonas - oder eben am afrikanischen Sambesi – waren über Jahrtausende ohne Innovationsehrgeiz ausgekommen. Da hatten Asiens materialistische Wettbewerbskulturen große Startvorteile.

Produktionshilfe starten

Die Entwicklungshilfe muss radikal umgepolt und an nur noch einem einzigen Ziel ausgerichtet werden: Der industriellen Produktion von Gütern vor Ort.

Als „Abfallprodukt“ entstehen jene Jobs und Steuern, mit denen sich der Kontinent seine Infrastruktur selber finanzieren wird.

Afrikas Landwirtschaft lechzt nach kleinen, robusten aber billigen Traktoren. Wo sich in Asien ohne äußeres Zutun gleich Entrepreneure finden, die sich die Baupläne erprobter 50er-Jahre-Technik organisieren, da müssen in Afrika nun Europas neue „Produktions-Dienste“ initiativ werden.

Mit dem Oldtimer nach Afrika

Künftig finanziert die Entwicklungshilfe eine Traktoren-Fabrik vor Ort. Sie fertigt mit neuen Maschinen etwa nach alten Steyr-Bauplänen (etwa den „Steyr 80“). Es werden ausschließlich Manager, Techniker und Facharbeiter eingesetzt, die Erfahrungen im Fahrzeugbau mitbringen. Gelingen Fertigung und Verkauf, winkt allen eine Prämie. Ein kleines Team wird immer vor Ort bleiben (und von Europa aus entlohnt werden).
Was aber macht man mit den Sozialarbeitern, Soziologen und Politologen? Sie haben nichts gelernt, um etwas für die Gesellschaft zu produzieren. Im Gegenteil: Viele haben ihre Ausbildung gewählt, um eben einmal nicht in einer Fabrik stehen zu müssen.

Vielleicht bedingt die Neuorganisation der Entwicklungshilfe „dort“ auch eine Neuqualifizierung alter Sozialarbeiter „hier“. Kann man sie wieder in der Produktivwirtschaft unterbringen, erwirtschaften sie jene Steuern, mit denen man Afrika heute wirklich helfen kann.
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Michael Hörl ist Wirtschaftspublizist. Sein soeben erschienenes Buch, „Deutschland lügt sich links“ befasst sich mit den Vor- und Fehlurteilen des linken Mainstreams. Es ist bei Lichtschlag erschienen und hat 452 Seiten.

[1] GIZ für Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit „Soziale Arbeit gegen Armut in Ostafrika“, www.oead.at, abgerufen am 22.6.2015

[2] in Form von Schuldenerlässen, Entwicklungshilfe, bilateralen Projekten und humanitärer Hilfe lt. Millenniumsentwicklungsziele 2014, S. 48

[3] Millenniums-Entwicklungsziele Bericht 2014, Vereinte Nationen, 2014

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