Donnerstag, 3. März 2016

Der Irrtum des zeitkonstruktivistischen Waffenverbotsarguments

von Tommy Casagrande
Steven Pinker hat sich in einer Verteidigung des Staates hinsichtlich eines Waffenverbotes auf den Historiker Peter Spierenburg berufen.

"Der Historiker Pieter Spierenburg hat es provokant so formuliert, dass 'die Demokratie zu früh' nach Amerika [USA] gekommen sei. In Europa hat der Staat zunächst die Menschen entwaffnet und dann ein Gewaltmonopol errichtet, und dann übernahmen die Leute die Staatsapparate. In Amerika haben die Menschen den Staat übernommen, noch bevor er sie dazu gezwungen hat, die Waffen niederzulegen."

Das Zeitargument, wann ein Staat einem Menschen die Waffen abgenommen hat, ist unsinnig:

1. Wenn man annimmt, dass eine Demokratie etwas mit Entscheidungsfreiheiten zu tun habe, dann kann es nicht Voraussetzung für die Demokratie sein, vorab zu entscheiden, nach welcher, nach der wievielten oder sonst wie gearteten Entscheidung es erst möglich sein solle oder könne, Demokratie zu machen. So jedenfalls muss es für einen Demokratiebegriff gelten, in dem Entscheidungen demokratisch zu organisieren Kern seiner Existenz ist.

Nimmt man nun an, dass der Demokratiebegriff an die individuelle Freiheit gebunden sein sollte, so wie dieser Begriff auch ursprünglich entstanden ist, dann kann erst recht nicht gelten, Menschen gegen ihren Willen zu entwaffnen, um dann einen Zustand der demokratischen Freiheit zu etablieren, der einhergeht mit dem Schutze des Individuums und seiner Freiheiten.

2. Da Menschen nicht ewig leben, sterben sie. Jedoch werden auch immer wieder Menschen neu geboren. Und für einen neugeborenen Menschen steht die Auseinandersetzung darum, warum der Staat ihm keine Waffen erlauben will, erst vor sich. Nach Pinkers Argumentation hat dieser Mensch die Auseinandersetzung schon hinter sich gebracht. Im Zustand der Ungeborenheit müsste sowas wie eine alle Menschen umfassende, oder nur die Menschen einer Nation umfassende Seele, mit gleichem Bewusstsein ausgestattet existieren und schon während man als Fötus sich heranbildet, habe man das staatliche Waffenverbot akzeptiert.

Das ist Esoterik.

3. Menschen können ihre Sichtweise ändern. Gerade auch in Demokratien ist es möglich, dass sich einstmals beschlossene Gesetze und Verbote durch neue an die Macht kommende Bewegungen beseitigen lassen. Wenn Menschen einen Bewusstseinswandel erfahren können, dann muss die Annahme, ein Staat bildet oder prägt so etwas wie ein völkisches oder nationales Bewusstsein ab, an dass sich auch Menschen bereitwillig halten werden, die erst geboren werden müssen, falsch sein. 

Es ist ein mechanistisches und starres Modell über Bewusstseinszustände, das sich vielleicht damit erklären lässt, dass Steven Pinker Genetiker ist. In vielerlei Hinsicht reduziert er jedes menschliche Verhalten auf eine Codierung von Zellen. Die Annahme spontanen Wandels, spontaner Verhaltensweisen, spontaner Veränderungen, Dynamik, sind ihm eher fremd oder zu abstrakt. 

Doch die gleichen starren Vorstellungen vom Menschsein, deren Ursache er letztlich in den Genen verortet, sehen andere Wissenschaftler wiederum im Gehirn und andere in der Kultur begründet.

Letztlich versuchen sie allesamt die Gewalt eines Monopols zu verteidigen und streiten sich untereinander wie eine Bande von Kommunisten darum, wer das Gewaltmonopol bestmöglich beeinflussen solle.

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