Freitag, 5. Februar 2016

US-Präsidenschaftswahlkampf: Kein Paul 2016

Rand Paul. Foto: United States Senate,
via Wikimedia Commons
von Jorge Arprin, ohne Rücksicht
Rand Paul hat gestern offiziell seinen Rückzug aus den Vorwahlen der Republikaner bekanntgegeben. Damit ist mein persönlicher Wunschkandidat schon früh weg, er hatte aber auch realistisch betrachtet kaum eine Chance. Hoffentlich kann er als Senator in Zukunft als kleines liberales Korrektiv eine Rolle spielen. Welchen Kandidaten unterstütze ich nun? Gary Johnson, der noch weniger Chancen haben dürfte als Paul und das sogar selbst einräumt. Er ist zwar Republikaner, tritt aber für die Libertarian Party (LP) an und begreift seine Kandidatur, wie Paul, als eine Art Investition in die Zukunft. Johnson trat bereits 2012 für die LP an und holte 1% aller Stimmen, in der Summe eine Millionen. Mal sehen, ob er sich diesmal verbessern kann.

Wer ist von den übrig gebliebenen Bewerbern der am wenigsten schlimmste? Erstmal lässt sich sagen, wer die Schlimmsten wären: Bernie Sanders und Donald Trump. Bei Sanders sind nicht nur seine Chavez-ähnlichen Ansichten furchterregend, sondern dass er sie vielleicht umsetzen könnte. Er ist nämlich jemand, der Enthusiasmus auslösen kann, was man an seinen Anhängern sehen kann. Die Leute, die meinen, der Föderalismus in den USA sei zu stark, um Sanders’ Wahnsinn zu ermöglichen, möchte ich auf Roosevelt verweisen, dessen Zentralisierungswahn nicht (ausreichend) gestoppt werden konnte, oder auch an Obamacare, vom Obersten Gerichtshof durchgewunken. Die USA sind also nicht sicher vor einer Sanderschen Venezolanisierung.

Trump ist mit seinen Plänen, Amerika wieder groß zu machen, indem eine Mauer um Mexiko errichtet wird (die “Große Trumpsche Mauer”?), alle 11 Millionen Illegale abzuschieben und die Zölle für chinesische Importe zu erhöhen, ebenfalls furchterregend. Einer meiner Lieblingsblogger, Donald J. Boudreaux, hält Trump für besonders schlimm, weil Trumps Maßnahmen von den Menschen und den zukünftigen Historikern als “freie Marktwirtschaft” fehlinterpretiert werden. Somit ist klar, wer auf beiden Seiten die Schlimmsten sind. Zum Glück gelten sie derzeit bei den Buchmachern noch nicht als die Favoriten. Hier sind Marco Rubio bei den Republikanern und Hillary Clinton bei den Demokraten vorne.

Rubio ist besser als Ted Cruz, der sehr konservative Ansichten vertritt und innerhalb der Partei eine geringere Unterstützung geniesst. Cruz würde als Kandidat auch kaum eine Chance gegen Clinton haben, weshalb Rubio die Nase vorn haben dürfte. Clinton, die wahrscheinlich nicht weiß, wie man einen Computer bedient, wäre ein großer Rückschlag für den Feminismus (im Übrigen wäre Sanders der erste jüdische Präsident, aber er hängt seinen Minderheitenstatus im Gegensatz zu Clinton nicht an die große Glocke), ist aber die Kandidatin mit den besten Chancen und somit die, mit der wir uns Stand jetzt abfinden müssen. Das Beste wäre, wenn sie im Kongress kaum Unterstützung erhält und so wenige Pläne wie möglich umsetzt. Desto weniger Gesetze, desto weniger Schaden.

Ich hoffe auf eine gute Kampagne von Gary Johnson. Ein Ergebnis von 5% wäre ein Erfolg epischen Ausmaßes, eine Verdopplung des Ergebnisses von 2012 wäre aber auch schon gut und würde Johnsons Status verbessern. Wer weiß, ob Rand Paul oder Gary Johnson 2020 noch eine realistische Chance bekommen, ins Weiße Haus einzuziehen. Unter den Demokraten gibt es keine Hoffnung auf einen vernünftigen Kandidaten. Um sich an ein bisschen Hoffnung zu klammern: Sanders und Trump werden es wohl nicht schaffen, und immer mehr Amerikaner bezeichnen sich als “sozial liberal, fiskalisch konservativ”. So gesehen müsste es einer wie Paul oder Johnson irgendwann auf die große Bühne schaffen.

1 Kommentar:

  1. Was für Hoffnung? Ist doch völlig wurscht was die wählen. Das System geht eh unter. Hoffnung gibt's wenn die endlich weg sind. Der gute Bernie könnte die Sache massiv beschleunigen.

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