Donnerstag, 28. Juli 2016

Verständnis für Axt in Bahn

Bild: Pixabay / CC0 Public Domain / JanDix
von Kurt Kowalsky
Es verwundert mich nicht, dass gewisse potentielle Selbstmörder, aufgehetzt von deutschen Gewaltvideos, einer breiten Öffentlichkeit beweisen wollen, dass sie mehr sind, als diese kümmerliche Existenz, derer sie überdrüssig geworden zu sein scheinen.

Aufgepasst! Ich sprach nicht von Videospielen, welche jetzt irgendwelche Politgauner wieder auf die Verbotsliste setzen wollen, ich sprach von Gewaltvideos. Also von den sogenannten Dokumentationen im Fernsehen über Amok und Terror, über Einzelfälle und Massenphänomene, über Schutz und Schmutz und vor allem über die Statements diverser Politiker, welche regelmäßig der Polizei danken und davon reden, dass ein starker Staat alternativlos wäre.

Der Otto-Normal-Dummkopf (Singular von Volk) hat ja das Problem der Nichtbeachtung. Noch nicht einmal das Finanzamt kümmert sich darum, dass man die Steuererklärung mit geballter Faust in der Tasche abgegeben hat. So sollte sich jeder fragen, was er denn tun könnte, dass seine unmaßgebliche Meinung mal Beachtung findet.

Mit dem Verlinken von missliebigen Zeitungsartikeln und anderem Schweinskram erreicht man lediglich, dass sich stets die gleichen Figuren tagein tagaus mit empören.

Vor über einem Jahr fuhr ich mal ausnahmsweise mit der Deutschen Bahn. Mir schräg gegenüber saß eine junge Frau, deren Fahrschein kontrolliert wurde. So wie zuvor ich, sollte sie ihre Kreditkarte vorzeigen, weil der Schaffner die Ordentlichkeit des Online-Fahrscheines überprüfen wollte. Die Frau hatte auch eine Kreditkarte, doch den Online-Fahrschein hatte ihr Gatte mit seiner Karte gebucht und bezahlt. Ein endloses Palaver begann. Die Frau war den Tränen nahe. Der Kontrolleur blühte in Macht und Herrlichkeit und bestand wohl darauf, dass sie nun bei ihm nochmals einen Fahrschein zu lösen hätte.

Vor wenigen Tagen hatte ich geschäftlich eine Unterredung mit einem Manager dieses Unternehmens. Bevor ich überhaupt die Firmenzentrale am Potsdamer Platz betreten konnte, sprachen mich drei Wachleute an. Ich solle meinen Rucksack und die mitgeführte Axt im Wagen lassen, der zudem noch im Halteverbot stände.

Ich sagte: "Gott ist groß, er hat mir ein Handy gegeben", rief meinen Gesprächspartner an und bat ihn, herunter zu kommen; ich säße im nebenan liegenden Café.

Und wieder habe ich mir eine Chance vergeben, in einem der vielen Gewaltvideos erwähnt zu werden. Aber das mit der Axt im Zusammenhang mit der Deutschen Bahn verstehe ich nun besser.

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