Donnerstag, 10. März 2016

Das liberale Argument für GMOs

Goldig: Goldener Reis (oben). Foto von International Rice
Research Institute (IRRI) [CC BY 2.0], via Wiki Commons
von Mohammad Malayeri
Das Internet hat, was die Forschungspraxis anbetrifft, vieles verändert. Vor dem Zeitalter des Internets mussten Wissenschaftler bei ihrer Forschung auf Bücher aus den Bibliotheken zurückgreifen. Das war komplizierter als heute, aber immerhin basierten die Information in den meisten Fällen auf glaubwürdigen Quellen. Mit der Expansion des Internets haben Menschen Zugriff zu einer grenzlosen Menge von Informationen. Das Internet ermöglicht es ihnen viele wissenschaftliche Arbeiten und Studien weltweit auf ihren mobilen Geräten zu lesen. Die meisten Menschen nehmen sich nicht die Zeit, um seriöse und wissenschaftliche Studien zu lesen, sondern holen sich stattdessen ihre Information durch Videos auf YouTube oder von Facebookseiten mit einfallsreichen Memes. 

Angst vor technischem Fortschritt gibt es in unserer Gesellschaft schon seit der Erfindung des Feuers. Bei gentechnisch veränderten Lebensmitteln (GMOs) lässt sich ein Geschäftskonzept hinter dem erbitterten Widerstand gegen solche erkennen – so verdienen Bio-Bauern ganz gut mit der Behauptung, dass GMOs schädlich seien.

Beginnen wir mit den Basics. Was sind GMOs? Seit jeher haben Bauern mit DNA-Sequenzen von unterschiedlichen Pflanzen experimentiert, um etwas Neues zu schaffen. Mit Hilfe von genetischer Kreuzung haben Menschen Pflanzen, wie etwa Kartoffeln, Weizen und Reis, in ihrer heutigen Form geschaffen. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert konnten wir dank der Steigerung des Wissens über die Genetik und die Entdeckung der DNA solche Prozesse in einer neuen Form durchführen. Dieses Wissen hat geholfen GMOs auf effektivere Weise zu erschaffen. Es hat ermöglicht, Gensequenzen in Laboren durch Gentechnik zu verändern. Die neue Wissenschaft schafft Eigenschaftskombinationen bei Pflanzen, die früher unmöglich waren. Das schafft viele Vorteile – eine Steigerung in der Nahrungsmittelproduktion, aber auch die Möglichkeit Gebiete für landwirtschaftliche Nutzung zu erschließen, die für herkömmliche Methoden nicht geeignet wären. Laut Bevölkerungsprognosen wird die Weltpopulation in nächster Zukunft auf über 9 Milliarden Menschen anwachsen. Dementsprechend wird die Nachfrage für Lebensmittel größer werden. Auftretende Naturkatastrophen werden Auswirkungen auf eine größere Anzahl von Menschen haben, weswegen es wichtig sein wird, eine gesicherte Lebensmittelversorgung zu haben. Europa ist aufgrund stagnierender oder gar sinkender Bevölkerungszahlen nicht zwangsläufig auf gentechnisch veränderte Lebensmittel angewiesen, die Welt als Ganzes aber schon.

Wie beeinflusst bin ich durch meine politischen Überzeugungen, wenn es um dieses Thema geht? Als prinzipientreuer Liberaler glaube ich, dass Regierungen keiner bestimmten landwirtschaftlichen Produktion den Vorrang geben sollten. Obwohl ich GMOs unterstütze, glaube ich, dass es keine Subventionen dafür geben sollte. Es könnte genauso gut Fälle geben, in denen ein Wechsel vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen zu herkömmlicher Produktion sinnvoll erscheint. Ich glaube, dass es sinnvoll ist, wenn GMO-Bauern ihre Anbaupläne mit denen der Bauern, die nicht auf die Gentechnik setzen, koordinieren, damit Felder zu verschiedenen Jahreszeiten genutzt werden können. Wie dem auch sei, bin ich der Auffassung, dass die Eigentumsrechte aller Bauern respektiert werden sollten. 

Nun zur Frage, ob GMOs die Welt bei einer Nahrungsmittelkrise retten könnten: GMOs könnten die Nahrungsmittelproduktion systematisch vergrößern, ohne den Bedarf an Land zu erhöhen. GMOs benötigen, im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft, nur die Hälfte der Ressourcen. Laut gängiger Meinung wird die Anzahl der Dürren in Afrika innerhalb der nächsten 25 Jahre um mehr als 50% steigen. GMO-Forschung wird durchgeführt, um in diesen Gebieten den Wasserverbrauch der Landwirtschaft zu minimieren und Getreide komplett gegen Insekten resistent zu machen. Das würde bedeuten, dass schädliche Pestizide, die ihrerseits negative ökologische Auswirkungen haben, nicht mehr notwendig wären. An dieser Stelle sei auch angemerkt, dass natürlich auch Biobauern Pestizide verwenden, wenn auch unter strengeren Auflagen. Wenn man GMO-Landwirtschaft heute in Afrika betreiben würde, könnte der Preis von Lebensmitteln um bis zu 40% reduziert werden. 

Ein großer Erfolg der GMOs ist der Golden-Rice-Project. GMO-Forscher haben Reis mit den zusätzlichen Inhaltsstoffen Vitamin A und Zink im Labor entwickelt. 

Durch die Einführung dieses neuen Reistyps versucht das Golden-Rice-Project Menschen zu helfen, ohne deren Essgewohnheiten zu verändern. Laut UNICEF sterben jährlich 1,5 Millionen Menschen an einem Vitamin-A-Mangel. Goldener Reis könnte diese Anzahl reduzieren. Das bedeutet nicht, dass schlagartig niemand mehr sterben würde, aber in vom Golden-Rice-Project durchgeführten Studien wird prophezeit, dass die Todesrate um bis zu 50% reduziert werden könnte. Die Produzenten dieses neuen Reistyps geben diese Lizenz gratis an alle Bauern, deren jährlicher Profit unter 10.000 US-$ liegt. Ziel ist es natürlich,die Nutzungsrate unter den Ärmsten der Armen zu erhöhen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Einsatz von GMOs auch gewisse Risiken nach sich ziehen kann (so etwas kann nie ausgeschlossen werden), die Vorteile aber bei Weitem überwiegen. 

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Als ob "Biobauern" nicht auch Geld mit super gesunden Reis mit Vitamin A und anderen Superman-Inhaltsstoffen machen könnten.

Da sie ja für das Eigentum sind, dann sind Sie bestimmt dafür. Das der GMO-Weizen so angebaut wird, dass er im Winter seine Pollen verbreitet, da er ja sonst das Saatgut der anderen Bauern zerstört. Das gilt natürlich auch für Erbsen mit der zusätzlichen Eigenschaft Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, die dürfen auch nur im Winter blühen.

Außerdem gibt es auf der Welt genug Nahrung um 12 Milliarden Menschen zu ernähren. Aber die Freiheit einiger Menschen führt dazu, dass diese Nahrungsmittel zerstört werden und Millionen Menschen hungern. Wie weit geht ihre Freiheitsliebe? Soweit, dass Menschen Nahrungsmittel vernichten dürfen? Soweit, dass das Saatgut anderer Bauern zerstört werden kann? Soweit, dass Bienen und andere Insekten mit evtl. Giftstoffen, die GMO-Pflanzen produzieren ausgerotet werden.

Oder sollte man den Menschen dies verbieten.
Als freier Mensch muß man die Freiheit der anderen respektieren und schützen. Wie wollen Sie das mit GMO schaffen.

Mit GMO kommen ja nicht nur neue Gene in die Umwelt, sondern auch neue Pestizide, die man nicht ausreichend testen kann um deren Auswirkung auf die Natur zu kennen bevor man sie einsetzt. Wie kann man frei entscheiden, wenn man nicht weiß, was dafür und dagegen spricht?


rote_pille hat gesagt…

Pollen verbreiten sich in alle Richtungen, genauso könnte der andere GMO-Bauer argumentieren, dass sein Saatgut "zerstört" wird. Und? Waffenstillstand. Das muss halt akzeptiert werden.
Die GMOs wurden gerade erfunden, weil sie WENIGER Pestizide brauchen. Es gibt keine Beweise, dass die GMOs für die Bienen problematisch sind.
Warum sollten Menschen nicht ihr Eigentum vernichten dürfen? Sie vernichten es auch nicht zum Spaß, sondern weil es eine Fehleinschätzung bezüglich der Nachfrage gab und der Rest nicht verkauft werden konnte. Aber wenn man sie zwingen würde alles zu verschenken, dann würden viel mehr Leute nichts kaufen und nur darauf warten, dass man ihnen was gibt, was einen Produktionsrückgang, Preiserhöhungen und am Ende noch mehr Hunger nach sich ziehen würde. Deshalb sollte Eigentum respektiert und kein Mensch zur Abgabe davon gezwungen werden.

rote_pille hat gesagt…

Und wenn Sie immer noch überzeugt sind, der Staat sollte in die Lebensmittelversorgung eingreifen, dann bitte ich Sie sich über die Situation in Venezuela zu informieren. Dort wird das von der Regierung kontrolliert.

Anonym hat gesagt…

1. Gehirn aktivieren
2. https://www.youtube.com/watch?v=BMGYCwK3FTE

Fragen oder gar noch Argumente?

Hab ich mir gedacht

IrlandsCall hat gesagt…

Es geht nicht darum ob etwas gut oder schlecht ist. Die Menschen wollen es nicht. Das alleine zählt.

Rauschi hat gesagt…

@rote_pille
tolle Aussage, zeugt von enormem Unissen:
"Pollen verbreiten sich in alle Richtungen, genauso könnte der andere GMO-Bauer argumentieren, dass sein Saatgut "zerstört" wird. Und? Waffenstillstand. Das muss halt akzeptiert werden."
Das genau kann der GMO Bauern nicht, denn er hat gar kein Recht an dem Saatgut, das MUSS er jedes Jahr neu beim Lieferanten kaufen, von daher ist auch ein möglicher Einfluss der Nachbarfelder egal, denn die Auswirkungen zeigen sich ja erst bei der nächsten Aussaat.
Das jemand, der so eine Wichtigkeit in der Freiheit des Eigentum sieht, dermassen unterkomplex denkt, finde ich schon erstaunlich.
Auch ein Selbstständiger ist ja von seinen Kunden und deren Kaufkraft abhängig und damit von der arbeitsteiligen Wirtschaft. Wer kann schon sagen, wer welchen Anteil am eigenen Erfolg hat? Da wirkt soviel zusammen, das sich niemand etwas nur sich selbst zurechnen kann.
Das aber gerade "Liberale" die Wahlfreiheit der Kunden aussen vor lassen, ist schon bezeichnend. Die Kunden wollen einfach die Segnungen der GMO nicht, das kann man doof finden, nur ändern wird sich das durch Zulassung sicher nicht. Allerdings wird dadurch die Wahlfreiheit beseitigt, denn wie geschrieben, das breitet sich überall aus, dann gibt es keine Wahl mehr. Ich weiss nicht, ob es positiv oder negativ ist, aber ich bestehe darauf, die Wahl zu behalten.

MfG
Rauschi

rote_pille hat gesagt…

Welchen Schaden genau hat so ein Nicht-GMO-Bauer denn, den der GMO-Bauer nicht hat? Ist doch völlig egal ob der GMO-Bauer das Saatgut immer wieder kauft oder nicht.
Die Kunden können immer noch entscheiden was sie wollen, indem sie die GMO-Produkte nicht kaufen.

Anonym hat gesagt…

@rote_pille
Ich würde an Deiner Stelle mal die Doku "Monsanto mit Gift und Genen" gucken und beim Them PATENTRECHT ganz besonders gut hinhören.
Denn: Jeder nicht GMO Bauer dessen Bio Saatgut von z.B. Monsanto GMO Saatgut kontaminiert wird, wird von Monsanto verklagt sobald nachgewiesen ist das Teile der Monsanto Gensequenz im Biosaatgut zu finden sind!!!
Da gehen Existenzen ohne Ende drauf.
Ist das Nachteil genug???

rote_pille hat gesagt…

Und Sie kommen nicht auf die Idee, dass man anstatt alles zu verbieten und die Produktivität der Nahrungsmittelproduktion, von der Millionen Leben abhängen, herabzusetzen, das Patentrecht ändern kann?

Rauschi hat gesagt…

@rote_pille
der Hunger ist ja keine Frage der Menge der Nahrungsmittel, sondern eine Frage des Zugangs zu den Ressourcen, also auch zu Geldmitteln (es ist ja nicht jeder Bauer).
Das Patentrecht wurde doch aufgrund von Druck durch Monsanto geändert, wer sollte das wieder zurückdrehen wollen und warum?
Nochmal zum mitschreiben: wenn sich das GMO Saatgut auf die nicht GMO Felder verbreitet und diese Bauern ihre Saat aus den Früchten der Pflanzen, die von GMO beeinflusst sind, ziehen, dann gibt es KEINE Wahlfreiheit mehr, weil es keine Pflanzen ohne Einfluss von GMO gibt.
Sie sollten sich mal mit der Ausbreitung von Pollen beschäftigen, in Mexiko, wo keine GMO zugelassen ist, wird das Erbgut auch schon beeinträchtigt, weil eine Polle sich weder an Feld- noch an Landesgrenzen hält.
Meine Wahlfreiheit ist somit eingeschränkt, auch wenn Sie das nicht sehen wollen oder können.
Wo der Unterschied zur Beeinflussung des GMO durch nicht GMO liegt?
Der Einfluss wirkt sich ja auf die Frucht aus und wenn daraus keine Saat gezogen werden DARF, dann gibt es auch keine Beeinflussung.
Ich würde vorschlagen, mal weiter als bis zum Eigentum zu denken und das eigene Denken wieder einzuschalten.

MfG
Rauschi

rote_pille hat gesagt…

"der Hunger ist ja keine Frage der Menge der Nahrungsmittel, sondern eine Frage des Zugangs zu den Ressourcen, also auch zu Geldmitteln"
- falsch. Es ist egal welcher Bauer eine Produktionssteigerung erfährt, durch die höhere Menge entsteht ein höheres Angebot, das den Preis drückt. Für alle. Wenn der Preis für Nahrung 0 wäre, gäbe es keinen Hunger...
Wenn eine neue Pflanzensorte kreiert wurde, dann verbreitet sie sich eben. Auch die konventionellen Bauern dürften Ihrer Logik keine neuen Sorten züchten, denn die verbreiten sich auf dieselbe Art und Weise und die Bauern die noch die alten verwenden könnten dann mit derselben Argumentation kommen. Wenn die ihre Sorten erhalten wollen, dann müssen sie selbst dafür sorgen.
Ich verstehe diese ganze Besorgnis wegen der Gentechnik überhaupt nicht. Das ist nur eine andere Art Pflanzensorten zu züchten, mehr nicht. Da kommen keine menschenfressenden Arsen verspritzenden Killerpflanzen heraus. Die könnten das Patentrecht sehr wohl ändern, und zum Ausgleich aufhören die Firmen erst mal 10-15 Jahre auf ihren Produkten sitzen zu lassen, was haufenweise Geld kostet und Millionen Menschen das Leben kostet, weil ein paar Erste-Welt-Zitterer Angst vor wissenschaftlichem Fortschritt haben.

Rauschi hat gesagt…

@rote_pille

"Es ist egal welcher Bauer eine Produktionssteigerung erfährt, durch die höhere Menge entsteht ein höheres Angebot, das den Preis drückt." Ach so, jeder Markt funktioniert super, es gibt keine Spekulationen und keine falschen Preise, na dann sollten sich die Menschen, welche sich heute die Nahrung nicht leisten können, wohl in Ihr Universum beamen, da ginge es allen gut.
Warum die sich nicht freuen, das die Überproduktion aus der ersten Welt in Ihre Länder verkauft wird und Ihre eigenen Bauern ruiniert, das liegt wohl auch an den Erste-Welt-Zitterern?
"Ich verstehe diese ganze Besorgnis wegen der Gentechnik überhaupt nicht. Das ist nur eine andere Art Pflanzensorten zu züchten, mehr nicht." das zeigt nur, das Sie sich wohl noch nie mit GMO beschäftig haben. Das ist eben KEINE normale Züchtung, sondern es werden artfremde Gene eingebaut, das ist der Unterschied.
Ich weiss auch nicht, ob das negative Auswirkungen hat, ich möchte aber weiter die Freiheit zu wählen haben. Wenn Ihnen immer noch nicht klar ist, das diese den Bach runter geht, sobald die GMO frei gesetzt werden, dann kann ich auch nicht weiter helfen.
Auch die ganzen Versprechungen, von wegen höherer Ertrag haben sich als Luftnummer erwiesen, abgesehen von extrem resistenten neuen Unkrautsorten.
den Film von Arte kann ich nur empfehlen, da kommt auch ein Bauer zu Wort, der schon Erfahrungen damit gemacht hat und nach anfänglicher Euphorie dann ernüchtert fest stellen muss, da er seine Felder aufgeben muss, weil dem neuen Unkraut kein Mittel bei kommt. Wie das zu einer Ausweitung der Nahrungsmittel führen soll, erschliesst sich mir nicht, dafür muss man wohl ein libertäres Gehirn haben.

MfG
Rauschi

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