Mittwoch, 6. Juli 2016

AfD-Spaltung in Baden-Württemberg und Machtkampf in der Partei: Das Blatt zwischen Petry und Meuthen hat sich dramatisch gewendet

Heft des Handelns an sich gerissen: Prof. Dr. Jörg Meuthen.
Bildquelle: Robin Krahl / Wikimedia Commons ((CC BY-SA 4.0)
Über eine Sprecherin, die sich irgendwo zwischen Dresden und Stuttgart ganz gehörig verzockt hat

von André F. Lichtschlag
Der gewöhnlich in AfD-Parteikreisen sehr gut informierte Chefredakteur der „Jungen Freiheit“ kommentiert die heutige Spaltung der AfD-Fraktion in Baden-Württemberg nach dem Austritt von zunächst 13 von 23 Abgeordneten um Bundesprecher Jörg Meuthen (weitere werden, nachdem sie ihre katastrophale neue Lage realisiert haben, womöglich reuig noch folgen) zweigeteilt: Erstens: „Meuthen reißt in einer für die Partei existentiellen Frage die Initiative des Handelns wieder an sich.“ Und zweitens: „Meuthens Rivalin und Co-Bundessprecherin Frauke Petry hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie hatte um den Preis, dass an der AfD der Makel des Antisemitismus haften bleibt, Meuthen in der Fraktion zielgerichtet gegen die Wand fahren lassen. Ihre Emissäre und sie persönlich hatten auf wankelmütige Abgeordnete eingewirkt, Meuthen bei der entscheidenden Abstimmung scheitern zu lassen.“

Stein spricht damit als erster offen aus, was Insider hinter vorgehaltener Hand seit Wochen berichten: Petry habe versucht, in Stuttgart gegen Meuthen mit Hilfe des Falls Gedeon zu putschen. Heute plötzlich steht sie selbst als der große Verlierer da.

Denn während Petry am Nachmittag auf Facebook stolz verkündete, auf dem Weg nach Stuttgart zu sein, um großzügig zu schlichten, da machten der Rest des Bundesvorstandes mit einer eindeutigen Solidaritätsadresse pro Meuthen (und einer deutlichen Distanzierung von den zehn verbleibenden Jetzt-noch-AfD-und-bald-heimatlosen-Abgeordneten-ohne-jede-Zukunft) und die Mehrheit der Fraktion in Baden-Württemberg Nägel mit Köpfen.

Wenn es stimmt, dass Petry (womöglich angestiftet nicht zuletzt von ihrem umtriebigen Lebensabschnittspartner Pretzell) den Meuthen-Opponenten und Gedeon-Verstehern im Stuttgarter Landtag Posten für die Zukunft versprach, so muss sie diesen Amateuren, sofern sie inzwischen in Stuttgart angekommen ist, nun erklären, dass es gar nichts mehr zu gewinnen gibt.

Ihrer etwas zu dick aufgetragenen Erklärung der Schlichtungsfahrt hatte sie kurzzeitig von unterwegs noch die Erklärung des Bundesvorstands hintan gefügt. Sie hat sie dann schnell wieder gelöscht. Warum? Weil sie merkte, dass sie damit den Abgeordneten, die soeben in Stuttgart ihren Kopf für sie hingehalten hatten und nun im Regen stehen, noch am selben Tag in den Rücken fällt, und dass sie denen das persönlich in Stuttgart schlecht erklären kann? Oder weil sie erst jetzt registrierte, dass Meuthen und Co der Presse längst aufgetischt hatten, dass Petry am gemeinsamen Beschluss gar nicht beteiligt war und im Übrigen in Stuttgart (jedenfalls bei den 13 Abgeordneten um Meuthen) unerwünscht ist?

Mal ganz unabhängig vom in jeder Beziehung unappetitlichen Inhalt der Angelegenheit: Politik ist ein Drecks-„Geschäft“. Im Machtkampf zwischen Meuthen und Petry hat sich das Blatt in diesem Spiel gestern dramatisch gewendet. Meuthen galt bislang manchem Beobachter als gutmütiger politischer Anfänger und Idealist. Schon mit seiner Einbindung von Björn Höcke und dessen Flügel hat der Liberale Meuthen aber gezeigt, dass er auch ein hellwacher, kluger Stratege ist. Frauke Petry aber, die manchem schon als Reinkarnation Macchiavellis oder doch zumindest Merkel 2.0 erschien, hat sich in wenigen Stunden gehörig ins Off gezockt. Das wäre der Kanzlerin so nicht passiert.

Dieser Artikel erschien zuerst bei eigentümlich frei.

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