Sonntag, 3. April 2016

Im Visier der Copyrightjäger: Warum tun wir uns das eigentlich an?

Tomasz M. Froelich
von Tomasz M. Froelich
Wer aus dem Leben ein wenig mehr machen möchte, kann sich den Ärger kaum ersparen

Liebe Freunde der Freiheit,

Freitum gibt es schon seit über sechs Jahren. Sechs Jahre, in denen sich viel getan hat: Wurde unsere Seite anfangs etwa 20 mal am Tag aufgerufen, so erreichen wir mittlerweile täglich vier-, an manchen Tagen gar fünfstellige Seitenaufrufzahlen, Tendenz steigend. Veröffentlichten wir anfangs ein bis vier Artikel im Monat, so veröffentlichen wir derzeit im Schnitt mehr als einen Artikel täglich, wobei die steigende Quantität nicht mit einem Verlust der Qualität einhergeht, wovon die Verleihung der Roland-Baader-Auszeichnung an uns im Jahre 2012 zeugt. Zu verdanken haben wir dies nicht bloß unserem Autorenstamm, sondern ebenso den zahlreichen Gastautoren, mittlerweile über hundert an der Zahl. Auch unsere kleine Buchedition riefen wir ins Leben - neben der bereits erfolgten Veröffentlichung von Gustave de Molinaris ''Produktion der Sicherheit'' sind weitere Bücher in Planung, von denen zumindest ein weiteres noch in diesem Jahr erscheinen wird - man darf gespannt sein. In den sozialen Netzwerken sind wir präsent - man findet uns auf Facebook, Twitter und VKontakte, wo wir unsere Auftritte im Laufe der Zeit zunehmend professionalisieren konnten. Auf dieser Seite, die sicherlich das Herzstück unseres freiheitlichen Projekts bildet und in die die meiste Arbeit investiert wurde und wird, haben wir uns stets um ein leserfreundliches Layout bemüht und hoffen, dass uns dies bisher gut gelungen ist. Dazu gehörte auch die bildliche Untermalung der jeweiligen Artikel. Die ist uns nun aber zum Verhängnis geworden:

Als ich vor einigen Wochen den Briefkasten öffnete, empfing ich unerwartete Post von einer Grazer Kanzlei. Diese machte mir im Auftrag ihres Mandanten folgenden Vorwurf: Ich hätte im Artikel ,,Rien ne va plus: Der Staat und die Spielbanken'' ein von ihrem Mandanten gemachtes (inzwischen entferntes) Foto einer Roulette-Spielbank verwendet, ohne darunter seinen Namen angegeben zu haben. Auch der Lizenzhinweis habe gefehlt - die von mir angegebene Quelle ''Wikimedia'' scheint wohl unzureichend gewesen zu sein. Da ich die Lizenzbedingungen nicht eingehalten habe war die Nutzung des besagten Bildes rechtswidrig. 

Der Spaß ist natürlich nicht ganz so billig, wie man es sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines kleinen, privaten Instituts, Noch-Student und ehrenamtlich arbeitender Freitum-Chefredakteur so erhoffen würde: Der Photograph gibt sich mit einem Entschädigungsbeitrag von 180 Euro zufrieden, während die Kosten für die juristischen Dienstleistungen, die vom Photographen in Anspruch genommen wurden, etwa doppelt so hoch sind, sodass sich in der Summe ein zu entrichtender Betrag von über 500 Euro ergibt.

Das sind aberwitzige Summen, die natürlich durch staatliches Zutun in die Höhe getrieben werden: Vom Staat festgelegte Zugangsbarrieren, der wuchernde Paragraphendschungel und das Berechtigungswesen verzerren den Markt für juristische Dienstleistungen erheblich - nur noch ein kleiner und eigens dafür lizenzierter Personenkreis ist befugt juristische Dienstleistungen (kommerziell) anzubieten, was die Preise entsprechend künstlich nach oben hievt: weit über 300 Euro für ein Standardschreiben, dem einige wenige Angaben hinzugefügt wurden - auf dem freien Markt kaum vorstellbar.

Was das Vorgehen des Photographen angeht, der sich nicht darum scherte zunächst einmal Kontakt mit mir aufzunehmen, ehe er seinen Anwalt beauftragte, so denke ich, dass ein netter Mensch es ertragen können sollte, dass andere Menschen sein der Öffentlichkeit zur Verfügung gestelltes Bild nutzen und dabei versehentlich und keinesfalls böswillig vergessen ihn als Urheber des Bildes zu nennen, und es sich abgewöhnen sollte, sobald ihm dies nicht gefällt, sofort nach dem Anwalt zu rufen. Nur sind nun mal nicht alle Menschen nett - Pech gehabt. 

Das Copyright, auf das sich der ''geschädigte'' Photograph beruft, ist ohnehin nicht unumstritten, schon gar nicht unter Libertären. So gibt es libertäre Befürworter des Copyright, die es etwa wie David Friedman utilitaristisch begründen, indem sie davon ausgehen, dass das Copyright das Trittbrettfahrerproblem reduziere, zu mehr künstlerischen und kreativen Innovationen führe und dadurch den Wohlstand maximiere; ebenso wie es Libertäre (etwa Galambos, Schulman, Rand, zuvor Spencer und Spooner) gibt, die geistiges Eigentum genauso naturrechtlich oder zumindest nicht rein utilitaristisch begründen wie greifbares Eigentum - sinngemäß: da die eigene Arbeit einem gehöre, habe man auch ein natürliches Recht an den Früchten der eigenen Arbeit, welches auch für die eigens geschaffene Kunst oder die eigens gedachten Ideen gelte. 

Libertäre Gegner des Copyright, wie etwa Hans-Hermann Hoppe oder Stephan Kinsella, sind hingegen der Ansicht, dass sich mit dem philosophischen und auf dem Naturrecht beruhenden Argument, mit dem das Eigentumsrecht begründet wird, ein Recht auf geistiges Eigentum philosophisch nicht begründen lässt. Während das Eigentumsrecht durch die Knappheit und der dadurch bestehenden Möglichkeit für physische Konflikte, die vermieden werden sollen, begründet wird, stellt geistiges Eigentum eine gesetzliche Konstruktion dar, die eine neue Art der originären Aneignung vorschlägt, die es kritisch zu hinterfragen gilt, zumal geistiges Eigentum nicht durch Knappheit begründet werden kann und nicht zuletzt einen Eingriff in das Eigentum anderer, die nun nicht gänzlich frei über ihr Eigentum verfügen dürfen, darstellt. Soweit ein kurzer Überblick zu den libertären Standpunkten bezüglich des Copyright.

Trotz all der hier geübten Kritik an den Paragraphen und Photographen möchte ich meine eigene Unzulänglichkeit in dieser Causa nicht schön reden: Der von mir begangene Fehler wäre leicht zu verhindern gewesen, keine Frage! Dass ein solcher Fehler über 500 Euro - und im Falle einer Verhandlung womöglich noch wesentlich mehr - kosten soll, ist dennoch nicht einzusehen und mitunter frustrierend: Man ist bestrebt aus seinem Leben ein wenig mehr zu machen, lässt andere daran teilhaben, fällt dabei aber umso kräftiger auf die Schnauze. Diese zu halten, sich um die eigene Freiheit und die Freiheit der anderen nicht zu scheren und dem fast hoffnungslosen Kampf für die Freiheit, wie er von einigen wenigen zivilgesellschaftlich oder in wissenschaftlichen, intellektuellen und publizistischen Diskursen geführt wird, tatenlos zuzuschauen, wäre sicherlich komfortabler. Ein glaubwürdiger Freiheitskämpfer verzichtet jedoch mitunter auf seinen Komfort, um der guten Sache zu dienen.

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Mit der Hoffnung auf zahlreiche Unterstützung für die Freiheit,









Tomasz M. Froelich
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