Sonntag, 24. Juli 2016

Amokläufe, Terrorangriffe und eine entwaffnete Bevölkerung: Die strukturierte Hilflosigkeit der Bürger und die Schwäche des Staates

Waffen verboten! Bild:
Piaxabay / CC0 Public Domain
von Kurt Kowalsky
"Jetzt geht's los", dachte so mancher, als Polizei und Medien von einer Schießerei in einem Münchner Einkaufszentrum berichteten. Doch das wohl erwartete Abschlachten der christlichen Bevölkerung durch muslimische Terroristen fand nicht statt.

Und während die Münchner Sicherheitsstrategen bereits den gesamten öffentlichen Fern- und Nahverkehr lahm legten, beschimpfte ein Münchner Hausbewohner den Todesschützen auf dem ihm gegenüberliegenden Parkdeck als "Kanacken und Wichser", dem man "den Kopf abschneiden" sollte.

Der Täter verteidigte sich mit den Worten, er sei Deutscher und bereits in Behandlung gewesen.

Und während die interessierte Öffentlichkeit vor dem Bildschirm dieses Video in Endlosschleife präsentiert bekam, wusste der einzelne Polizist unten auf der Straße davon nichts. Offenbar hat auch die Einsatzleitung der Polizei erst mit großer Verzögerung von diesem Wortwechsel etwas mitbekommen. Aber er belegte, dass das gesamte Geschehen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Einzeltäter verursacht wurde, welcher irgendwelche Ich-Bezüglichkeiten seinem Handeln zugrunde legte und in dieser Phase bereits erkennbar verunsichert war.

Parallel dazu glaubten zahlreiche Bewohner an anderen Orten Schüsse zu hören und schwadronierende Terrorgruppen beobachtet zu haben. Eine Stadt in Panik.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Sicherheitskräfte lange Zeit davon ausgehen mussten, eine Terrorgruppe hätte ihre Aktion vom ursprünglichen Tatort weg verlagert.

Die Anzahl der Opfer macht deutlich, dass jeder x-beliebige Irre mit einer handelsüblichen Pistole und einem entsprechenden Vorrat an Munition jedes denkbare Massaker anrichten kann, das sich wie folgt begrenzt:

1. die Pistole versagt
2. die Munition geht aus
3. der Täter gibt auf

oder

4. der Täter wird von Dritten kampfunfähig gemacht.

Und jetzt geht es wirklich los. Ministerpräsident Seehofer verkündete nämlich, dass "wir" alles dafür tun müssten, um unsere Freiheit zu verteidigen. Dass es ohne Sicherheit keine Freiheit gäbe und "wir" deshalb auch in Zukunft einen starken, handlungsfähigen Staat bräuchten.

Die Konsequenz dieses Politikers und seinesgleichen ist so fatal wie offensichtlich verlogen. Den starken, handlungsfähigen Staat erleben die Bürger des Landes bei der Durchsetzung des nächsten Steuerbescheides. Der starke, handlungsfähige Staat machte sich besonders in München bemerkbar, als es darum ging, in den Zigarrenclubs das Rauchverbot durchzusetzen. Und selbstverständlich wird jeder Autofahrer wissen, was ein starker, handlungsfähiger Staat so alles leistet, hat man einen Scheibenwischer und ein Nummernschild.

Wenn aber ein x-beliebiger Irrer auf Passanten schießt, wird er dies nicht in der Nähe von uniformierten und bewaffneten Polizisten tun, welche gerade dabei sind, einen Autofahrer zu reglementieren. Und so wird der Irre mit einer gewissen Ruhe und Gelassenheit auf die Schutzbefohlenen dieses starken und handlungsfähigen Staates schießen können, wie ein Jäger auf flüchtende Hasen.

Neun Tote und zahlreiche Verletzte sind in Anbetracht der rein physikalischen Determinanten von Schussfolge und Verzögerungszeit beim Nachladen bis zum Eintreffen eines bewaffneten Vertreters des starken und handlungsfähigen Staates geradezu wenig. Denn jeder dieser Täter, unabhängig von Glauben, Motiv oder Geisteszustand trifft auf eine systematisch entwaffnete, wehrlose Gesellschaft. Und dieser Umstand ist Ergebnis der Jahrzehnte langen politischen Indoktrination der Bevölkerung.

Nein, irgendwelche Amokläufe und Terrorangriffe sind nicht zu verhindern, schleppt morgen meine Frau in ihre Einkaufstasche eine Schusswaffe mit herum, um sich übermorgen selbst ins Knie zu schießen. Amokläufe und Terrorangriffe sind überhaupt nicht zu verhindern. Doch sie sind durch die freiwillige Bewaffnung und das natürliche Recht, Schusswaffen verdeckt zu tragen, drastisch begrenzbar.

Eines der Wesensmerkmale dieses Staates ist nicht seine Stärke und Handlungsfähigkeit, sondern die strukturierte Hilflosigkeit seiner Bürger.

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