Freitag, 1. Juli 2016

Gott segne die Gesetzlosen und die Hinterwäldler!

Bild: Pixabay / CC0 Public Domain
von Holger Pinter
Sie hatten die Polizei informiert. In der Stadt sprach man aus Prinzip nicht mit der Polizei, aber wir waren in einer sehr ursprünglichen Ecke des Bayerischen Waldes und in solchen ursprünglichen Gegenden gab es noch anständige Polizisten, die ihre Verantwortung gegenüber Verwandten und Nachbarn ernst nahmen. Sie hatten also zwei Polizisten, die mit ihren eigenen Leuten verwandt oder verschwägert waren, darüber informiert, dass sie eine kleine Party im alten Steinbruch veranstalteten. Und da wäre es ganz nett, wenn sich die Kollegen vom Revier heraus hielten.

Ich habe damals hunderte von diesen Partys in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland besucht und bei einigen davon meinen Beitrag zur Organisation geleistet. Das hat immer funktioniert. Selbst wenn die Jungs und Mädels zu vorgerückter Stunde Spaß im Kopf hatten und ein wenig die Motoren aufdrehten, oder wenn sie am Rande des Geländes mit Flinten und Pistolen auf Bierdosen schossen, ließ sich kein Schutzmann blicken. Spaß hatte man immer.

Der Metzgermeister aus den Reihen des Veranstalters drehte das Spanferkel, das Bier wurde in einem aufblasbaren Kinderplanschbecken mit Eiswasser gekühlt und den lokalen Schnaps schenkte man aus Kanistern ein. Man rauchte etwas Gras, das in ausreichenden Mengen gleich um die Ecke wuchs und das von den alten Männern in der Umgebung schon in die Pfeifen gestopft wurde, als noch niemand auf die Idee kam, es eine Droge zu nennen. Und weil Feiertag war, hatte jemand Kokain mitgebracht, das er großzügig verteilte. Ich machte mir nichts aus Drogen, aber die Kenner unter uns schnalzten mit der Zunge und lobten die Qualität.

Ihre Kommandozentrale hatten die Gastgeber in dem alten Lastwagen untergebracht, mit dem sie auch die Vorräte, das Stromaggregat und was man sonst so braucht, in den Wald gefahren hatten. Und ein paar alte Sofas und Sessel, auf denen wir nun saßen. Die Möbel hatte ein Nachbar für diesen Anlass gespendet. Am Feuer sang jemand zur Gitarre und Hunde und Kinder tobten ausgelassen über das Gelände. Unter den 100 bis 150 erwachsenen Partygästen war wahrscheinlich die Hälfte vorbestraft, doch ich lehnte mich entspannt zurück.

Ich lebe heute etwas zurückgezogen, aber ich habe keine sichereren Orte gesehen, als diese wilden Partys, die ich im ganzen Land besucht habe. Das sind die wahren gallischen Dörfer, die sich inmitten von Spießern und Bürokraten behaupten.

Gott segne die Gesetzlosen und die Hinterwäldler!

1 Kommentar:

  1. Hm und wie kommt man in diese gallischen Dörfer?

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