Donnerstag, 30. Juni 2016

Homosexualität in der islamischen Welt: Der Mythos von der islamischen Toleranz

von Jorge Arprin
Das zentrale Thema linker Politik ist der Einsatz für unterdrückte Gruppen (bzw. für die Gruppen, die laut linkem Narrativ unterdrückt sind). In der Geschichte waren das meistens „die Arbeiter“, später wurden daraus die Frauen, die Homosexuellen und in jüngerer Zeit die Muslime. Im linken Narrativ sind diese Gruppen nicht nur (immer noch) unterdrückt, sondern halten auch zusammen gegen ihre Unterdrücker. Da muss es ein heftiger Schock gewesen sein, als in Orlando Omar Mateen, ein Muslim, plötzlich 49 Homosexuelle tötete. Noch schlimmer für das eigene Weltbild wäre es wohl nur, wenn „die Arbeiter“ der AfD zur Machtergreifung verhelfen oder ein Transsexueller einen Gorilla tötet.

Allerdings finden sich schnell Erklärungen für Ereignisse, die das eigene Weltbild ins Wanken bringen könnten. Für den Aufschwung von Rechtspopulisten ist der Neoliberalismus schuld, für den islamistischen Terror ist die westliche Außenpolitik schuld, und die islamische Homophobie existiert überhaupt nicht. So zumindest die Erklärung für das Phänomen der islamischen Homophobie. Obwohl es in der islamischen Welt viel Anschauungsmaterial gibt, brachte das Massaker in Orlando das Thema „Islam und Homosexualität“ wieder in die Medien, und es schlug die Stunde derer, die schon seit Jahren die moderne linke Erklärung heranziehen. Diese lautet ungefähr so:
„Im Koran steht nichts zum Thema Homosexualität und in der islamischen Welt wurde Homosexualität mehr als 1000 Jahre lang gelebt und toleriert, die moderne Homophobie kam erst durch den Kolonialismus und die strengen Sittengesetzen im victorianischen Zeitalter in die islamische Welt und sie ist außerdem nur unter einer Minderheit vertreten, das zeigen die vielen schwulen Communities in den islamischen Ländern.“
Ähnliches wird oft über den Antisemitismus und sogar über die Frauenfeindlichkeit in der islamischen Welt (falls sie nicht geleugnet wird) gesagt. Und, um es mit den Worten von Senator McCarthy auszudrücken,
„Jedes Wort in diesem Satz ist eine Lüge, einschließlich „und“ und „das“.“
Die Behauptung, im Koran stehe nichts über Homosexualität, kann man nur tätigen, wenn man „Unzucht“ nicht mit Homosexualität interpretiert. Aber natürlich haben die Schreiber des Koran das getan. Ein spezifisches Wort für gleichgeschlechtliche Beziehungen gab es damals noch gar nicht. Im Westen gibt es den Begriff „Homosexualität“ erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und „gay“ gibt es auch erst seit dem 17. Jahrhundert (wobei er noch lange Zeit eine andere Bedeutung hatte), vorher sagte man „Sodomie“, „Unzucht“, usw. Im Arabischen gibt es bis heute keinen einheitlichen Begriff für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Man benutzt Begriffe wie „anormal“ oder die bewährten religiösen Klassiker (Sodomie und Unzucht).

Was war nun die Strafe für Unzucht im Koran? Die Todesstrafe natürlich. Bestätigt wird das in den weiteren heiligen Schriften des Islam, der Sunna und den Hadithe. Das verstanden die islamischen Kleriker sehr gut. Alle vier islamischen Rechtsschulen sehen seit 1200 Jahren die Todesstrafe für Unzucht vor. Ausnahmslos. Es herrscht nur Uneinigkeit darüber, wie man die „Täter“ bestrafen soll: Steinigung, Verbrennung, vom Dach schmeißen? Einige glauben, man müsste sie vom Dach schmeißen und währenddessen Steine auf sie werfen. Tja, jeder Jura-Student kann bestätigen, wie knifflig die Auslegung von Rechtsvorschriften sein kann.

Toleranz für Homosexualität gab es in der islamischen Welt nie – es sei denn, man benutzt wieder eine kreative Interpretation von „Toleranz“: „Man konnte es im Geheimen tun, und wenn man nicht erwischt wurde, passierte nichts, und wenn doch, zeigten die Herrscher meistens Milde.“ In dem Fall gab es tatsächlich oft in der islamischen Geschichte „Toleranz“, und in dem Fall gibt es noch heute Toleranz für Homosexuelle in Saudi-Arabien. Laut einem Bericht in „The Atlantic“ sind im Geheimen stattfindende Treffen von Homosexuellen gang und gäbe, ein Viertel aller Männer sollen schwul sein (auch, weil es für sie schwer ist, sich vor der Ehe mit Frauen zu treffen). Des Weiteren wurde seit über 20 Jahren niemand mehr in Saudi-Arabien wegen Unzucht hingerichtet, sondern höchstens ausgepeitscht - es herrscht also „Milde“ vor.

Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen zu sagen, Homosexuelle in Saudi-Arabien würden „toleriert“ werden. Niemand kann offen schwul sein, und wer erwischt wird, wird strafrechtlich belangt, auch wenn er nicht die Höchststrafe bekommt. Das gilt für alle schwulen Communities in den islamischen Ländern. Es gibt sie nur im Geheimen, und wer erwischt wird, bekommt Besuch von Beamten. Es gibt also keine Toleranz, und es gab sie nie. Gut, kleine, rühmenswerte Ausnahmen gab und gibt es (in der Türkei und Jordanien ist Homosexualität legal), aber die überwältigende Mehrheit stritt sich immer nur um die Form der Bestrafung. Informativ sind auch folgende Tatsachen:

– Im Jahr 2011 verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat eine Resolution, in der die Rechte der LGBT anerkannt wurden. Nur in 4 der 94 Unterzeichnerstaaten war der Islam die größte Religion: Albanien, Bosnien-Herzegowina, Guinea-Bissau und Sierra Leone. Eine 2008 verabschiedete Resolution, die LGBT-Rechte ablehnte, wurde von 57 Staaten unterzeichnet, 41 davon hatten eine muslimische Mehrheit.

– Die Länder, in denen Homosexualität unter Strafe steht, sind fast alle mehrheitlich muslimisch, nur einige wenige Staaten in der Karibik und Westafrika sind es nicht. Die Todesstrafe für Homosexualität gibt es nur noch in islamischen Ländern: Iran, Afghanistan, Saudi-Arabien, Jemen, Sudan und Mauretanien. Während also der Rest der Welt toleranter geworden ist, ist die islamische Welt traditionsbewusst geblieben.

– Internationale Umfragen zeigen eine spektakuläre Intoleranz für Homosexualität in den islamischen Ländern: In der Türkei finden nur 9% der Bevölkerung, dass Homosexualität in der Gesellschaft akzeptiert werden sollte, in Palästina sind es 4%, in Ägypten, in Jordanien und Indonesien sind es 3%, in Tunesien und Pakistan 2%.

– Islamische Organisationen, die sich tolerant gegenüber Homosexualität zeigen, gibt es nur im Westen, so z.B. in den USA, Frankreich und dem Liberal-Islamischen Bund in Deutschland. Und wie wir wissen, sind diese Organisationen der Durchschnitt für die 1,5 Milliarden Muslime, während die Fatwas der Al-Azhar-Universität in Kairo oder die Lehren von Ayatollah Khomeini nur für wenige Muslime auf der Welt Gültigkeit haben.

Ein Punkt, mit dem versucht wurde, die islamische Homophobie zu leugnen, war die Tatsache, dass der Täter des Orlando-Massakers selbst schwul gewesen sein soll. Das ist aber überhaupt kein Widerspruch. Ein homophober Schwuler ist schon ein soziologisches Klischee. Man nennt es „Doppelmoral“. Es ist und war schon immer weitverbreitet, und zwar bei allen Religionen oder säkularen Ideologien: Der Nazi-Geograph Otto Schulz-Kampfhenkel zeugte bei seiner Amazonas-Expedition ein Kind mit einer Indianerin, der mit den Nazis verbündete palästinensische Mufti Mohammed Amin al-Husseini verkaufte Land an zionistische Juden und von reichen Sozen wie Jakob Augstein oder Paul Krugman muss ich wohl nicht sprechen.

Bei manchen geht die Homophobie endgültig in kognitive Dissonanz über, so dass sie sich selbst als „nicht schwul“ zu bezeichnen, obwohl sie Sex mit Männern haben. Dies verbunden mit der Tatsache, dass nicht-verheiratete Männer und Frauen in ihren Ländern nur selten Kontakt haben dürfen, führt zu solchen Phänomenen:
,,Noch immer ist es für junge Männer in islamischen Gesellschaften sehr schwierig, vor der Ehe sexuelle Kontakte zu Frauen zu knüpfen. Laut einer Studie aus Marokko hat deshalb ein großer Teil der heranwachsenden Männer den ersten Geschlechtsverkehr mit einem anderen Jungen. Als homosexuell wird dabei nur der passive Partner angesehen.''
Die ganze Tragödie von durch und durch kranken Gesellschaften, die Menschen wie Omar Mateen zu ihren Taten treiben, wird hier nochmals deutlich.

1 Kommentar:

  1. Das zentrale Thema linker Politik ist es Leute abzufucken, insbesondere solche die ohne ihre Almosen im Leben gut klarkommen.

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