Donnerstag, 7. April 2016

Die totale Umvolkung

von Kurt Kowalsky
Da hat eines der sogenannten Urgesteine des Anarchokapitalismus einen anderen Anarchokapitalisten wegen des Wortes "Umvolkung" auf Facebook entfreundet. Und obwohl ich den Letzteren aus persönlichen Gründen überhaupt nicht mag, sagte er in seiner Video-Antwort, er benutze die Worte, welche er für richtig halte: "Umvolkung, Umvolkung, Umvolkung!"

Finde ich eine gute Idee. Das Wort "Umvolkung" ist wohl eine Wortprägung des Republikaners Prof. Karl Albrecht Schachtschneider. Ein gut gewählter Begriff, denn er beschreibt genau, was gemeint ist, denkt man in Kategorien wie ''Volk'' und ''Vaterland''.

Das deutsche "Kernvolk'' wird demnach von anderen Völkern umfasst. Und zwar auf eigenem Territorium und nicht aufgrund territorialer Nachbarschaft. Dieser Umstand ist bei mir hier schon längst Realität. Schätzungsweise 80 Prozent der mir benachbarten Bevölkerung ist mit Sicherheit nicht deutschstämmig. So gesehen wurde ich "umvolkt".

Ich selbst bilde in dieser Reduktion also den Volkskern, während eine Treppe tiefer bereits eine Thailänderin wohnt, nebenan mindestens vier Russen, vis-à-vis Araber, Rumänen, Bulgaren, Afrikaner - eben komme ich von einem türkischen Friseur.

Ich selbst fühle mich in meiner persönlichen Integrität stark verletzt. Das liegt nun jedoch nicht an meiner Nachbarschaft, sondern an der Tatsache, dass das Kernvolk, welches meines sein soll, eine Staatsform gut heißt, welche man Demokratismus nennt. Dieses deutsche Volk ist in seiner intellektuellen und charakterlichen Prägung derart fragwürdig, dass ich mit ihm nur wenig gemein habe. Denn die politischen Machthaber, werden, bei aller Kritik, von der großen Mehrheit der Volksangehörigen gestützt.

Ich fühle mich umvolkt von devoten Mitmenschen, welche nahezu jede Entscheidung der politischen Machthaber akzeptieren und als die ihrige annehmen. Ich fühle mich umvolkt von Leuten, welche glauben, durch das Heben ihrer faulen Hand mitbestimmen zu dürfen, was ich zu tun und zu unterlassen hätte.

Grenzen, so einer der obigen Anarchokapitalisten, wären für den Anarchokapitalismus sehr wichtig. Ohne Grenzen ist Eigentum nicht darstellbar. So ist es!

Das Volk, das meines sein soll, verletzt ständig die Grenzen meiner Integrität. Es verletzt sie, weil es einen Gewaltmonopolisten befürwortet und ihm ständig Macht verleiht. Ohne diese Machtverleihung wäre seine Herrschaft schnell zu Ende.

Ich bin umvolkt von Leuten, deren Verständnis für Freiheit und Autonomie man nicht unter Meinung, sondern unter geistiger Verwirrung kategorisieren sollte.

Die Massenvergewaltigung (siehe mein entsprechender Artikel auf Libertäre Rundschau) hat nur am Rande mit Flüchtlingen und Zugereisten zu tun. Sie findet seit über 65 Jahren satt und sie wird vom Großteil der Leute akzeptiert.

Jeder Ruf nach Eingriff des Staates wird sein Gewaltmonopol stärken. Das passiert schon dann, ruft man die Polizei, weil die Versicherung den Einbruchsschaden sonst nicht begleichen würde. Man kann zwischen Galeerensklaven, welche das Rudern und Auspeitschen für zweckmäßig ansehen, sich kaum widerspruchsfrei verhalten und überleben.

"Mama, ich mag nicht nach Amerika."

"Sei ruhig und schwimm weiter."

Kommentare:

  1. Guter Artikel, mein einziger Kritikpunkt ist das Beispiel mit dem Ruf nach der Polizei. Man hat eben keine Wahl, da sie diese Dienstleistung monopolisiert haben. Genauso wenig kann ich ohne das staatliche Geld überleben oder vermeiden über die staatliche Straße zu laufen.

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  2. Was den zweiten der beiden Anarchokapitalisten in letzter Zeit reitet ist mir auch ein Rätsel. Schon seine Wahlempfehlung war irritierend. Vor allem wie er dann auch immer betont, wie logisch doch alles ist was er so erzählt.
    Ich glaube in der AnCap-Szene wäre eine bestimmte Diskussion wichtig. Nämlich die Diskussion über Eigentum an Grundstücken, besser Lebensraum. Das ist der Knackpunkt auf den ich die ganzen Fehlannahmen des genannten zweiten Anarchokapitalisten zurückführe.
    Meiner Meinung nach kann ein Grundstück, also der Lebensraum, kein Eigentum von irgendjemanden werden. Als AnCap akzeptiert man, wenn jemand ein Grundstück nutzt und darauf z.B. sein Haus steht. Wenn ein Grundstück nicht genutzt wird, ist es frei für andere um dort z.B. ein Haus zu bauen.
    Manche AnCaps oder Libertäre betonen immer, dass in einer Privatrechtsordnung alles irgendjemandem gehört. So auch der oben genannte zweite AnCap. Das ist meiner Meinung nach ein fataler Irrtum, der letzten Endes nicht in eine freiere Welt führt. Eigentum kann nur werden, was man sich zu "eigen" machen kann. Lebensraum kann man sich nicht zu "eigen" machen.
    Dieser Glaube daran, dass jemand Privatbesitz an Lebensraum haben kann, würde nur dazu führen, dass lauter kleine "Staaten" entstünden, die unter dem Label "Privatrechtsordnung" laufen. Dann schließen sich viele dieser kleinen Privatrechtsordnungen zu einer Großen zusammen und man ist wieder da wo man angefangen hat. Man erhält wieder einen totalitären Staat.
    Eine Privatrechtsordnung kann sich nicht auf ein Gebiet beziehen, sondern nur auf Individuen, welche in einem vertraglichen Verhältnis miteinander stehen.

    Ist nur eine Vermutung von mir, aber ich denke die Äußerungen des Oli J. sind darauf zurückzuführen.

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  3. Grundstücke, die nicht genutzt werden, sind der Theorie (siehe HHH) nach ebenfalls frei verfügbar wie die Grundstücke, die sich noch niemand angeeignet hat. Das Eigentum an diesen ist dann aufgegegben worden. Das Landeigentum gänzlich abzulehnen ist nicht sinnvoll, wenn man das Recht zur exklusiven Nutzung beibehalten möchte - das fällt nämlich unter die Definition des Eigentums :) .

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  4. @rote_pille
    Wie ich oben schon geschrieben habe, besteht da aus meiner Sicht Diskussionsbedarf. Vielleicht kann die Sache mit dem Landeigentum auch nicht so wirklich Hundertprozentig in klare "Regeln" gefasst werden.
    Vor ein paar Monaten hat jemand geschrieben, weiß nicht mehr wer das war: Wenn 5 Fremde in ein Dorf kommen freuen sich alle, sind neugierig und machen ein Fest. Wenn 500 Fremde in ein Dorf kommen werden die Leute skeptisch. Wenn 5000 kommen, dann werden die Messer gewetzt.
    Diesbezüglich kann ich den Oliver Janich durchaus verstehen. Wenn so eine Einwanderungswelle den Anschein einer Invasion macht, dann wird der eigene Lebensraum (Landeigentum) mit allen Mitteln verteidigt.
    Wenn man es aber grundsätzlich so sieht, dass Land Eigentum ist und dieses Eigentum ja nach der voluntaristischen Philosophie mit Fug und Recht verteidigt werden darf, dann macht mir das auch Bauchschmerzen. Dann entsteht bei mir der Eindruck, dass die neue Freiheit so aussieht, dass jeder in seiner kleinen Parzelle sitzt und nicht mehr rauskommt, weil er von Privateigentum umzingelt ist.

    Vielleicht kann sich ja der Stefan Blankertz und der Oliver Janich darüber noch mal unterhalten. Also die Diskussion läuft aus meiner Sicht darauf hinaus, dass ich als freiheitlich denkender Mensch eigentlich gar keine Grenzen will (Deswegen mein Versuch Landeigentum und Lebensraum zu unterscheiden. Oder wegen mir ein exklusives Nutzungsrecht, aber kein Recht andere daran zu hindern über dieses Land zu gehen, also keine Grenzen). Wenn man aber von einer Invasion überrannt wird, dann will ich mich davor schützen und in dem Moment gibt es dann auch so was wie eine Grenze.

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  5. Nein, das gibt kein Problem, denn:
    - Das Recht, die Grundstücke der Umgebung betreten zu können, hat man sich schon vorher angeeignet, das darf einem nicht mehr genommen werden. Wenn man jetzt ein Haus hat und es vor der Privatisierung erreichen kann, dann muss man es hinterher auch können. Straßen in einer Siedlung würden wahrscheinlich so privatisiert werden, dass alle Anwohner einer Straße einen Anteil an ihr bekommen und die Erhaltung zu den Nebenkosten hinzugefügt wird. Das Nutzungsrecht wäre so mit dem anliegenden Grundstück verbunden. Die Straßengemeinschaften würden natürlich nicht plötzlich damit anfangen, sich gegenseitig auszusperren, da sie sich so gleichzeitig auch selbst eingesperrt hätten. Und niemand darf sowieso vollständig eingesperrt werden, weil einem dann ein Recht genommen werden würde, welches man vorher hatte, nämlich die Möglichkeit die anderen zu erreichen.
    - Es wäre sehr unpraktisch bzw. unbezahlbar, an der Grenze jedes Grundstücks Zäune und Bewacher aufzustellen. Es gäbe sicher Gated Commmunities, aber das könnte den anderen, die daran einfach vorbeifahren, vollkommen egal sein. Wenn sich eine Gruppe selbst freiwillig einsperrt, dann ist das ihre Sache, solange es Straßen ging, die drumherum führen. Alle anderen können immer noch jeden erreichen, der erreicht werden möchte. Überhaupt: wieso sollte jemand so etwas machen wollen? Warum sollten die Leute jetzt auf einmal Zäune und Checkpoints an jeder Straßenecke haben wollen?
    - Die Geschäfte möchten, dass man sie erreichen kann. Sie werden tendenziell in besser erreichbaren Gegenden liegen.
    - Ohne Staat keine Einwanderungswelle. Die könnten sich den Umzug eh nicht leisten. Und der beste und billigste Selbstschutz ist immer noch eine feste Tür und eine Waffe im Schrank und nicht Hunderte Millionen Kilometer Zaun bewacht von einer Armada an privaten Wachmännern, die man aus eigener Tasche aufbauen bzw. bezahlen muss.

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  6. Also wenn du mich fragst warum die Menschen das tun sollten (Zäune, Checkpoints, gated Communities), kann ich nur Antworten: Keine Ahnung, das ist ja nicht mein Weltbild, sondern so wie ich Oliver Janich verstanden habe.
    Nach der Einwanderungswelle gefragt und wie das in einer Privatrechtsordnung aussehen würde, hat er geantwortet (aus dem Gedächtnis): Da alles privat ist kann ja niemand ohne Einladung rein kommen.
    Er zeichnet da für mich eben ein Bild, dass das Land, soweit das Auge reicht, von Privatbesitz und gated Communities übersät ist und da kann man nur rein, wenn man von irgendjemandem eingeladen wurde. Diese Aussicht klingt für mich nicht sonderlich frei.

    So wie du das beschrieben hast, sind wir beide uns für den Normalfall ja einig.

    Jetzt der Nicht-Normalfall, eine Invasion:
    - In einer komplett freien Welt gäbe es keine Invasion und auch keine Flüchtlingskrise. Da sind wir uns auch einig.
    - Einwanderung wäre natürlich möglich, aber nicht in dem Ausmaß, wie mit diesem Sozialstaat.
    Jetzt kommt der Spezialfall:
    Eine zukünftige freie Welt entsteht vermutlich ausgehend von mehr oder weniger größeren Gebieten. Diese freien Gebiete sind dann umzingelt von Herrschaftssystemen. Jedes Herrschaftssystem hat die Tendenz imperialistisch zu sein. Über die letzten 5000 Jahre haben sie schließlich den gesamten Globus überzogen. Also ich gehe davon aus, dass neu entstandene freie Gebiete, ständig und immer wieder von diesen Herrschaftssystemen zurück erobert werden wollen. Angenommen die heutige BRD wäre frei. Mit 80 Millionen Menschen könnte keine Armee der Welt dieses Gebiet auf einmal einnehmen. Aber diese Invasionsarmee könnte vom Rand her Stück für Stück erobern.
    Meiner Meinung nach haben die Menschen in dem freien Gebiet natürlich das Recht sich zu organisieren und diese Invasion schon am Rand zu stoppen (fällt unter Notwehr). Dadurch hat man aber wieder eine Grenze. Also die Menschen in dem freien Gebiet schützen die Grenzen des freien Gebietes. Was sagst du dazu?
    (Geschichte: siehe Irland und britisches Imperium. Das British Empire hat es immer wieder probiert und letztendlich geschafft Irland einzunehmen)

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  7. Ok, nehmen wir mal an Deutschland ist frei und Frankreich noch nicht. Die französische Regierung möchte sich nun ein Stück von Deutschland packen. Ihre Strategie ist, sich langsam vom Rand im Westen bis nach Sachsen vorzufressen.
    Dazu muss sie Truppen schicken, deren Intention selbstverständlich klar erkennbar an den Waffen und an der Anzahl der Leute ist, die sie mitbringen. Niemand ist gezwungen jemanden irgendwo hereinzulassen, der ganz klar die Absicht signalisiert einen zum Sklaven machen zu wollen. Wenn so eine Armee auf einen zurollt, dann kann man getrost davon ausgehen, dass sie aggressive Absichten verfolgt und schon reagieren. Wenn jemand mit einer Waffe auf mich zuläuft und schon gezeigt hat wozu er fähig ist (die Franzosen werden ja schon beherrscht), muss ich nicht warten bis er abdrückt, bevor ich mich verteidigen darf. Die Eigentümer würden das als Angriff werten und die Sicherheitsdienste rufen um die Invasion aufzuhalten (falls es überhaupt dazu käme, ich beschreibe in Kommentar #99 von dem Artikel hier, warum es sehr unwahrscheinlich ist, dass es überhaupt je so kommt und wie die Abwehr so aussieht).
    Dass die Leute in z.B. Berlin völlig indifferent gegenüber einem französischen Angriff in NRW oder Rheinland-Pfalz wären, ist auch sehr unwahrscheinlich. Deren Intelligenz dürfte sehr wohl ausreichen um zu wissen, dass sie die nächsten sind, und die Sicherheitsdienste würden schon von ganz alleine dafür sorgen, dass die Bedrohung medial vermittelt wird, weil sie die Nachfrage nach ihren Diensten so hoch wie möglich halten wollen.
    Durch das Vorgehen der Sicherheitsdienste entsteht aber trotzdem immer noch nicht so etwas wie eine Staatsgrenze, denn das Kriterium, ob man noch passieren darf ist nicht, ob man irgendwelche Papiere hat, die jemand nach willkürlichen Kriterien zur Rechtfertigung seiner Verletzung von Eigentumsrechten und seines Anspruchs auf ein Hoheitsgebiet ausstellt, sondern ob man gerade versucht einen Angriff auf jemanden durchzuführen oder nicht, was weder eine Person innerhalb noch eine Person außerhalb des Gebietes tun darf. Auch gegen Berliner oder Sachsen könnte so eine "Grenze" aufgestellt werden, wenn sie sich zusammentun und irgendwelche Panzer ausschicken. Französische Bürger können immer noch als Touristen oder Geschäftsleute kommen oder in das Gebiet umziehen. Oder sie nehmen das nächste Passagierflugzeug und fliegen einfach drüber.
    Was die Frage angeht, ob ein Gebiet zurückerorbert werden könnte: nein, wahrscheinlich nicht. Wenn man einmal den Glauben an die Regierung verloren hat, kommt der auch nicht mehr wieder. Bisher haben die Imperien darauf aufgebaut, dass sie Herrscher ausgetauscht haben, nicht darauf, dass Sie den Glauben an Herrschaft in die eroberten Gebiete gebracht haben. Schon jetzt sind die Imperialisten praktisch tot und begraben: Gebietsausweitung wird als Kriegsgrund in keinem fortgeschrittenerem Land mehr von der Bevölkerung akzeptiert oder mitgetragen. Irgendwelche Gebiete in Europa zu besetzen würde sie nur noch weiter delegitimieren.

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  8. Also ich kann dir da in keinem Punkt widersprechen. Sehe ich ganz genauso.
    Dass die freiwillig bezahlten Sicherheitsdienste an der Grenze den ganzen Tag Plastikkärtchen anschauen, so wie bei einer Staatsgrenze, denke ich auch nicht. So einen Unfug würde in Freiheit kein Mensch bezahlen.
    Also die Grenzsicherung gegen Invasion würde nicht so aussehen und umgesetzt werden wie das ein Staat macht, aber wenn die Umstände entsprechend sind, könnte in einer freien Gesellschaft eben eine Art Grenzsicherung entstehen.

    Im Endeffekt würde mich ja jetzt nur interessieren ob die beiden im obigen Artikel genannten Protagonisten der AnCap-Szene, mit dem hier geschriebenen auch einverstanden sind.
    Vielleicht erinnerst du dich aus früheren Diskussionen, dass für mich die oberste Priorität eine möglichst effektive Verbreitung der freiheitlich Idee ist. Und Stefan Blankertz und Oliver Janich erreichen ja Tausende Leute und diese verbreiten es wieder weiter. Bei Stefan Blankertz könnte ich mir vorstellen, dass bei Neulingen der Eindruck entstehen könnte, dass eine freie Gesellschaft sich nicht gegen eine Invasion verteidigen kann und bei Oliver Janich könnte der Eindruck entstehen, dass alle in privaten gated Communities sitzen und da ohne Einladung nicht mehr raus kommen.
    Wenn so ein Eindruck bei Neulingen entsteht, wäre das eben nicht so gut für die Verbreitung der Idee. Vielleicht lesen die beiden ja hier mit und können/wollen was dazu sagen.

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