Mittwoch, 8. Juni 2016

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Zu sexy für unsere Zeit. Foto: CC0 Public Domain/Pixabay
von Michael Auksutat
Ich bin 1974 geboren. 

Als ich Kind war, lief alles unter 30 in Röcken rum, die nur durch den Saum von einem Gürtel zu unterscheiden waren. Die Tops waren eng. Die Lippen knallig und das Leben häufig sehr alkoholisch.

Zwar waren die Leute dermaßen homophob, dass überall Queen lief. Behinderte waren nicht wohlgelitten, was auch den Misserfolg von Krüppeln wie Stevie Wonder erklärt. Und Ausländer konnte man generell nicht leiden, was man mit nationalistischen Protestliedern von Adriano Celentano zu unterstreichen wusste. Roberto Blanco, Mireille Mathieu, Vicky Leandros und viele andere können Lieder davon singen, dass man seinerzeit machen konnte, was man wollte - als nicht-autochoner hat man in diesem Land kein Bein auf die Erde bekommen. Und auch der Antisemitismus war dermaßen gravierend, dass man Hans Rosenthal und seinen Zeichner in das Konzentrationslager von Dalli Dalli interniert hat, wo sie ungeschaut ein Leben in Isolation fristeten.

Jetzt, wo mittlerweile alles frei und offen und erlaubt ist und wir die Enge der Vergangenheit überwunden haben, ist man mehr und mehr irritiert.

Und ich stelle mit jedem Tag fest: Ich passe hier nicht mehr rein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Haben Sie Fragen oder Anregungen? Schreiben Sie uns!

Name

E-Mail *

Nachricht *