Sonntag, 15. Mai 2016

Lobeshymnen an die Unternehmen: Macht Liebe uns blind?

Bis Business hat kritische Seiten.
Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.
von Tim Leto Tewes
Libertarismus geht meist einher mit einer positiven Einstellung Unternehmen und Unternehmern gegenüber. Logisch, haben diese doch einen großen Anteil an unserem Wohlstand. Die Erhöhung von Effizienz durch Innovation und Optimierung ist auch in unserer jetzigen, herrschaftlich durchsetzten Welt, der Grund für den höchsten Lebensstandard in der Geschichte der Menschheit.

Viele Libertäre verteidigen daher richtigerweise Unternehmer, wenn diese von Menschen mit anderer politischer Einstellung, meist Sozialdemokraten oder Sozialisten, kritisiert werden.

Doch ist das immer gerechtfertigt? Oft wird dabei vergessen, das manche, meist sehr große Unternehmen - trotz vieler schädlicher Regulierungen - massiv vom Staat profitieren. Meist geschieht das durch für sie hilfreiche Regulierungen, welche der Konkurrenz massiv schaden. Zum Beispiel begrüßen viele sehr erfolgreiche Unternehmen den Mindestlohn, da dieser kleineren Wettbewerbern mit weniger Mitteln verhältnismäßig stärker schadet. Da dies auf Zwang basiert ist die Unterstützung solcher Maßnahmen durch Unternehmen eindeutig unmoralisch.

Uns wohnt die Eigenschaft inne, die guten Taten mit den schlechten aufzuwiegen – wohl ein menschlicher Makel, handelt doch niemand immer moralisch. Bei Bankenrettungen wird da auch schon deutlich klarer von libertärer Seite argumentiert: So etwas gäbe es in einem libertären System nicht und wahrscheinlich würden erst gar keine oder zumindest deutlich weniger "too big too fail"-Institutionen entstehen.

Oft ist die überschwängliche Euphorie gegenüber Unternehmen wohl eine Art Reaktanz - wird in den gesamten Mainstream-Medien eigentlich permanent auf der bösen Wirtschaft rumgehackt, will man zumindest auf den wenigen liberalen Kanälen eine Gegendarstellung anbieten. Das ist auch gar nicht falsch, nur sollten wir alle aufpassen, dass weder Trotz noch Liebe uns blind gegenüber den Fehlern unserer augenscheinlichen Lieblinge machen.

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