Samstag, 20. Februar 2016

Liberale Hilflosigkeit: Raus aus der Narrenwelt, hin zur Selbstbestimmung!

CC0 Public Domain / Pixabay
von Kurt Kowalsky, aus der Reihe ''Kowalsky analysiert die Narrenwelt''
Da schrieb vor ein paar Tagen ein liberaler Buchautor über den Anarchismus folgendes: „Das Problem ist die Herrschaft von Menschen über Menschen, die den Menschen nicht nutzt.“

Also die Philosophie des Anarchismus hat mit der Herrschaft von Menschen überhaupt keine Probleme, sie lehnt die Herrschaft von Menschen über die Menschen aufgrund ihrer axiomatischen Selbstgegebenheit (ihrer ontischen Struktur) und aufgrund der Widersprüchlichkeit einer derartigen Handlung ab.

Wenn die Vertreter des Liberalismus schon nicht ihre eigenen Probleme thematisieren wollen, sollten sie wenigstens keine verräterischen Konditionalsätze über ihre Befindlichkeit herausposaunen. Denn obiger Satz drückt aus, dass sein Schreiberling meint, es gäbe Herrschaft über Menschen, welche den Beherrschten nutzt.

Und genau das unterscheidet den Anarchismus von allen Spielarten des Liberalismus. Herrschaft nutzt immer dem Herrscher und nie dem Beherrschten. Aber bestimmte Vertreter des Liberalismus, wie obiger Buchautor, sind konkludent der Auffassung, dass sie entscheiden können, was den Beherrschten nutzt und was nicht.

Das Problem des Demokratismus ist, dass seine Vertreter suggerieren, das Volk bestimme die Mächtigkeit des Staates. Bereits das Bekenntnis zur "freiheitlich-demokratischen Ordnung" drückt aus, dass Freiheit und Mitbestimmung schlechthin konstituierend wären. Ob sich die entsprechenden Vertreter nun als christlich-sozial oder sozial-grün oder als liberal bezeichnen ist irrelevant. Das sind alles politische Schimären des Liberalismus, weil sie allesamt vorgeben, für die Freiheit und Würde der Menschen einzutreten, sich tatsächlich jedoch Bevormundung, Zwang, Sklaverei, Ausbeutung anderer Länder und Krieg zur Handlungsmaxime erkoren haben.

Und dies alles ist möglich, geht man davon aus, dass man der Hüter eines Rechts des Stärkeren wäre und wisse, wann Beherrschung und Zwang den Beherrschten nutzt.

"Die politische Auseinandersetzung", schrieb ich an anderer Stelle, "ist der Nebel, in dem sich die Leute bis zum nächsten Kriegsschauplatz vorschwätzen." Liberale waren und werden bei jedem Gemetzel dabei sein.

Schade, dass ich nun kein Buchtipp für Sie habe. Aber einen fürchterlich schönen Film habe ich auf YouTube ausgegraben. Er heißt: "Nürnberger Prozess. Recht oder Rache?" (Länge: 73 Minuten)

In diesem Film wird trefflich gut beschrieben, wie es so zugeht, wenn Kriegsverbrecher und Menschenschlächter über Kriegsverbrecher und Menschenschlächter zu Gericht sitzen. Da der Sieger stets der Stärkere ist, deshalb das Recht, die Strafprozess- und Gerichtsordnung setzt, ist der Ausdruck "Siegerjustiz" eigentlich noch verharmlosend.

"Bescheidne Wahrheit sprech ich dir.
Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt,
Gewöhnlich für ein Ganzes hält", 
meinte Mephisto. Das gilt für jede Art Verfassungsliberalismus genauso, wie für den Demokratismus und andere Herrschaftssysteme.

Es gilt nicht für die Philosophie des Anarchismus, auch wenn sich einzelne Vertreter des Anarchismus ständig eine Narrenwelt zusammenbasteln.

Wenn Sie, liebe Vertreter einer anderen Meinung, nun glauben, dass der empirische Beweis für das Funktionieren des Anarchismus fehle, sollten Sie mit den Vertretern des Liberallala ins Gespräch kommen. Die sammeln seit John Locke und Adam Smith die empirische Beweise dafür, dass sich ihre guten Absichten stets ins Gegenteil verkehren.

Um aber zu behaupten, dass ein Kreis rund ist, ein Junggeselle unverheiratet, Herrschaftslosigkeit ohne Herrschaft ist, bedarf es keiner empirischen Beweise.

Befreien Sie sich aus Ihrer Hilflosigkeit, mental, intellektuell und wenn möglich konditionell und Sie machen den ersten Schritt heraus aus der Narrenwelt in Richtung Selbstbestimmung.

Kommentare:

  1. Wenn Staatsbefürworter von Herrschaft sprechen, die "dem Mensch" nützt, meinen diese meist nicht, dass es jedem Menschen nützt, sondern lediglich "dem Mensch" in seiner Erscheinungsform eines Kollektivs. Wenn man einem Reichen etwas nehme und dem Armen gebe, dann habe man zwar unmittelbar dem Reichen geschadet und unmittelbar dem Armen geholfen. Außerdem habe man unmittelbar dem Menschem INSGESAMT geholfen, da 100€ Verzicht für den Reichen viel weniger bedeute, als 100€ für den Armen.

    Darüber nutzt dieser institutionalisierter Zwang auch den Reichen INSGESAMT mittelbar, indem die Armen mittels Brot und Spiele ruhig gestellt werden, damit sie nicht unkontrolliert auf die Reichen los geht.

    Vom Staat profitiere daher jeder, wenn er nur richtig gestaltet sei!

    Das ist es, was Staatsbefürworter meinen. Und das muss man zunächst verstehen. Über die Frage, ob das zutrifft und ob der Zweck die Mittel heiligt, kann man diskutieren.

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  2. Es wäre spannend zu erfahren, was die Praxeologie zum Staatsnutzen unter Betrachtung von Kollektiv, unmittelbaren und mittelbaren Nutzen zu sagen hat. Vermutlich recht wenig. Anarchisten und Sozialisten verstehen einander ja nicht einmal.

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