Mittwoch, 4. Mai 2016

Aus Schaden nicht klug: (Irr-)Lehren aus Venezuela

Venezuela im Würgegriff des Sozialismus.
von Jorge Arprin, ohne Rücksicht
Was würde wohl passieren, wenn es in den USA, Großbritannien oder in Deutschland eine schwere Wirtschaftskrise gäbe? Was geschah, als in Griechenland, Spanien, Russland und Brasilien die Wirtschaft niederging? Was wird passieren, falls in China eine schwere Krise ausbricht? Die Leute werden sagen: „Der Kapitalismus ist schuld.“ Völlig egal, welche Maßnahmen es genau waren, die zur Krise führten. An jeder Krise ist grundsätzlich „der Kapitalismus“ schuld. Nun herrscht eine schwere Krise in Venezuela. Mit dem Kapitalismus kann man die Krise kaum erklären, denn Venezuelas Wirtschaft ist seit dem Weltenretter Hugo Chavez sozialistisch organisiert. Wie schwer die Krise ist, kann man anhand folgender Beispiele verdeutlichen:

– Während wir die Earth Hour feiern, haben die Venezolaner die Earth Week: Um Strom zu sparen, haben die Beamten in der Woche drei Tage frei und arbeiten in der Zeit auch nur von 7 bis 13 Uhr.
– Während wir über Bierverbote für Jugendliche diskutieren, herrscht in Venezuela Bierknappheit.
– Während wir uns über die Fiskalpolitik streiten, gehen Venezuela die Banknoten für neues Geld aus.

Wer ist für die Krise verantwortlich? Wenn man sich die Zeitungsberichte durchliest, fällt selten das Wort „Sozialismus“, obwohl Chavez‘ Wirtschaftsprogramm, das von Maduro fortgesetzt wird, den Namen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ trägt. Der Spiegel spricht von „Wirtschaftskrise“, bei der „Presse“ in Österreich fällt nicht mal das Wort Sozialismus, stattdessen heißt es „Chavismus“. Während jeder „weiß“, dass die Krisen in Griechenland und Brasilien das Scheitern des Kapitalismus belegen, will so keiner richtig erkennen, dass Venezuela ein erneutes Beispiel für das totale Scheitern des Sozialismus ist. Als wahre Schuldige werden beim Spiegel eine von El Niño verursachte Dürre und fehlende Investitionen in die alternativen Energien genannt, einige Pro-Chavez-Kommentatoren sehen die USA und ihre Ölpreis-Verschwörung als den Schuldigen.

Wer ist also, wenn man den Stimmen in Venezuela und im Ausland glauben kann, verantwortlich für die Krise in Venezuela? Vor allem folgende Punkte werden genannt:

– Die USA, die den Ölpreis manipulieren, um verfeindete Staaten niederzuringen.
– Die rechte Opposition, die mit Hortungen und Sabotage der Wirtschaft schadet.
– Ganz allgemein: Der Neoliberalismus, die Globalisierung, die Gier der Konzerne.

Wie lange wird es dauern, bis genug Beispiele vorhanden sind, um ein für alle Mal alle sozialistischen Experimente zu beenden? Nun, wenn wir sehen, dass die Menschen seit 2000 Jahren an den Zimmermann von Nazareth glauben und der Sozialismus erst um die 160 Jahre alt ist, bleiben noch viele Jahrhunderte Zeit, um den Irrtum noch sehr lange weiter auszuleben. Und bei jedem Fehlschlag werden die Sozialisten sagen „Das sind keine echten Sozialisten!“, so wie es bei jedem islamistischem Massaker heißt „Das sind keine echten Muslime!“, und später einen neuen Versuch starten. In dieser Zeit bleibt uns nur, die ständigen Tragödien mit dem ganzen Elend mit Humor zu nehmen. Denn das satirische Potenzial ist ja wirklich groß.

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