Samstag, 28. Mai 2016

IT-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung lässt sehr zu wünschen übrig

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay
von Gotthilf Steuerzahler
Liebe Leserinnen und Leser,

die öffentliche Verwaltung nutzt die Potentiale der modernen Datenverarbeitung häufig nur unzureichend. Dabei ist durchaus bekannt, was gegen die bestehenden Schwächen beim IT-Einsatz getan werden müsste. Doch oft vergehen Jahre, ohne dass die Probleme angepackt werden.

Charakteristisch für die Situation in der öffentlichen Verwaltung ist eine sehr heterogene IT-Landschaft, die sich unkoordiniert entwickelt hat. Von verschiedenen Seiten wurden Lösungen für die daraus entstehenden Probleme beim IT-Einsatz vorgelegt. Insbesondere wurde vorgeschlagen, eine mit großen Befugnissen ausgestattete zentrale Entscheidungsinstanz zu schaffen, die den Einsatz der Informationstechnik in dem betreffenden Verwaltungszweig über alle Behördengrenzen hinweg zu steuern und zu koordinieren hat. Ferner müsse eine mittel- bis langfristige Strategie für den IT-Einsatz in Kraft gesetzt werden, an der sich alle Behörden orientieren müssen.

Auch sollten Standards für die Planung und Realisierung von IT-Maßnahmen definiert werden, die von allen Behörden zu beachten sind. Und schließlich wurde gefordert, die Beschaffung von IT-Produkten zu vereinheitlichen und möglichst organisationsübergreifend zu bündeln sowie die Ausstattung der IT-Arbeitsplätze zu standardisieren. An der Umsetzung dieser Vorschläge hapert es jedoch vielerorts, wie das nachfolgende Beispiel zeigt.

Grundlegende Regelungen fehlen nach wie vor 

In einem Stadtstaat wird seit Jahren über eine Vereinheitlichung der IT-Landschaft diskutiert. Viele der erörterten Maßnahmen sind jedoch nicht in Kraft gesetzt worden. So gibt es nach wie vor kein Gesamtkonzept für den IT-Einsatz. Auch fehlen grundlegende Vorgaben für eine einheitliche fachliche und technologische Ausrichtung der IT-Infrastruktur. Regelungen für die Planung, Realisierung und Fortschreibung von IT-Maßnahmen wurden ebenfalls nicht getroffen. Weiterhin fehlen Standards für die Beschaffung von IT-Produkten.

Eine zentrale, mit Durchsetzungsbefugnissen ausgestattete Entscheidungsinstanz gibt es ebenfalls noch nicht. Es existiert lediglich ein Beratungsgremium, welches aber bisher kaum etwas zur Vereinheitlichung und Effizienzsteigerung des IT-Einsatzes beigetragen hat. 

Die Optimierung des Serverbetriebs steht aus 

Obwohl ein Gutachter schon vor Jahren eine Konsolidierung des Serverbetriebs vorgeschlagen hatte, ist hier kaum ein Fortschritt festzustellen. Dabei hatte der Gutachter darauf hingewiesen, dass bei einem einheitlichen Serverbetrieb Einsparungen in Millionenhöhe erzielt werden könnten.

Nach wie vor fehlt eine Strategie für einen einheitlichen Serverbetrieb, eine behördenübergreifende Zusammenarbeit beim Betrieb von Servern findet nur vereinzelt statt. Durch moderne Technologien (z. B. Virtualisierung) lassen sich heute mehr als 90 Prozent aller Anwendungen auf virtuellen Servern zentral betreiben. Die zur Aufgabenerledigung erforderlichen Server könnten dementsprechend auf wenige Standorte konzentriert werden. Dadurch würde eine höhere Auslastung der Ressourcen ermöglicht. 

Die PC-Arbeitsplätze müssen standardisiert werden 

Auch bei der Standardisierung der IT-Arbeitsplätze hat es in dem Stadtstaat keine großen Fortschritte gegeben. Seit Jahren liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, einen standardisierten IT-Arbeitsplatz zu entwickeln und stufenweise für eine flächendeckende Nutzung zu sorgen. Eine von dem Stadtstaat seinerzeit in Auftrag gegebene Untersuchung war zu dem Ergebnis gekommen, dass dadurch die Kosten für die IT-Ausstattung und den Service der Arbeitsplätze um bis zu 50 Prozent reduziert werden könnten. Von den 78.000 IT-Arbeitsplätzen des Stadtstaates sind derzeit aber immer noch fast 90 Prozent nicht standardisiert ausgestattet worden. Angeblich hängt dies mit komplizierten Zuständigkeitsfragen zusammen. Hier müsste die Umrüstung beschleunigt werden, um die aufgezeigten Einsparpotentiale alsbald zu realisieren. 

Die verantwortlichen Stellen wollen Veränderungen 

Die für den IT-Einsatz in dem Stadtstaat verantwortlichen Stellen haben eingeräumt, dass die Durchführung von Projekten und der Betrieb der IT-Infrastruktur aufgrund der aufgezeigten Probleme bei der landesweiten IT-Steuerung uneinheitlich und unwirtschaftlich seien. Dies gehe unter anderem auf die dezentrale Veranschlagung und Bewirtschaftung der IT-Mittel zurück. Die bisherigen Maßnahmen zur IT-Konsolidierung hätten weder zu einer Vereinheitlichung des IT-Betriebs noch zu spürbaren Entlastungen bei den jährlichen IT-Ausgaben geführt. Es sei zweifelhaft, ob eine dezentrale Fach- und Ressourcenverantwortung beim IT-Betrieb in der Verwaltung noch angemessen und aufgabengerecht sei. Es müssten Möglichkeiten geschaffen werden, stärker als bisher zentral zu steuern. 

Große Rationalisierungspotentiale könnten erschlossen werden 

Alles in allem könnten bei konsequenter Durchführung der genannten Maßnahmen die Leistungsfähigkeit der Datenverarbeitung in dem Stadtstaat deutlich gesteigert und große Rationalisierungspotentiale erschlossen werden. Die bestehenden Möglichkeiten zur Verbesserung des IT-Einsatzes müssen nur endlich genutzt werden. Dass diese Chancen ergriffen werden, liebe Leserinnen und Leser, darauf hofft unverdrossen 

Ihr
Gotthilf Steuerzahler

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