Mittwoch, 1. Juni 2016

Bitte an Raucher: Habt Erbarmen mit Kindern!

von Kurt Kowalsky
Heute live zum gestrigen Weltnichtrauchertag:

Der politische Ruf nach Regelungsbedarf verhallt selten ungehört. Legitimieren sich doch die Dummschwätzer durch die Inszenierung von schlecht gespielten Seifenopern.

Die Protagonisten sind unschuldige, strebsame und rechtschaffene Bürgerinnen und Bürger. Und obwohl vom Faulenzer, über den Debilen bis zum Perversling jeder wählen darf und seine Stimme gerne abgefischt wird, scheinen die Protagonisten der Inszenierungen allesamt intelligent, demokratisch und freiheitsbewusst.

Diejenigen fremden Kinder, welche nicht gerade von bestimmten Parlamentariern, Pfarrern oder auch von den eigenen Eltern missbraucht werden, stehen dann in der ersten Reihe. Unschuldig, wie der kleine Adolf vielleicht 1905 am Inn stand, stehen sie jetzt in der ersten Reihe und fordern ihre Unversehrtheit ein.

Der Zigarre rauchende Großkapitalist eines das Universum bis zum Andromedanebel beherrschenden Tabakwarenkonzern schwingt sich auf, diese armen Kinder zu ersticken.

»Haltet ein, oh gütiger Herr«, fleht eine 33-jährige Jungfrau und Mutter dreier Kinder, »habt Erbarmen mit meinen Kleinen.«

Ein Journalist des Zwangsfernsehen kommt zufällig mit zwei Fernsehkameras, drei Beleuchtern, vier Toningenieuren und einem Regisseur des Weges gelaufen. Der Jungfrau wird eine Atemschutzmaske übergestülpt, die Kinder fallen vor Schreck in Ohnmacht, eine zufällig bereitstehende Nebelmaschine spendet den künstlichen Rauch.

»Wir, sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer, sehr geehrte Geschlechtslose und Geschlechtsloseninnen, wollen mal nichts dramatisieren, doch diese Mutter von drei Kindern würde jetzt ohne unsere Hilfe schon längst einer Rauchvergiftung erlegen sein....«

Und dann kommen sie angeritten. Auf weißen Pferden, mit offenem Visier und frisch geschminkt, darf nun zuerst der grüne, dann der rote, der schwarze, wie der gelbe Ritter 1. erklären, dass dieser Zustand unhaltbar ist, 2. dass er alles dafür tun würde, besonders die Kinderchen zu retten und 3. sofort die entsprechenden Gesetzesvorschläge dem Parlament unterbreiten würde. Dann gibt er noch zu bedenken, dass die geltende Gesetzeslage es heute schon der Polizei erlaube, in solchen Fällen den finalen Rettungsschuss anzuwenden.

Kamera aus. Der Journalist bemächtigt sich wieder seiner Atemmaske. Entledigt sich der Mutter mit einem »Hau ab, du Schlampe«, und ab gehts ins Studio. (Schließlich will man den Deppen von der CDU und den Clown von der FDP noch aus dem Film schneiden.)

»Oh«, sagt da der stumpfsinnige Hinz zu seinem stumpfsinnigen Kollegen Kunz, »gestern brachten sie im Fernsehen etwas über das Passivrauchen. Eine Zigarre kann bis zu drei Kinder auf einmal töten.«

»Ja, weiß ich«, sagt der andere Dummkopf, »in Hiroshima sind damals drei Millionen Japaner ums Leben gekommen, nur weil die Amis da noch geraucht haben.« 

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