Mittwoch, 17. Februar 2016

Rettet Europa vor der EU: Mehr Recht, weniger Politik!

Das Buch kann hier bestellt werden
Dominik Ešegović rezensiert
Carlos A. Gebauer: Rettet Europa vor der EU. Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht, Finanzbuchverlag, Edition Lichtschlag, München 2015, 267 Seiten. 

Ich gehöre zur Sorte Mensch, die Bücher auch gerne mal verleiht, ja diese anderen manchmal quasi fast aufdrängt, mit einem geradezu missionarischen Eifer beseelt, weil man bestimmte Bücher doch einfach gelesen haben muss, möchte man die Welt rings herum verstehen. Dabei war ich bisher nicht nur von einem naiven Überzeugungswillen getrieben, sondern auch von der stumpfsinnigen Annahme geleitet, dass der Zwangsbeglückte oder auch Halbinteressierte das Buch 1. liest und 2. mir wieder möglichst unbeschadet vorbeibringt. Meine leibliche Schwester gehört bestenfalls in die Kategorie „halbinteressierte Zwangsbeglückte“. Auf die Frage, was sie denn von dem Buch halte, dass ich ihr neulich lieh, antwortete sie mir zu meinem Erstaunen, es sei sehr „nützlich“. Als ich ihr dann jüngst einen Besuch abstattete – die empfohlene Literatur war längst aus meinem Gedächtnis gestrichen – sollte ich unversehens dahinter kommen, was das Werk für sie so „nützlich“ machte: es befand sich auf ihrem Schreibtisch, jedoch als Buchablage gänzlich ungeeignet zwischen dem Karton eines Gesellschaftsspiels und einem Computerbildschirm gelegt. Diese Art der Aufbewahrung ist für ein häufiges Nachschlagen wohl eher hinderlich, umso „nützlicher“ ist die Position des Buches jedoch für denjenigen, der sich dadurch eine ergonomischere Sitzhaltung vor dem heimischen Arbeitsbildschirm erwartet. 

Um als bloße Flatscreenpodeste missbraucht zu werden, dafür sind die Bücher von Carlos Alexander Gebauer zu schade. Sein jüngstes Werk trägt den Titel: „Rettet Europa vor der EU“. Obwohl der Überschrift ein Ausrufezeichen nicht explizit beigefügt wurde, handelt es sich zweifelsohne um einen klassischen Imperativ. Man fühlt sich erinnert an populärliterarische Werke wie „Vergesst Auschwitz!“, „Speak German!“, oder auch an anspruchsvollere Kost wie „Hohlt unser Gold heim!“. Das Buch bietet inhaltlich so manche Überraschung, ist doch der blaue Einband alles andere als sonderlich geistreich gestaltet.

Das erste Kapitel vermittelt dem Leser erstmal – mit Marx gesprochen – den „theoretischen Überbau“, um das Wesen der Europäischen Union überhaupt zu begreifen. Dabei fängt der Autor – und das tut dem Philosophen in uns ganz gut – bei Adam und Eva an. Was ist das Wesen von Herrschaft? Wie funktioniert sie? Carlos Gebauer erklärt es uns. Schritt für Schritt. Der musikalische Jurist nimmt uns an die Hand und gleitet mit uns über historisches, philosophisches, ökonomisches und über politisches Parkett. Am Ende des Ausfluges fühlt man sich bestens informiert und geradezu inspiriert. Wer vorhatte, dem Wesen der „staatsähnlichen“ Einrichtung mit den zwei Buchstaben ordentlich auf den Grund zu gehen, der sitzt nach der Lektüre mit zerzaustem Haar (sofern vorhanden), zusammengekauert, aber höchst zufrieden im Sessel und steckt sich wohl in jenem Moment eine Zigarette an. Beim Inhalieren des Rauches resümiert der Leser den Inhalt noch einmal kurz und stößt das Gelernte zusammen mit den aromatischen Spurengasen in Richtung Kronleuchter aus: „Hin zum Privat-, weg vom öffentlichen Recht“, „weg mit dem ‚Transferrubel‘“, „Mehr Recht, weniger Politik“. 

Normalerweise schreibe ich ja nicht in Bücher, die ich nicht selbst herausgegeben habe, doch bei diesem Werk habe ich mal eine Ausnahme gemacht. Beim Verfassen von Kommentaren und beim Unterstreichen denkwürdiger Passagen musste ich an Murray Rothbard denken. Dieser hat stets seine eigenen Bücher vollgeschmiert und mit witzigen Anmerkungen versehen. Jener New Yorker Ökonom wie auch sein Peiner Schüler Hans-Hermann Hoppe, werden in Gebauers Werk ausführlich zitiert. Doch der humorvolle Jurist, den die älteren Fernsehzuschauer, zu denen ich selbst gehöre, noch als Strafverteidiger aus einer TV-Gerichts-Show kennen, lässt auch forsche EU-Apologeten zu Wort kommen. Gebauer entlarvt die selbsternannten Euro-, Europa- und Planetenretter, indem er das von ihnen Gesagte auf den Seziertisch legt und die freiwerden Stückchen als die unappetitlichen Brocken zur Schau stellt, die sie nun mal sind. 

Machen wir uns nichts vor: Gebauers Werk wird keine Millionen-Leserschaft erreichen. Es werden wohl einige Tausend bleiben. Auch als Bildschirmablage ist das Buch als Paperback gänzlich ungeeignet. Doch sein Inhalt ist es, das den ein oder anderen zum Nachdenken, Umdenken und womöglich sogar zum Umlenken verleitet. Vielleicht nicht gerade einen Martin Schultz oder einen Jean-Claude Juncker; doch das Werk kann dazu beitragen, dass sich immer mehr Menschen von der Vorstellung lösen, dass „die da oben“ es schon richten werden, oder, dass man „selber ja nichts ändern“ könne. Die mächtigste aller Veränderungen beginnt bei einem selbst. Eine der wertvollsten Erkenntnisse im Leben ist jene, dass man für sein Glück ganz allein verantwortlich ist und Bürokraten, auch jene mit den besten Absichten, dieser Selbstverwirklichung nur im Wege stehen. Dieses Buch hilft Ihnen oder Ihren Lieben dabei, Dinge klarer zu sehen und deutlicher zu benennen. Verschenken Sie es – seien Sie naiv: verleihen Sie es! Befreien Sie es von der Last verstaubter Bildschirme und stellen Sie es sich wieder ins Regal! Tun Sie irgendwas! Egal was. Hauptsache Sie tragen dazu bei, die Illusionen um die Europäische Union – um die Politik insgesamt – abzubauen. Ihre Enkel werden es Ihnen eines Tages danken.

Gute Europäer werden diesen Kontinent besser machen – die Leser von Freitum sind welche davon!

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