Mittwoch, 20. April 2016

Libertäre aller Länder, vereinigt euch!

Typisch libertäre Debatte. Foto: mimiandeunice.com
von Philipp Rosipal
Habe ich da gerade „Libertäre aller Länder“ geschrieben? Libertäre aller ‚Länder‘? Das wird den Anarchisten wohl nicht sehr gefallen, schätze ich. Sicherlich werden sie mich jetzt auf Facebook blockieren, melden und dann schreiben, ich sei kein echter Libertärer, weil ich für Nationalstaaten bin. Mit dem Aufkommen der Flüchtlingskrise und anderer vom Staat inszenierter Probleme, beobachte ich immer öfter, wie sich unsere kleine Gruppe von Querdenkern mehr und mehr gegenseitig die Fresse poliert. Nun, es ist nicht so, dass ich etwas gegen eine schöne, große Pausenprügelei zwischen Anarchisten und Minarchisten zu Themen wie beispielsweise „Wie groß soll der Staat sein?“ hätte, aber in diesen turbulenten Zeiten müssen wir Libertäre, Anarchisten und klassisch Liberale geschlossen agieren.

Trotz allem wollen viele Libertäre mit dem Kleinkrieg gar nicht erst aufhören - sie leugnen ihn auch noch! Wenn man diese Leute darauf hinweist, dass sie ihr gesamtes politisches Konfliktkapital an den eigenen Freunden verpulvern, wird einem an den Kopf geworfen, es wäre doch nur eine Diskussion und man könne diese auch missachten oder überfliegen. Sicher kann ich weiterscrollen oder weghören, diesen Kampf der Idioten ignorieren und sie fortfahren lassen, aber ich werde nicht länger zusehen, wie sich unser edles Streben nach einer frei(er)en Gesellschaft aufgrund irgendwelcher pseudolibertärer Vollpfosten, die sich darum streiten, ob der Staat nun klein oder ganz weg sein soll, in Luft auflöst. Ich habe genug!

Aus meiner Sicht sind es derzeit „Open-Borders-Libertäre“, die am meisten Öl ins Feuer gießen. Ein Beispiel: Man sagt, dass Grenzkontrollen aufgrund des Sozialsystems momentan gerechtfertigt sind. Schon wird man vom Open-Borders-Libertären als etatistisch bezeichnet und angegriffen - man müsse ja nur den Sozialstaat abschaffen und dann hat’s sich schon mit den illegalen Einwanderern. Und meistens endet auch dort die Diskussion. Meine Fragestellung: Was ist dann aber mit den Millionen Sozialhilfeempfängern im Land? Werden die das einfach so hinnehmen, dass ihnen die Stallfütterung so plötzlich gestrichen wird? Nein, natürlich nicht. Sie werden grölend auf Fackelmärschen durch die deutschen Städte ziehen! 

Libertärer Abbau des Sozialstaats kann nur stufenweise und über Jahrzehnte funktionieren. Nicht einfach mal so plötzlich! Und wenn in einem Jahr 1,5 Millionen Immigranten, aus nicht-aufgeklärten Kulturen, in ein Land kommen, kann das mit den Open Borders so nicht weitergehen. Und wenn man das dann mal in dieser Form durchgezogen hat, oder sich im Geringsten mit dem Thema kritisch auseinandersetzt, passiert etwas, wie es im folgenden Beispiel der Fall war. So postete ein bekannter Anti-Open-Borders-Libertärer ein Video mit dem Titel „Umvolkung“ und wurde allein aufgrund des Titels von einem Open-Borders-Libertären von der Freundesliste gestrichen, ohne überhaupt in eine Diskussion zu treten. Das ist nicht libertär, das ist feig! Dieses Vorgehen erinnert mich nicht an Libertäre, die mit Stolz Rothbard und Mises gelesen haben, es erinnert mich vielmehr an die jeglichen vernünftigen Diskurs verweigernde Antifa. 

Wir als Freiheitliche haben etwas zu verstehen. Die „Prügler“ und „Mobber“ aus unserem kleinen Schulhof haben etwas zu verstehen. Anarchisten, genauso Minimalstaatler, haben etwas zu verstehen. Wir haben ein gemeinsames Ziel, nämlich die Verkleinerung des Staates. Der Staat ist derzeit kein Minimalstaat, deshalb ist jede Diskussion über die Größe des libertären Staates reine Zeitverschwendung - er müsste erst einmal da sein. Die Methoden, mit denen wir den Staat verkleinern wollen, gehen von demokratischer Wahl bis hin zu Steuerverweigerung. Wir müssen zusammenhalten und jede Methode, die uns vorliegt, um den Staat zu minimieren, egal für wie dumm oder wie schlecht wir sie halten, nutzen. Wir sollten uns nicht durch dumme Phrasen, die von irgendwelchen Fünftklässler-Pseudodiskutanten hingedichtet werden, aufhalten lassen. Wir müssen unserem gemeinsamen Ziel folgen: Der Staat gehört kleiner. Und wenn er klein ist, können wir gerne darüber diskutieren, ob er weg gehört.

Kommentare:

  1. Ich glaube ihr Minarchisten kapiert das nicht. Für euch ist Anarchie nur so was wie ein 0%-Staat.
    Aber es ist viel mehr als das. Es ist ein völlig anderes Bewusstsein. Was hätten wir gewonnen, wenn dieser Staat sich von heute auf morgen auflösen würde? Absolut nichts. Sie würden ihn wieder aufbauen und sich vorher noch darum prügeln, wegen dem falschen Bewusstsein. Weil die immer noch glauben es hätte jemand das Recht zu herrschen.
    Da wird nichts zurückgefahren. Wir zerstören diesen Glauben Stück für Stück, erst bei den Intelligenten, die Dummen plappern dann sowieso nur nach was die Intelligenten sagen. Und wenn der Staat dann scheitert, wird er nicht wiederaufgebaut und die Leute werden sich auch nicht die Köpfe einschlagen, weil niemand den Staat als Lösung betrachten wird.
    Aber dazu muss man natürlich schon überzeugt von dem sein, was man vertritt. Wenn man diesen Glauben an den Staat nicht mehr hat, dann steht man im Widerspruch zu sich selbst, wenn man anfängt von denen zu fordern die eigenen Probleme zu lösen. Meine einzige Forderung an die lautet deshalb: "verpisst euch und nehmt eure Grenzen ruhig mit. Das Problem ist, dass ihr mich schikaniert wenn ich mich selbst um meine Sicherheit kümmern und aufrüsten will."
    Und was die Horden von Asylanten angeht: Haben Sie Angst? Ich nicht. Sollen sie doch mit Fackeln durch die Städte ziehen. Dann haben wir eine Rechtfertigung sie mit allen Mitteln einzustampfen. Wäre mir lieber als denen, die schon hier sind, weiter Schutzgeld zu bezahlen, und außerdem würde so ein gutes Exempel auch für die einheimischen Schmarotzer statuiert werden, an denen es uns auch nicht mangelt. Soll die Gewalt, die der Staat versteckt, doch sichtbar werden. Und wenn die Asylanten doch nicht so aggressiv sind wie gedacht und die Verteidigung nicht notwendig ist, umso besser.
    Also Grenzen schön auf lassen, die dekadenten Sozialisten sollen die Konsequenzen ihrer falschen Prinzipien voll zu spüren bekommen, wenigstens finanziell. Besser als wenn sich das noch 20 Jahre hinzieht, weil die Deppen nichts begreifen. Und für die "Freiheitlichen" ist das ein guter Test, ob Sie Ihre Prinzipien über Ihre Ängste stellen oder nicht. Denn alle Rechtfertigungen für den Staat basieren auf irgendwelchen Ängsten. Und die hat ein freier Mann nicht.

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  2. Der Glaube, durch Wahlen des „richtigen“ Staatsoberhaupts eine Organisation zu ändern (zu minimieren), die auf Gewalt gründet und nur durch Gewalt überlebensfähig ist, entspricht dem Glauben, man könnte die Gewalt, die von der Mafia ausgeht, durch die Wahl eines anderen Mitglieds der Mafia zu einer friedliebenden Organisation umgestalten. Dem Staat wohnt nur eines inne: Seine mit Gewalt seine Größe, seinen Einfluss und seine Macht zu erweitern. Nie und nimmer wird man ihn dazu bringen, sich zu minimieren. Erst wenn er Bankrott ist, also sich selbst zerstört hat, ist es möglich eine freie Gesellschaft (Anarchie) zu gründen. Bis dahin sollten möglichst viel Menschen vom Anarchismus überzeugt werden. Das geht besser, wenn man konsequent die Ideale des Anarchismus vorträgt und anhand gegenwärtigen Fehlentwicklungen, die von vielen als solche erkannt werden, erklärt, wie so etwas in einer Anarchie vermieden wird.

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  3. "Seine mit Gewalt seine Größe..."
    Muss heißen: Mit Gewalt seine Größe...

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  4. Bevor jetzt Missverständnisse aufkommen: Ich glaube dieser Staat wird scheitern bevor wir es schaffen den Glauben loszuwerden. Aber das macht nichts, denn das wird weder das erste noch das letzte Mal sein, dass das passiert.

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  5. Hättet ihr den Kommentar verstanden, dann würdet ihr hier jetzt nicht über eure anarchistischen Ideen sprechen. Ich schrieb ja dass wir als Libertäre alles probieren sollten, um den Staat zu verkleinern. Die demokratische Wahl ist meine Lösung. UND BITTE: Kommt mir jetzt nicht mit "Der will das System von innen zerstören und ist deshalb kein Libertärer.". Wenn ihr Ideen habt, wie man den Staat abschaffen kann, ohne dass es zu Konflikten kommt und ohne dass ihr gegen das NAP verstoßt, dann macht es doch. Das Problem ist: Ihr labert zu lange mit mir, anstatt eure Konzepte unter die Leute zu bringen. Wir sind eine MINDERHEIT. Streitet euch also lieber mit echten Etatisten, als mit euren Verbündeten.

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  6. Tss, Sie denken, alles was Sie machen ist libertär solange Sie als Ziel deklarieren den Staat zu verkleinern. Analog zum Kommunisten, der denkt, dass das Erschießen von "Klassenfeinden" ok wäre, weil er ja für die richtige Sache arbeitet.
    Aber genau das ist der Fehler: es ist definitiv von Bedeutung, welche Mittel Sie benutzen. Denn am Ende, wenn die Bilanz aufgestellt wird, steht da drin was Sie getan haben, nicht dass was Sie sich gewünscht haben.
    Sie gehören deshalb nicht zu unseren Verbündeten. Sie stärken den Staat mit dem Ruf nach Grenzkontrollen, egal was Sie hoffen damit zu bewirken, und fallen uns damit in den Rücken, anstatt gegen die Sozialleistungen anzuschreiben.

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  7. Dann träum weiter mit deinen anarchistischen Freunden und stelle mich mit Kommunisten gleich, so wird unser Traum bestimmt realisiert werden. Ich habe keine Lust weiter mit Leuten zu reden, die einem nur Vorwürfe machen und keine Konzepte aufstellen oder die Diskussion irgendwie voranbringen.

    Zum Abbau des Sozialstaats: Erst wenn wir die Grenzen schließen, können wir den Wohlfahrtsstaat abbauen. Und dir ist doch sicherlich klar, dass die meisten der Leute, die hier her kommen, alleinstehende, ungebildete Männer aus nicht-westlichen Kulturen sind.

    Ach und neben den ganzen Vorwürfen und Schmähungen, die folgen, kannst du mir mal vorschlagen, wie wir den Anarchismus den Menschen näher bringen wollen, ohne dass sie uns sofort ignorieren?

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  8. Ich stelle Sie nicht mit den Kommunisten gleich, ich sage nur dass Sie die gleichen Fehler machen. Sie sind dabei natürlich nicht allein, aber dadurch wird es nicht irgendwie besser denn man will sich ja abheben von denen.
    Dass man erst nach der Schließung der Grenzen den Sozialstaat reduzieren kann ist schon mal sachlich falsch. Die Dänen z.B. haben den Flüchtlingen einfach die Hilfe gekürzt.
    Diese Flüchtlingskrise ist im Hinblick auf den Wohlfahrtsstaat eigentlich das beste was uns passieren könnte. Jedesmal wenn ihn jemand verteidigt, brauchen Sie nur darauf hinzuweisen, dass davon jetzt noch ein Haufen Leute profitiert, die eigentlich jeder hasst und die große Probleme bereiten. Oder noch besser, wenn Sie vermitteln können, dass der Wohlfahrtsstaat überhaupt dafür verantwortlich ist, dass die kommen, und nebenbei das falsche Prinzip, auf dem er aufgebaut ist, zerlegen. Wenn Sie nicht in der Lage sind auf dieser Steilvorlage aufbauend (verbale) KO-Schläge gegen alle möglichen Features des Sozialismus auszuteilen, dann weiß ich wirklich nicht, wie Sie der Freiheitsbewegung von Nutzen sein können. Oder doch: Sie können Leuten, die wirklich gut sind, Geld spenden.
    Also, die offensichtlichen Fehler des Staates auszubeuten ist schon mal ein Vorschlag, wie Sie den Leuten den Anarchismus näher bringen können. Aber was man in einen Artikel hereinschreiben könnte - da sollten Sie eigentlich nicht mich fragen müssen, denn ich bin kein Autor oder Journalist. Wenn Sie keine eigenen Ideen haben, dann gehen Sie auf Youtube und schauen sich die Kanäle von den Leuten an, die reden manchmal wie sie es anstellen:
    http://globalefreiheit.de/links
    Es gibt trotzdem keine verlässliche keine Formel für so etwas, denn Menschen reagieren unterschiedlich. Sie müssen sich bewusst sein, dass es bei vielen Leuten, vor allem den Alten, nicht funktionieren wird, was dann nicht an Ihnen liegt. Sie wissen ja, wenn man einmal eine CD-ROM brennt kann man es danach nicht mehr machen - ähnlich funktioniert das auch bei Menschen. Die Alten denken Sie wären irgendwie klüger wegen ihrer Erfahrung, dabei sind sie nur festgefahren, lernunfähig und haben eine Menge Dinge gespeichert die niemand mehr braucht. Tja, Sie brauchen eine niedrige Zeitpräferenz, denn diese Leute wird niemand mehr von irgendwas überzeugen, die sterben dumm. Zu viele Argumente braucht man an die nicht zu verschwenden, sondern man muss sie so scharf wie möglich angreifen, damit bei Dritten der Eindruck entsteht, dass Sie sie mühelos auseinandernehmen könnten wenn Sie wollten und um zu verhindern, dass sie irgendjemand respektiert.
    Auf jeden Fall müssen Sie einfach GUT sein in dem was Sie machen, was leicht ist wenn Sie wirklich an die Sache glauben. Gehen Sie die Argumente durch, die Anarchisten bringen um die Fragen zu beantworten, die bei Ihnen Zweifel verursachen. Ehrlichkeit ist auch sehr wichtig: verstecken Sie die negativen Dinge, die in der Freiheit passieren könnten, nicht und kommen Sie den Einwänden der Gegner zuvor. Erklären Sie warum diese negativen Seiten notwendig sind und wie unmoralisch die Alternative ist. Die negativen Seiten sind sozusagen die vorderste Front, wo Sie besonders hart kämpfen müssen. Die philosophischen Grundlagen zu kennen und auf konkrete Situationen anwenden zu können ist dafür immer sehr nützlich - je intelligenter man ist, desto einfach ist das.

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