Dienstag, 26. April 2016

Rezension: Eine kurze Geschichte der Menschheit, ohne Blatt vor dem Mund

Das Buch kann hier bestellt werden.
Hubert Milz rezensiert
Hans-Hermann Hoppe: Eine kurze Geschichte der Menschheit: Fortschritt und Niedergang, 132 Seiten, 16,90 Euro, Lichtschlag.
Hans-Hermann Hoppe bietet dem Leser mit diesem Buch einen atemberaubenden 'Parforceritt' durch die Menschheitsgeschichte. In einem konsequent dichten Text fasst Hoppe die Erkenntnisse der anthropologischen Forschung zur Menschheitsgeschichte zusammen. Aus dieser Entwicklungsgeschichte zieht Hoppe Schlussfolgerungen über und für das Gemeinwesen; Schlussfolgerungen, mit denen er gegen etliche Ansichten des heutigen Hauptstroms der Meinungsmacher bürstet.

Hoppe schildert, dass der Ursprung des modernen Menschen als 'Jäger und Sammler' in den üppigen Regionen Afrikas zu verorten ist, wo die Natur den Tisch reichlich für die 'Jäger und Sammler' gedeckt hatte.

Seine Schilderungen stellen klar, dass jene ursprünglichen 'Jäger und Sammler' der Steinzeit mit dem verklärenden Bild des 'edlen Wilden' à la Jean-Jacques Rousseau keine Berührungspunkte haben. Vielmehr wird es ständigen Zwist, Streit und Kampf zwischen den verschiedenen Horden der 'Jäger und Sammler' um die besten Jagd- und Sammelreviere gegeben haben; denn auch das beste Revier kann nur eine kleine Horde ernährt haben.

Im Kampf unterlegene Horden mussten, um zu überleben, neue Reviere erschließen. Auch der Teil einer Horde, der sich wegen Kinderreichtum (die Horde wurde zu groß) abspaltete und eine neue Horde bildete, wanderte weiter und suchte sich ein neues Revier.

Die Forschungsergebnisse der Anthropologie legen den Schluss nahe, dass als Folge solcher Wanderungen vor rund 50.000 Jahren der Exodus der Horden aus Afrika einsetzte. Ein Exodus, der innerhalb von 15.000 Jahren zur Landnahme des modernen Menschen rund um den Globus führte - alle möglichen Reviere waren erschlossen und der Existenzkampf zwischen wachsenden Horden wird härter und schärfer geworden sein.

Hoppe macht klar, dass es zu den Zeiten der 'Jäger und Sammler' keine Familien und kein Eigentum im heutige Sinne gegeben haben wird. Alle wichtigen Güter gehörten der Horde gemeinsam, auch Mann und Frau standen jedem zur Verfügung. Erst mit der Sesshaftwerdung der Menschen konnte sich dies ändern.

Den Übergang vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit der Menschen mit Ackerbau und Viehzucht vor rund 11.000 Jahren nennt Hoppe eine enorme intellektuelle Leistung. Diese imposante Leistung gelang den Menschen in Regionen, in welchen die Natur den 'Tisch' für die 'Jäger und Sammler' nicht unbedingt üppig gedeckt hatte. In diesen Regionen waren Kreativität und Intelligenz von Nöten, um als Horde überleben zu können.

Ackerbau und Viehzucht - das Gefühl, die eigene Scholle zu bestellen, bewirkte, dass die Institution des Privateigentums entstand. Arbeitsteilung in kleinen Gruppen war nötig, so dass Vertrauen und Bindungen der Menschen untereinander wirken konnten - die Urzelle jeder Zivilgesellschaft, nämlich die Institution der Familie entwickelte sich.

Außerdem ermöglichten Ackerbau und Viehzucht eine größere, bessere und vor allem stetigere Versorgung mit dem Lebensnotwendigen. Bessere Versorgung hieß aber auch, dass mehr Menschen überleben konnten. Dieser Erfolg wurde imitiert, so dass Ackerbau und Viehzucht einen Siegeszug rund um den Globus antraten. Schnell wuchs die Zahl der Menschen weltweit an, so dass - bedingt durch die Knappheit der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen - auch der Mensch der Sesshaftigkeit schnell wieder auf das Niveau des Existenzminimums zurückfiel.

Jahrtausende von Jahren stagnierte die Menschheit in dieser sogenannten "Malthusianischen Armutsfalle" des Existenzminimums. Erst durch die Industrialisierung änderte sich dieser Zustand. Die Industrialisierung ermöglichte ein Bevölkerungswachstum in Kombination mit einem hohen Einkommen und einem Lebensstandard für diese Massen von Menschen, der weit über dem Existenzminimum der sogenannten "Malthusianischen Armutsfalle" angesiedelt ist.

Für Hoppe ist es logisch, dass die Industrialisierung in einer Region der Erde einsetzte, in welcher die Natur sich vom Menschen im ständigen Kampfe das Lebensnotwendige abringen ließ. In solchen Regionen muss der Mensch, um zu überleben, kreativ und intelligent sein. So wichtig Rechtssicherheit, Privateigentum und andere der regelmäßig genannten Institutionen für die Industrialisierung auch waren, ist für Hoppe der wichtigste Punkt die mit Kreativität gepaarte Intelligenz gewesen, welche Industrialisierung, Marktwirtschaft (Kapitalismus) und die immense Wohlstandssteigerung erst ermöglicht hat.

Im letzten Teil legt Hoppe seine Sicht der Entwicklung der Zivilgesellschaft dar. Er zeigt in streng logischer Argumentationsfolge, dass in kleinen, übersichtlichen politischen Gemeinschaften, wo sozusagen 'jeder jeden kennt', die Ambitionen der politisch Mächtigen eher in Zaum zu halten sind. Dagegen, je größer ein Staat ist, desto leichter können und werden die Herrschenden das Gemeinwesen für ihre Zwecke handhaben, verunstalten und ausbeuten.

In diesem Zusammenhang diskutiert Hoppe die Staatsformen der Monarchie und der Demokratie.

Er entwickelt hier in Kurzfassung seine Hauptargumente aus dem Buch "Demokratie, der Gott, der keiner ist''. Darin zeigt er, dass ein Monarch, egal, wie absolut dieser herrscht, langfristig über Generationen hinweg denkt. Die Zeitpräferenz des Monarchen ist niedrig, denn der Monarch betrachtet seinen Staat als Eigentum seiner Familie. Der Monarch will seiner Dynastie ein gut florierendes und intaktes Staatsgebilde erhalten, das heißt, dass der Monarch zwar gut leben will, sich aber beim Ausplündern der Untertanen zurücknehmen wird.

Für die Demokratie sieht Hoppe dies völlig anders. Demokratische Herrscher sind nur auf Zeit gewählt, folglich denken die demokratischen Politiker kurzfristig - sprich, die Zeitpräferenz dieser Politiker ist hoch. Daraus folgt, dass dem demokratischen Politiker in der Regel nur wenig Zeit verbleibt, um zum eigenen Nutzen so viel wie möglich aus dem Gemeinwesen herauszuziehen, dabei aber scheinbar 'Gutes' für die Zukurzgekommenen tut. Scheinbar, denn in Wirklichkeit verschwenden die demokratischen Politiker das Eigentum und das Vermögen der erfolgreich arbeitenden Teile der Bevölkerung. Für Hoppe ist es logisch, dass gerade in Demokratien die Steuer- und Abgabenlasten immer weiter steigen und auf ein Niveau zusteuern wird, welches ein absolut regierender Monarch gescheut haben würde.

Die Demokratie ist folglich für Hoppe ein Rückschritt gegenüber der Monarchie. Dabei ist Hoppe kein Monarchist, vielmehr präferiert er die natürliche Privatrechtsgesellschaft. Deren Gebiet wäre klein und überschaubar; mit natürlichen Eliten, die diese Gesellschaft führen - also eine hierarchisch geordnete Anarchie.

Es machte Vergnügen das Buch zu lesen. Hoppe nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er beugt sich nicht irgendwelchen lieb gewordenen Mythen oder Meinungsvorgaben, sondern bürstet, wenn es denn in seinem Argumentationsrahmen nötig ist, voll dagegen - und dies stets sprachlogisch auf einem hohen Niveau. Dadurch zwingt Hoppe einem Leser, der seinen Argumenten konzentrierte Aufmerksamkeit schenkt, selber zu denken und eigene Positionen zu überdenken.

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