Donnerstag, 11. August 2016

Die Unfähigkeit der Parteien ist das Sprungbrett der AfD in Mecklenburg-Vorpommern

Hat gute Chancen: Leif-Erik Holm (AfD). Bild:
Screenshot YouTube.
von Christoph Frädrich
Am 4. September 2016 sind in Mecklenburg-Vorpommern Landtagswahlen. Nach dem Fall der Mauer wird es die siebte Wahl im Bundesland sein. Seit 1994 ist das Land allein oder in Koalitionen SPD-geführt.

Nun gibt es Unruhe bei den Politikern im Landtag. Beim Umfragen steht die Alternative für Deutschland bei etwa 20% und damit nur knapp hinter der CDU und der SPD. Dieser Aufstieg ist kometenhaft und hat seine Gründe. 

Seit 26 Jahren haben es die etablierten Parteien verpasst die Chancen im Land zu nutzen und Firmen ins Land zu locken. Die Industrie im Land ist dünn gesät und die Arbeitslosigkeit hoch. Die Werften an der Küste haben Probleme ihre Produktion aufrecht zu erhalten, wie man das im Falle der P+S Werften erleben konnte. Die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern beträgt 9,2% - das ist im Ländervergleich die vierthöchste Arbeitslosenquote. 

Ernüchternde Zahlen für ein Bundesland mit viel Potenzial, das seine Wirtschaftskraft aus dem Handwerk, der Landwirtschaft und dem Tourismus bezieht. Die letzteren Wirtschaftszweige sind saisonal abhängig und so ergibt es sich logisch, weshalb in Mecklenburg-Vorpommern die Arbeitslosigkeit mit am höchsten ist. Die Folge: Abwanderung der Jugend, geringe Einkommen, Unzufriedenheit. 

Besonders die Abwanderung der jüngeren Menschen ist für das Land problematisch. Abiturienten oder Studenten mit Abschluss verlassen meist das Bundesland, um besser bezahlte oder um überhaupt Arbeit zu finden. 

Die jungen Menschen, die noch im Land bleiben, haben es nicht leicht. Politisch sind sie offen für etwas Neues. Aber auch in den anderen Generationen finden sich viele Menschen, der Meinung sind, es müssten Veränderungen her. 

Die AfD nutzt die Offenheit der Menschen und sie stößt auf Resonanz. Die SPD hat mit dem Landesvater Erwin Sellering zwar den beliebtesten Politiker im Land, aber dies hält den Sinkflug in den Umfragen nicht auf. Beliebtheit eines Kandidaten ist das eine, die verpassten Chancen, in den letzten 22 Jahren als Regierungskraft kaum Wirtschaft ins Land geholt zu haben, das andere. 

Bei der CDU steigen die Zahlen leicht, aber auch, wie bei allen anderen Parteien, die Furcht vor der AfD. Ein besonderes Problem der Christdemokraten ist ihre Gesichtslosigkeit. Der Innenminister und Spitzenkandidat Lorenz Caffier kommt bei der Bevölkerung nicht so gut an wie ein Erwin Sellering. Die Kampagne aus dem Jahre 2011 - „C wie Zukunft“ - sorgte eher für fragende Blicke als für Wählerstimmen. 

Die Linke lebte bisher von den Stimmen der älteren Bevölkerung, bedingt durch den demographischen Wandel werden ihre Wähler aber weniger. Die Grünen sind aufgrund der ausgeprägten Landwirtschaft und der Naturbelassenheit des Landes bei wenigen im Fokus. Die FDP versucht mit neuen Kampagnen den Weg zurück ins Schweriner Schloss zu finden, aber bisher mit mäßigem Erfolg. Die NPD, welche bereits zwei Legislaturperioden im Landtag verbringen konnte, wird dieses Mal wohl ohne Sitze verbleiben. 

Die AfD hat damit leichtes Spiel. Der Drang nach etwas Neuem ist bei Teilen der Bevölkerung groß. Die SPD, CDU und die Linke sind in einer Schockstarre und wissen nicht so recht wie sie den Kampf gegen die AfD aufnehmen sollen, ohne noch mehr Wähler in ihre Arme zu locken. Eine neue Partei mischt das Land auf und nutzt die Fehler der Etablierten. 

Was am Ende bei der Wahl rauskommt bleibt abzuwarten, aber viele Sitze für die AfD scheinen sicher.

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