Mittwoch, 24. Februar 2016

Die Droge der anderen Art: Das unterschätzteste Land der Welt

Drogenbaron Pablo Escobar als Stigma. Dabei hat Kolumbien
noch viel mehr zu bieten.
von Christoph Heuermann, dem Staatenlosen
Schaust Du gerne Netflix? Dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass Dein Blick die letzten Wochen das unterschätzteste Land der Welt gestreift hat. Das unterschätzteste Land der Welt heißt nämlich Kolumbien – und die Serie „Narcos“.

Sie illustriert den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Pablo Escobar und die damit verbundenen Drogenkriege, die Kolumbien einst in Angst und Schrecken versetzten.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei.

Kolumbien mag immer noch das Stigma eines Drogenlandes anhaften – und tatsächlich ist Kokain hier spottgünstig (5$ pro Gramm). Doch Kolumbien hat so viel mehr zu bieten als sich mit günstigen Drogen zu berauschen. Heute besucht man eher das Anwesen Escobars, in dem er vor wenigen Jahren noch wöchentlich die kolumbianische Fußballmannschaft auf einen Kick einflog!

Kolumbien ist ein Land voller Vielfalt, geprägt von den majestätischen Anden, dichtem Dschungel, der tropischen Karibik- und isolierten Pazifik-Küste. Ein Land, dessen afroamerikanische, indigene, spanische, mestizische und Einwander-Bevölkerung für eine enorme Vielfalt und die schönsten Frauen der Welt sorgen. Ein Land, dessen Bewohner freundlich, offen und neugierig über Fremde sind ohne ihre kulturellen Wurzeln zu vergessen. Ein Land, das durch ein Klima des Ewigen Frühlings besticht, mit delikaten lokalen Speisen aufwartet und eines der besten Kaffee der Welt produziert. Letztlich ein Land aufstrebender Metropolen neben kleinen Juwelen an Kolonialstädten, einer überraschend guten Infrastruktur und äußerst niedrigem Preisniveau.

Das ist Kolumbien – so stigmatisiert das Land auch noch sein mag.

Natürlich gibt es noch Mord und Totschlag in Kolumbien. Drogenbarone kontrollieren immer noch den Kokainschmuggel und liefern sich Gefechte mit Polizei und Militär. Die Fehde zwischen rechten Paramilitärs und linken FARC-Rebellen ist noch längst nicht vorbei. Doch die Schauplätze haben sich verlagert. Weg von den Großstädten, rein in den dichten Dschungel, den Fremde niemals von sich aus betreten würden.

La Violencia – die Zeit, in den 80ern und 90ern, wo man seine eigene Stadt nicht verlassen konnte, ist vorüber. Bis auf wenige Regionen (etwa nahe zur Ecuador) sind Überlandreisen völlig sicher – auch bei Nacht. Auch wenn man sich vor Diebstahl immer in Acht nehmen muss (so war ein staatenloser Laptop auf einmal weg). Die Straßen sind modern, der Verkehr fließt und Busse haben sogar funktionierendes WLAN.

Langweilig wird einem letztlich kaum werden. Großstädte wie Medellin, Bogota, Cali, Cartagena und Santha Marta sind voller Leben und Party. Ruhe findet man in hübschen Kolonialstädten wie Santa Fe de Antioquia, Popayan, Salento, Mompox oder Villa de Levya. Abenteuer in den Anden winken in der Kaffee-Region – das Dreieck zwischen den Städten Manizales, Perrereira und Armenia. Oder in den vielfältigen anderen Gebieten des Landes. Ob Wüsten im Norden (La Guajira) oder im Zentrum (Tatacoa), tiefster Dschungel am Amazons in Leticia oder Karibik-Wasserspaß im Tayrona Nationalpark – für den abenteuerlustigen Reisenden hat Kolumbien mehr als genug zu bieten.

Aber ich höre mich wie ein Reiseverkäufer an.

Unterschätzte Innovation?

Warum ist das Land vielleicht für Dich als potentieller Investor, Unternehmer oder allgemein Perpetual Traveler interessant?

Gerade die Stadt Medellin verdient einen besonderen Blick. Auf den Höhepunkt des Bürgerkriegs 1991 sah die Stadt 45.000 Morde in 15 Jahren. Seitdem gab es weitere 45.000 Morde. Doch die Gewalt versiegt immer mehr. Waren es 1991 380 Morde im Jahr, sind es nun mehr noch 30. Dies mag immer noch viel sein – betrifft aber fast ausschließlich den Drogenkrieg im Untergrund.

Oben kann man sich in vielen Stadtvierteln nämlich völlig frei bewegen.

Nach einer durchzechten Nacht allein nach Hause torkeln? In Medellins Poblado-Distrikt kein Problem.

Was in vielen anderen Städten Lateinamerikas durchaus gefährlich werden kann, ist in vielen Vierteln kein Problem mehr. Abseits des eher rauen Stadtzentrums kann man sich in Medellinzu jeder Tageszeit frei bewegen – und den innovativen Transport in Anspruch nehmen. Medellin verfügt über Kolumbiens einzige Straßen-Bahn, die die in einem Tal gelegene 4-Millionen-Stadt optimal durchquert. Verbinden tut sie zu Seilbahnen, die die Hänge hinauf in die anderen, oft ärmeren Stadtteile führen. Mit einem Ticket von etwa 50 cent kann man auf Wunsch den ganzen Tag mit der Seilbahn und der Bahn hin- und herfahren und dabei die grandiosen Aussichten genießen.

Apropos Innovation: Medellin wurde 2012 zur innovativsten Stadt der Welt gewählt. Welch Wandlung in recht kurzer Zeit die Stadt doch genommen hat.

Doch die positive Entwicklung ist längst noch nicht zu Ende – sie fängt gerade erst an.

Ein Grund dafür ist, dass die große Mittelschicht nach Jahren der Angst sich nun endlich den schönen Dingen des Lebens zuwendet. Statt Waffen zu kaufen und Schutzgeld zu zahlen, werden heute Wohnungen, Autos und Elektronik erworben, im Land verreist und vieles mehr.

Ein weiterer Grund sind die Paisas – die stolzen Bewohner Medellins. Nicht ohne Grund zählen sie zu den schönsten der Welt und sind für ihre Gastfreundschaft geschätzt. Ihr intellektuelles Kapital ist enorm – auch daher wurde Medellin zur innovativsten Stadt der Welt gewählt.

Der Hauptgrund ist derzeit der Preis. Der Kolumbianische Peso ist momentan stark abgewertet, was Reisen in Kolumbien zu einem wahren Fest für den Geldbeutel werden lässt. Selbst mit relativ schwachem Euro kann man regelmäßig ein saftiges Filet Mignon für 5€ genießen. Doch abseits des täglichen Labens ist dies vor allem aus Investment-Perspektive interessant.

Investieren in Kolumbien?

Immobilien in Medellin sind etwa äußerst günstig zu haben. Im Poblado, dem besten Stadtviertel Medellins, winken Studio-Apartments bereits für 40.000€ – mit krassen Ausblick inkludiert. Für äußerst luxuriöse Zwei-Zimmer-Apartments muss man etwa 120.000€ auf den Tisch legen, wird davon aber keinen Pfennig bereuen. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass sie in 10 Jahren sich im Wert verdoppeln.

Selbst wer nicht in Kolumbien leben möchte – obwohl die Lebensqualität in meinen Augen viel höher ist als in deutschen Städten – kann vom Boom in Kolumbien profitieren.

Aktien kolumbianischer Unternehmen sind solide Investments, die sich mit der Zeit auszahlen werden. Ein gut gestreuter Index-Fonds in Kolumbien ist eine gute Wahl für alle, die mehr von ihrem Geld erwarten als Negativzinsen.

Während Kolumbien in puncto Rechtssicherheit und Korruptionsfreiheit noch nicht mit Ländern wie Chile mithalten kann, ist es doch eines der stabilsten und kapitalistischsten Länder Lateinamerikas – ganz anders als seine kommunistischen Nachbarn Ecuador und Venezuela.

Auch für Perpetual Traveler ist das Land optimal. Genau südlich eines der freiesten Länder der Welt – Panama – ist es das perfekte Bindeglied zum zentralen Aufenthalt zwischen Mittel- und Südamerika mit guten Flugverbindungen in die Region. Wie Du dauerhaften Aufenthalt hier erlangen kannst, schauen wir uns ein anderes Mal an, dies ist aber generell keine große Sache. Von Medellin und Bogota lässt sich ohnehin alle 3 Monate ein kleiner Visa-Run nach Panama, Costa Rica oder viele weitere interessante Länder machen.

Kolumbien hat mich begeistert – es ist eine Droge der ganz anderen Art. Meine nächste Reise nach Lateinamerika wird auf jeden Fall wieder in Kolumbien beginnen – denn es gibt noch so viel zu entdecken – und zu lernen über ein tolles Land, das meiner Ansicht nach zu den unterschätztesten Ländern der Welt gehört!

Worauf wartest Du noch? Warst Du schon in Kolumbien?

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die gemeinsame Nutzung. Ich war noch nie in Kolumbien gewesen, aber ich bin auf jeden Fall dieses Land gehen zu besuchen. Ich kann Ihnen diese Firma https://poseidonexpeditions.com/de/antarktis/ von meiner Seite empfehlen. Wenn Sie jemals besuchen Antarktis wollten sie Ihnen helfen.

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